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Nîmes


Das Neue Jahr hatte gerade begonnen, so träumte ich am finsteren Wintertag von Frühlingssonne. Die Vorfreude brachte also langen Lichtschimmer, schon am 1. Jänner hatte ich den Flug mit EasyJet nach Lyon gebucht, Bahntickets weiter in den Süden besorgt und ein schönes Hotel im Zentrum ausgewählt.

Das Warten hatte nun ein Ende, es war Zeit mich vom Winterschlaf zu erheben und das kleine Gepäck in den Rucksack zu stopfen. Wunderschön war der Flug zur Mittagszeit nördlich entlang des gesamten imposanten schneebedeckten Alpenbogens von Wien bis zum Genfer See, wo Lyon dann nicht mehr weit ist. Mit dem Rhônexpress (Expressstraßenbahn) und U-Bahn war ich rasch vom Flughafen in Lyon-Perrache, einem der beiden großen Bahnhöfe in Lyons Innenstadt. Von dort brauste der TGV mit eindrucksvollen 300 km/h vorbei an Valence über die LGV Méditerranée nach Nîmes. Es war später Nachmittag, als ich dort am Bahnhof ankam.


Bahnhof von NîmesNîmesNîmes
NîmesNîmesNîmesNîmes


Ein Besichtigungsprogramm hatte ich mir noch nicht vorgenommen, aber für einen Bummel durch die Altstadt von Nîmes war genügend Zeit. Die klassizistischen Häuser in der überschaubaren Altstadt lassen nicht erahnen, dass die Stadt immerhin 150 000 Einwohner zählt. Die Stadt mutet wie eine kleine Provinzstadt an, was insoweit auch stimmt, als sie Hauptstadt des Départements Gard in der Provinz Languedoc ist. Und jedenfalls in der Provence. Als ich dann unter den zahlreichen lebendigen Lokalen einen feine Weinbar ausgewählt hatte und mit einem Glas abends noch im Freien saß wusste ich, dass es mir hier sehr gut gefällt.


Amphitheater von Nîmes


Ausgeruht konnte ich den Tag beginnen. Die Hauptattraktion der Stadt hatte ich schon gesehen, am Weg vom Bahnhof ins Stadtzentrum kommt man an diesem eindrucksvollen Bauwerk aus der Antike vorbei. Um 120 v.Chr. hatten die Römer den Süden Frankreichs erobert und Provinzen eingerichtet. Einen großen Aufschwung nahm Nîmes bzw. Nemausus, wie es damals hieß, um das Jahr 30 v.Chr., als Soldaten aus den ägyptischen Kriegen von Marcus Antonius (und Kleopatra) gegen Octavian (dem späteren Kaiser Augustus) angesiedelt wurden. Das Krokodil, das noch heute das Stadtwappen schmückt, hatte als exotisches Tier die Soldaten offensichtlich so beeindruckt, dass sie es zum Wappentier der Stadt erkoren.


Römisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von Nîmes
Römisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von Nîmes
Römisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von Nîmes


Als Stadt von Rang erhielt Nîmes im 1. Jhdt.n.Chr. ein großes Amphitheater. Nicht ganz so groß wie das Kollosseum in Rom, aber als Oval mit 130 m Länge und 100 m Breite fasste es doch immerhin 25 000 Besucher. In der Antike verfolgten die Zuschauer in der Arena Gladiatorenkämpfe, das aussergewöhnlich gut erhaltene Bauwerk bietet auch heute Besuchern begeisternde Veranstaltungen, Stierkämpfe und Rockkonzerte unterhalten die Menschen auf den Rängen.


Römisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von Nîmes
Römisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von Nîmes
Römisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von Nîmes


Abgesehen von der auch für ein heutiges Stadion beachtlichen Größe faszinierte mich auch das durchdachte System an Treppen und Zugängen, das auch den heutigen Anforderungen zur Leitung der Besucherströme und an Fluchtwegsmöglichkeiten genügt. Wie konnte so eine imposante und funktionelle Architektur ohne 3D-Konstrukionsmöglichkeiten am Computer vorab geplant werden? In jeder zweiten der 60 aussenliegenden Arkaden führt eine breite Treppe in Gänge und weiter ins Innere des Ovals, gegenläufige Stiegen erschließen in den dazwischenliegenden Bögen die höheren Ränge über umlaufende Gänge mit vielen Ausgängen zu den 34 Sitzreihen, die so rasch und ohne Engstellen erreicht werden können. Ich fand es echt spannend, dieses System an Treppen und Gängen zu erforschen, mehre Runden drehte ich im Inneren des Bauwerks.


Römisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von Nîmes
Römisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von Nîmes
Römisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von Nîmes
Römisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von Nîmes


Für den guten Erhaltungszustand ebenso wie für die verursachten Schäden zeichnet die Zeit nach der römischen Antike verantwortlich. In den kriegerisch unruhigen Zeiten bis ins Mittelalter suchte die Stadtbevölkerung in dem massiven Bauwerk Schutz. Die Arkadenbögen wurden zugemauert und die Sitzreihen mit über 200 Häusern überbaut, selbst Kirchen fanden im Inneren der Arena Platz.


Römisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von Nîmes
Römisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von Nîmes
Römisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von Nîmes
Römisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von Nîmes


Und natürlich hat man vom oberen Rand des über 20 m hohen Bauwerks auch einen Ausblick über die Stadt.


Römisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von Nîmes
Römisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von Nîmes
Römisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von Nîmes
Römisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von NîmesRömisches Amphtheater von Nîmes


Maison Carrée


Hoffentlich ist dein Interesse an Bauten der Römerzeit noch nicht erschöpft, denn ich bzw. Nîmes, wir hätten da noch ein ganz feines graziles Bauwerk im Angebot.

Auf dem Forum wurde ebenfalls zur Blütezeit der antiken Stadt im 1. Jhdt.n.Chr. den jung verstorbenen Söhnen des Agrippa, Gaius und Lucius (zudem Adoptivsöhne des Augustus) ein Tempel errichtet, wie anhand der Dübellöcher der Inschrift am Friesbereich rekonstruiert werden konnte. Schlicht als Maison Carrée („rechteckiges Haus”) wird der Tempel bezeichnet der auf seinem Podium das Forum überragte. Ausgeführt ist er als Pseudoperipteros, die Säulen grenzen zwar die offene Vorhalle ab, um die Cella gibt es jedoch keinen Umlauf, die Säulen mit ihren korinthische Kapitellen sind dort in die Wände der Cella integriert. Dass der Tempel so besonders gut erhalten ist verdanken wir dem Umstand, dass er vom frühen Staatschristentum in eine Kirche umgewidmet und somit auch nach Ende des Römischen Reiches weitergepflegt wurde.


Musée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la Romanité
Maison CarréeMaison CarréeMaison Carrée
Maison CarréeMaison CarréeMaison Carrée


Leider ist von der Innengestaltung nichts mehr übrig, für die Touristen werden darin heutzutage Filme zur Stadtgeschichte gezeigt. Umgeben ist der Platz von klassizistischen Häusern, ein moderner Bau sticht heraus. Das Carré d’Art, ein Museum für Moderne Kunst geplant vom Architekten Norman Foster soll mit seinen vorgestellten Säulen die Architektur des Tempels widerspiegeln und deshalb mit ihm harmonieren. Naja, der Tempel wird auch das überdauern.


Maison CarréeMaison CarréeMaison Carrée
Maison CarréeMaison CarréeMaison Carrée


Musée de la Romanité


Weiter geht es mit Artefakten aus der Geschichte, präsentiert in einem nagelneuen Museum. Das Musée de la Romanité unmittelbar neben dem Amphitheater ist ein ganz moderner Bau eröffnet erst im Vorjahr (2018). Gegenüber der Fassade, die lt. der Architektin Elizabeth de Portzamparc an eine römische Toga erinnern soll war ich anfangs etwas skeptisch, die Innengestaltung hat mich aber überzeugt.
https://www.nimes-tourisme.com/en/museums/musee-de-la-romanite.html


Musée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la Romanité
Musée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la Romanité
Musée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la Romanité


Ins Musée de la Romanité wurde die Sammlung des alten Archäologischen Museums übernommen, nur das jetzt viel mehr Platz für zusätzliche Austellungsstücke ist und die Präsentation modern und zeitgemäß erfolgen kann. Gezeigt werden Fundstücke aus der Bronzezeit bis ins Mittelalter, wobei der Schwerpunkt eindeutig auf der Römischen Epoche liegt. Es sind ganz wunderbare Mosaike und Skulpturen zu sehen, der Besuch hat mir sehr gut gefallen.


Musée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la Romanité
Musée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la Romanité
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Musée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la Romanité


Musée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la Romanité
Musée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la Romanité
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Musée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la Romanité
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Musée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la Romanité
Musée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la Romanité
Musée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la Romanité


Musée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la Romanité
Musée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la Romanité
Musée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la Romanité


Ganz wunderbar ist auch der Ausblick von der Dachterrasse über die Stadt.


Musée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la Romanité
Musée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la RomanitéMusée de la Romanité


Jardins de la Fontaine


Der warme Frühlingstag war ja wie gemacht für einen Spaziergang im Park, den hatte ich geplant. Von der nordwestlichen Ecke der Altstadt folgt man zuerst einem kleinen Kanal. Dieser wurde angelegt, um die Textilmanufakturen mit Wasser zu versorgen. Weltweit bekannt ist Nîmes für ein sehr strapazierfähiges Stoffgewebe in Köperbindung. Nach seiner Herkunft wurde die Webart „de Nîmes” genannt, woraus sich die geläufige Stoffbezeichnung Denim entwickelte.


Jardins de la FontaineJardins de la FontaineJardins de la Fontaine
Jardins de la FontaineJardins de la FontaineJardins de la Fontaine
Jardins de la FontaineJardins de la FontaineJardins de la Fontaine
Jardins de la FontaineJardins de la FontaineJardins de la Fontaine


Der ruhige Kanal mündet dann in die Wasserbecken einer großen Parkanlage. Die Jardins de la Fontaine wurden im 18. Jahrhundert mit Brücken und Skulpturen geschmückt, eine schöner Ort zum flanieren. Treppen führen den Hang hinauf, wo sattes Grün und die Blüten der erwachten Natur die warmen Sonnenstrahlen genießen, das tat ich auch, ruhte etwas auf einer der Bänke.


Jardins de la FontaineJardins de la FontaineJardins de la Fontaine
Jardins de la FontaineJardins de la FontaineJardins de la Fontaine
Jardins de la FontaineJardins de la FontaineJardins de la Fontaine


Jardins de la FontaineJardins de la FontaineJardins de la Fontaine
Jardins de la FontaineJardins de la FontaineJardins de la Fontaine


Jardins de la FontaineJardins de la FontaineJardins de la Fontaine
Jardins de la FontaineJardins de la FontaineJardins de la Fontaine


Tour Magne


Doch nicht nur der Erholung wegen war ich in den Park gekommen, an seinem höchsten Punkt hat sich ein interessantes Bauwerk erhalten. Im 3. Jahrhundert hatten die Kelten einen 18 Meter hohen Turm aus Naturstein aufgeschichtet, dessen Zweck heute rätselhaft ist. Die römischen Eroberer ummantelten den bestehenden Turm, verdoppelten seine Höhe und integrierten ihn in ihre 7 Kilometer lange Stadtmauer um Nîmes. Notwendig war diese Höhe nicht, beim Tour Magne handelt sich wohl mehr um eine Machtdemonstration der Besatzer. Über eine Rampe konnte das Sockelgeschoss erreicht werden, die tempelartigen Säulen ganz oben fehlen heute.

Im Lauf der Zeit kam irgend jemand auf die Idee und räumte den ursprünglichen Turm aus dem Inneren des römischen Turmes, die hohle Form entspricht einem Negativabdruck des gallischen Baus. Über eine Wendeltreppe kann man nun zur Terrasse in 30 Meter Höhe gelangen, von wo sich ein Ausblick über die Stadt auftut.


Tour MagneTour MagneTour Magne
Tour MagneTour MagneTour MagneTour MagneTour MagneTour Magne
Tour MagneTour MagneTour Magne


Dianatempel


Im Park der Jardins de la Fontaine sind die Ruinen eines weiteren Bauwerks aus der Römerzeit erhalten. Der einst tonnengewölbte Bau wird traditionell als Dianatempel bezeichnet, wobei es keinerlei Anhaltspunkte dafür gibt, dass es sich um einen Tempel handelt und noch weniger wem er geweiht gewesen sein könnte. Man vermutet vielmehr, dass es sich um einen Teil einer antiken Bibliothek handelt.


Dianatempel  in den Jardins de la FontaineDianatempel  in den Jardins de la FontaineDianatempel  in den Jardins de la FontaineModell des Pont du Gard im Musée de la Romanité


Etwa 20 Kilometer von Nîmes entfernt überspannt die imposante Brücke des Pont du Gard in 50 m Höhe und mit einer Länge von 275 m das Flusstal des Gard. Die Römer erbauten dieses faszinierende Aquädukt mit Bogenbrücken auf drei Ebenen als Teil der Wasserleitung zu Versorgung von Nîmes. Die Quelle ist etwa 20 km von der Stadt entfernt, doch hat der Kanal eine Länge von 50 km, um unter Ausnutzung des Geländeverlaufs ein stetiges Gefälle von 24cm/km zu erreichen, eine fantastische Leistung der römischen Baukunst.

Erst spät wurde mir bewusst, dass sich der Pont du Gard so nahe bei Nîmes befindet, so blieb mir bei dem kurzen Aufenhalt leider nicht die Zeit, um einen Ausflug dahin zu unternehmen.


Castellum Aquae


Was ich aber kurz besichtigen konnte, war das Castellum. In diesem Becken mit zirka 6 Metern Durchmesser mündete die große Wasserleitung in die Stadt und von hier aus wurde es verteilt. Dadurch, dass die Abflüsse in unterschiedlichen Höhen angebracht waren, erfolgte eine Priorisierung. Falls der Wasserspiegel im Becken absank, so wurden die tiefer unten angbrachten Rohre zu den Trinkwasserbrunnen für die Stadtbevölkerung und die Thermen weiterhin gespeist, während die Zufuhr über die höher abführenden Rohre zu Zierbrunnen versiegte.


Castellum AquaeCastellum AquaeCastellum Aquae


Porte de France


Schon bald nach der Eroberung schlossen die Römer ihre neuen gallischen Provinzen ans Straßensystem an. Die Via Domitia verband die südfranzösischen Städte mit dem italienischen Mutterland und ermöglichte so effizienten Truppentransport, rasche Kommunikation und förderte den Handel. Sie durchquerte dabei auch Nîmes. Das Tor der Römerstraße durch die westliche Stadtmauer ist erhalten, die Porte de France. Das Tor im Osten ist ebenfalls als Porte d'Auguste zu besichtigen.


Porte de FrancePorte de FrancePorte de France


Cathédrale Notre-Dame-et-Saint-Castor


Die Kirchen von Nîmes werden im Reiseführer zwar nicht hervorgehoben, doch wollte ich gerne auch von ihnen einen Eindruck gewinnen. Dazu hätte ich mich ihnen aber schon vormittags widmen müssen, mehrfach stand ich nun vor verschlossenen Portalen. Lediglich in die Kathedrale Notre-Dame-et-Saint-Castor konnte ich hinein, doch hielt ich mich wegen der Messvorbereitung ruhig im Hintergrund.

Im 11. Jahrhundert wurde diese romanische Kirche erbaut, in den Kriegen des 16. und 17. Jahrhunderts aber schwer beschädigt, dabei ging auch einer der beiden Türme verloren, das Gewölbe des Hauptschiffs stürzte ein. Das Rippengewölbe stammt daher aus der Reparatur im 17. Jahrhundert, andere historisierende Änderungen stammen aus noch späterer Zeit.


Cathédrale Notre-Dame-et-Saint-CastorCathédrale Notre-Dame-et-Saint-CastorCathédrale Notre-Dame-et-Saint-Castor


Musée de Beaux-Arts


Es war schon später Nachmittag, doch eindeutig noch zu früh, um wieder in die bewährte Weinbar einzukehren, wollte ich den Abend freudig überleben. So gönnte ich mir noch etwas Kunstgenuss, das Musée de Beaux-Arts hatte ich noch vorgesehen, falls mir noch Zeit dafür blieb (oder Schlechtwetterprogramm notwendig gewesen wäre). Es fehlen in der Gallerie zwar die großen Namen der Kunstgeschichte, doch hat mich die Sammlung, die neben französischen auch niederländische und italienische Künstler, vorwiegend aus der Renaissancezeit (16./17. Jhdt.), umfasst, durchaus beeindruckt. Viele schöne Gemälde und Skulpturen sind zu bewundern. Auch der 1907 errichtete Museumsbau gefällt mir gut. Und die Hängung ist nicht so chaotisch eng wie in meinen nachfolgenden Fotos.


Musée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-Arts
Musée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-Arts


Musée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-Arts
Musée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-Arts


Musée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-Arts
Musée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-Arts


Musée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-Arts
Musée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-Arts


Musée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-Arts
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Musée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-ArtsMusée de Beaux-Arts
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Blaue Stunde


Ich mag ja die Blaue Stunde besonders. Es gehört für mich zur Reisevorbereitung, die Zeitperiode zu erkunden und schon zu überlegen, wo sie besonders wirksam zur Geltung kommen könnte. Und manchmal entstehen dann auch ganz gute Bilder, wie ich finde.


NîmesNîmesNîmes
Nîmes
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Abend


Es war nun doch Abend geworden, Zeit mich auch um das leibliche Wohl zu kümmern. Was ich bestellt hatte wusste ich mangels ausreichender Sprachkenntnisse nicht, aber es schmeckte. Der Wein war vorzüglich, also ein würdiger Abschluss des schönen Tags. Dann schlenderte ich noch durch die Gassen der Altstadt mit ihrem eigenartigen Charme. Schön sind viele der Gebäude an sich ja nicht, aber das verleiht ein eigenes Flair. Und immer wieder kommt man von ruhigen Verbindungswegen auf Gassen mit lebhaftem Nachtleben, da musste ich doch noch unbedingt mal kurz einkehren.


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Vor dem menschenleeren ruhigen Amphitheater hielt ich noch inne, um mich von der großartigen Hinterlassenschaft der Römer und auch schon von den freundlichen Menschen in Nîmes zu verabschieden, es waren gute Tage hier.


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Heimreisetag


Der Rückflug war erst für den Abend angesetzt, so hatte ich also einige Besichtigungsziele in Lyon auserwählt, um dort noch den Tag zu verbringen. Nach dem Frühstück stand ich also wieder am Bahnhof von Nîmes um auf den TGV zu warten. Bald hüpfte die Anzeige am Bahnsteig von 10 Minuten auf 60 Minuten Verspätung, und auch zu dieser Zeit war vom Zug nichts zu sehen. Zahlreiche für mich unverständliche Durchsagen später kam er dann doch, hatte sich nach weiteren 30 Minuten noch immer nicht in Bewegung gesetzt.

An dieser Stelle muss ich unbedingt wieder einmal die Franzosen loben, die ich wieder (anders als oft behauptet) als überaus freundlich und hilfsbereit erlebte. Gerade wenn die Minuten wartend nur langsam vergehen und Information für mich unverständlich ist, habe ich mehrfach um Auskunft zur aktuellen Lage ersucht. Niemals wurde ich unfreundlich abgewiesen, immer bemühte man sich um hilfreiche Antworten. Ich glaube es gilt da wie überall die magische Zauberformel, für Andeutungen von Freundlichkeit (ein „Bon jour”) und Höflichkeit („s'il vous plaît”) sollte man sich halt die Zeit nehmen, das öffnet Türen.



Den Zug in die Gegenrichtung habe ich geflimt. Wir fuhren dann auch irgenwann los, schwenkten aber gemächlich nach Südosten auf eine Nebenstrecke ein und fuhren an Avignon vorbei. Dort erreichte der Zug wieder eine Hochgeschwindigkeitsstrecke, es ging dann flott mit 300 km/h gen Norden. Im vermute, dass eine Streckensperrung Schuld an der Wartezeit und Umleitung war, jedoch kam ich damit erst mit 3½ Stunden Verspätung in Lyon-Perrache an. Für großartige Besichtigungen war die verbleibende Zeit sowieso schon knapp, ich verzichtete also darauf und machte mich also gleich auf zum Flughafen, dort wähnte ich mich sicher und konnte nun in Ruhe den Hunger stillen. Etwas sollte meine Geduld noch erprobt werden, denn auch der Abflug verzögerte sich, 90 Minuten dauerte es, bis das Flugzeug zwei neue Reifen bekommen hatte und flugtauglich war.


NîmesDie Silhouette des Papstpalasts von Avignon


Ich mag ja das Reisen an sich als kleines Abenteuer, es war aber doch ein zäher Tag mit viel Wartezeit, mehr ermüdet als nach eifrigen Aktivitäten kam ich dann nach Wien zurück. Andererseits, es gibt weit schlimmere Katastrophen, kein Grund für nachhaltigen Ärger also, wenn man mit so schönen Erinnerungen an den Süden Frankreichs heim kehrt.



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