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Mantua


Dom


Die große Residenz kann nicht in einem Umgang besichtigt werden, es gibt mehrere Eingänge für jeweils einen Teil. So bin ich zwischen den Palastbesichtigungen über den Platz gewechselt, dort befindet sich der dem Apostel Petrus geweihte Dom. Der Glockenturm und die rechte Seitenwand stammt noch von der nur 50 Jahre älteren Vorgängerkirche, der Rest wurde nach einem Brand zur Mitte des 16. Jahrhundersts nach Plänen von Giulio Romano mit fünf Kirchenschiffen neu errichtet. Die weiße Marmorfassade wurde noch später im 19. Jahrhundert ergänzt.

Imposant ist die Kuppel mit einem das Paradies darstellenden Fresko. Die Seitenkapellen sind mit bedeutenden Altargemälden der Renaissancezeit geschmückt. Auch sind mehrere angehörige der Gonzaga im Dom bestattet. Der älteste Sohn jeder Generation war sollte jeweils für di Erbfolge sorgen, während die jüngeren männlichen Nachkommen jeweils die geistliche Laufbahn einschlagen mussten. So gibt es eine ganze Menge an Bischöfen und Kardinälen aus dem Hause Gonzaga. Im Jahr 1627 erlosch die Hauptlinie dieses Adelgsgeschlechts mangels männlicher Nachkommen. Es ist ja fast schon witzig, wie diese Politik der kirchlichen Laufbahnen mit dem kinderlosen Tod von Francesco IV. für Hektik im Hause sorgte. Nacheinander legten zwei seiner Brüder ihren Kardinalstitel zurück, heirateten hurtig und sollten rasch für Nachkommen sorgen. Blöd gelaufen, das ging sich dann nicht mehr aus.


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Trotz der düsteren Stimmung ist der Platz vor dem Palazzo Ducale und dem Dom ein eindrucksvoll schöner. Das Grau und die drückende Schwüle bei Hitze kündigen Gewitter an. Sonnenschein wäre zu bevorzugen, aber es gibt ja noch viel zu sehen in der Stadt.


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Corte Vecchia


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Diesen Bereich des Palasts ließ sich eine Frau gestalten, die von vielen Zeitgenossen als schönste und intelligenteste ihrer Zeit gerühmt wurde. Isabella d’Este entstammte dem regierenden Adelsgeschlecht von Ferrara und heiratete an den Mantuer Hof. Ihr Mann Gianfrancesco II. (bzw. Francesco II.) war häufig im Kriegseinsatz bzw. in -gefangenschaft abwesend, so dass sie große Teile der Regierungsgeschäfte klug übernahm.

Teure Neubauten gab die Kasse nicht her, dafür ließ sie ihre Gemächer prunkvoll ausstatten. Mantegna malte für sie, mit nahezu allen der bekanntesten Künstler ihrer Zeit stand sie in Kontakt. Ihre erhaltene Korrespondenz umfasst ca. 12000 geschriebene und 28000 empfangene Briefe! Darunter finden sich Namen wie Raffael, Tizian und Michelangelo. Mit 1499 ist eine Zeichnung von ihr gemalt bei einem Besuch Leonardo da Vincis in Mantua datiert, die große Ähnlichkeit mit der berühmten Mona Lisa aufweist, was sie damit durchaus seriös zu einer der möglichen echten “Lisas” macht.


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Archäologischs Museum


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In einem Trakt des Herzogspalasts ist das Archäologische Museum der Statdt Mantua untergebracht. Gelungen finde ich die moderne Raumgestaltung in den alten Mauern. Während draussen ein Sommergewitter niederprasselte, konnte ich ein wenig die Treppe fotografieren.


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In der Sammlung hätte ich mir mehr aus der römischen Antike gewünscht, die natürlich auch in dieser Gegend ihre Spuren hinterlassen hat. Dafür liegt ein Schwerpunkt auf der Zeit davor. Aus der Steinzeit wurden in Mantua einige Gräber gefunden, die und deren Grabbeigaben hier präsentiert werden. Ein Grab enthält neben dem in typischer Seitenlage bestatten Mann einen Hund, der zu seinen Füßen gefunden wurde. Bekannter und zu allerlei Spekulationen einladend ist das Grab der “Liebenden von Valdaro”. Das um 3300 v.Chr. verstorbene junge Paar, eine Frau (16-20 Jahre) und ein Mannes (18-22 Jahre), wurde zusammen bestattet, ihre Arme sind auch als Skelette noch ineinander verschlungen. Zur Todesursache fand man keine Anhaltspunkte, die steinerenen Pfeilspitzen sind eher Beigaben als Ursache, die Zähne des Mannes deuten auf eine sehr mangelhafte Ernährung im Kindesalter hin. Ein berührendes Grab voller Rätsel.


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Stadt und Hof


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Der Herzogspalast ist eine gewachsenen große Anlage mit zahlreichen Höfen und Gärten. Von aussen sind diese nicht immer prunkvoll, aber immer wieder finden sich interessante Ansichten. Geschlossen ist leider die Kirche Santa Barbara, entworfen als Palastkapelle (Basilica Palatina). Auch andere im Führer angekündigte Teile des Palasts sind nicht zugänglich (z.B. wegen Ausstellungsumbaus), die besuchten Teile waren aber großartig.

Danach wanderte ich in südwestliche Richtung durch die Stadt, nicht ohne eine Pause einzulegen. Die Arkaden, wie man sie in vielen italienischen Städten findet, sind eine sehr praktische Erfindung. Bei Sommerhitze spenden sie Schatten, bei Regenwetter ermöglichen sie weitgehend trockenes Passieren der Geschäftszeilen.


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Basilika


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Neben dem Dom besitz Mantua eine zweite groß Kirche, die Basilika Sant’Andrea. Im Jahr 1470 begonnen ist sie ein weiteres Beispiel für die Ideen der Renaissance. Das Portal stilisierte einen antiken Triumphbogen und auch das Tonnengewölbe ist antiken Vorbildern nachempfunden. Die Kuppel wurde erst im 18. Jahrhundert ergänzt. In der Basilika ist auch das Grabmal des Malers Andrea Mantegna.


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Rotunde


Noch aus romanischer Zeit (11. Jhdt.) stammt eine Kirche im Stadtzentrum. Die Rotonda di San Lorenzo wurde vermutlich auf antiken Fundamenten gegründet und orientiert sich an der Grabeskriche in Jerusalem. Zehn mit Rundbögen verbundene gemauerte Säulen (2 Spolien) im kreisrunden Innenraum schaffen eine schöne Raumatmosphäre unter der ebenfalls gemauerten Kuppel. Von den Fresken ist kaum etwas erhalten.


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Vorbei komme ich auch an der oft abgebildeten (und ich weiß immer noch nicht wer es ist) Heiligenstatue und der anlässlich des Papstbesuchs 1459 erbauten Kirche San Sebastiano.


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Palazzo del Te


Wieso ich mich vor die ehemaligen Stadttore von Mantua bewegte hatte ein Ziel. Auf einer ehemaligen Insel des Flusses Teieto steht ein fantastisches Bauwerk, der Palazzo del Te. Sein Bauherr Federico II. Gonzaga, ältester Sohn der Isabella d'Este, war als Geisel am Hof des Papstes in Rom aufgezogen worden. Dort hatte er eine umfassende Bildung erhalten und Kontakte zu großen Künstlern hergestellt (z.B. Tizian). Obwohl schon eheversprochen, entwickelte Federico eine intensive Beziehung zu adeligen Isabella Boschetti, mit der er auch den Sinn für die Künste teilte. Der versprochenen Ehe versuchte er lange zu entkommen, u.a. musste die drängend in Mantua weilende Schwiegermutter rasch aus der Stadt flüchten, nachdem ihr vorgeworfen wurde, sie hätte die erkrankte Isabella vergiften wollen. Mit 31 Jahren konnte Federico der Eheschließung mit Marghareta von Montferrat dann doch nicht mehr entkommen, einer ihrer Söhne (Luigi) heiratete nach Frankreich und wurde Herzog von Nevers, diese Linie sollte nach dem Aussterben der Hauptlinie noch einige Jahre in Mantua regieren.


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Doch zurück zur Jugend des Federico und seiner geliebten Isabella. Mit Giulio Romano, einem Schüler Raffaels, konnten sie einen genialen Künstler nach Mantua verpflichten. Neben dem Entwurf für den Dom und einem zusätzlichen Hof im Herzogspalast schuf er mit dem Palazzo del Te sein Meisterwerk. Die Renaissance war schon in einer Spätphase, das Barock kündigte sich schon in einer gewissen Oppulenz an. So entstand das Lustschloss vor den Toren Mantuas im Stil des Manierismus. Von aussen kündigt sich die Pracht der Innengestaltung nicht an, es wirkt streng und abweisend. Auch der große Garten ist von einer Mauer eingefasst und verstärkt den burgähnlichen Eindruck. Der Rohbau war in gut einem Jahr errichtet, die Innenausgestaltung zog sich bis zur Fertigstellung noch 10 Jahre hin. Sind die ersten Räume im Rundgang noch typisch für di eRenaissance, so werden die Fresken und Stuckaturen danach von Raum zu Raum überbordender und wahnwitziger. Das muss man echt gesehen haben, mit welcher Fülle Romano die Wände schmückte.


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Mit einer großen Loggia öffnet sich der Palast zum Garten. In einer Ecke befinden sich um einen kleine Hof die “geheimen Gemächer”. Eine Grotte lud zum Bade ein, die Wände sind ebenfalls reich dekoriert.


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Schon wenige Jahrzehnte nach dem erfüllten Leben verwaiste der Palast. Nach einer Blütezeit als eines der Zentren für Kunst und Kultur in der Renaissance unter den Gonzaga führte deren Niedergang auch zu einem Sinken Mantuas in die Bedeutungslosigkeit in der Geschichte der kommenden Jahrhunderte. 1627 starb der letzt Gonzaga der dirketen Linie kinderlos. Die Erbschaft setzte als Erben noch die französische Linie Nevers und Rethel fort. Der habsburgische Kaiser wollte diese Erbschaft jedoch nicht anerkennen (er bevorzugte einen spanischen Zweig), im Mantuanischen Erbfolgekrieg kam es zur kriegerischen Auseinandersetzung mit Frankreich. Gebunden durch den Dreissigjährigen Krieg einigte man sich aber doch bald, bis 1708 konnten die französische Linie noch in Mantua herrschen, ehe sie ebenfalls durch Kinderlosigkeit ausstarb. Diesmal reagierte der Habsburgerkaiser rasch, die Gonzaga standen im Spanischen Erbfolgekrieg nicht auf seiner Seite Seite, so zog er wegen Untreue das Lehen ein und Mantua wurde Teil des Herzogtums Mailand. Die Wunder der Renaissance wurden in Mantua von keinen weiteren Herrschern moderneren Zeiten angepasst sondern blieben erhalten.


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Mailand


Der Heimflug war abends angesetzt, doch wollte ich das Risiko minimieren und fuhr schon zu Mittag nach Mailand. Schon als 18-Jähriger war ich den Weg vom Bahnhof ins Stadtzentrum gegangen, damals von Bern kommend. Ich erinnerte mich noch, dabei am berühmten Openhaus La Scala vorbeizukommen und dann durch die glasüberwölbte Einkaufspassage Galleria Vittorio Emanuele II. zum Dom zu gelangen. Der Mailänder Dom ist ein fantastisches Werk der Gotik des 14. Jahrhunderts. Bei meinem ersten Besuch war ich den Weg hinauf aufs Dach gegangen, der Pfad durch die Strebebögen und neben den unglaublichen Verzierungen war einpräsam toll. Zu gerne wäre ich wieder hinauf, doch leider gab es vor dem Ticketverkauf eine lange Schlange. So kaufte ich nicht einmal eine Eintrittskarte in den Dom.

Ich bin ja durchaus stadtgewöhnt und fürchte mich nicht vor Menschenansammlungen. Doch das Gedränge schon am Platz vor dem Dom schafft keine Wohlfühlatmosphäre. Wer die Freundschaft zu lästigen Schwarzafrikanern sucht („my friend”), ist hier genau richtig. Ich war trotz der Schönheit des Platzes und der impossanten Kirche eigentlich froh, als ich mitsamt meinen Wertsachen heil wieder weg kam.


La ScalaGalleria Umberto II.Galleria Umberto II.Milano
Piazza del Duoma
Duomo di MilanoDuomo di MilanoDuomo di Milano


Mailänder Dom


Duomo di MilanoDuomo di MilanoDuomo di Milano
Duomo di Milano Duomo di Milano Duomo di Milano
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Castello Sforzesco


Nur ein Stück zu Fuss ist es vom Dom zum Castello_Sforzesco, einer großen burgähnlichen Schlossanlage der Herrscher Mailands in der Renaissance. Die Geschichte Mailands hat hier einige Parallelen zu jener Mantuas. Am Anfang der später mächtigen Dynastie der Sforza stand ein Handstreich. Die seit dem 11. Jahrhundert regierenden Visconti starben 1447 aus und so setzte sich der Schwiegersohn Francesco I. mit seinen Söldnertruppen an die Spitze der Macht. Auch dieses Geschlecht zog nahmhafte Künstler an seinen Hof und führte die Stadt zur Blüte. Keine geringeren als Leonardo da Vinci und Bramante wirkten am Aufbau des Kastells und der Stadt.


Castello SforzescoCastello SforzescoCastello SforzescoCastello SforzescoCastello SforzescoCastello Sforzesco
Castello SforzescoCastello SforzescoCastello SforzescoCastello Sforzesco


Castello SforzescoCastello SforzescoCastello Sforzesco
Castello Sforzesco


In dem Kastell könnte man viel Zeit verbringen, hochrangige Museen aus den Bereichen Archäologie und Kunst befinden sich hier. Doch war der Nachmittag schon fortgeschritten, ich genoss die Ruhe im Cafe und stärkte mich für die Heimreise. Wunderbar waren die Tage in Mantua, Cremona und Mailand. Die Lombardei ist reich an Schätzen, das war ja eigentlich nur ein sehr kleiner Auszug daraus. Es gibt viele Gründe wieder zu kommen.


Castello SforzescoCastello SforzescoCastello SforzescoCastello SforzescoCastello Sforzesco
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