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Cremona und Mantua


Anreise nach Mailand


Ich habe ja Urlaub. Doch leider wurde es schon ziemlich herbstlich kühl und regnerisch. Da hilft nur, in den Süden auszuweichen. Kurzfristig einen günstigen Flug zu finden, ist gar nicht so einfach, die Preis steigen wenige Tage vor dem Flugdatum doch bedeutend. Aber Mailand ist im Angebot, das wäre doch eine gute Ausgangsbasis für ein paar gut zu füllende Tage. Also, nichts wie los.

Der Flug an sich ist schon ein wunderschöner Auftakt. Der morgendliche Businessflug ist wirklich schwach gebucht und damit gibt es endlich wieder einmal üppig Platz und ausserdem wird ausnahmsweise sehr tief geflogen, erst im italienischen Luftraum geht es von 5000 Meter auf 8000 Meter hinauf. Da lässt sich das Panorama entlang dieser Strecke wirklich genießen. Es geht von Wien südwestlich vorbei an Mariazell, bald kommt die Bergwelt um den Großglockner (3798 m) und später auch mit einem Blick in die Schweiz das Berninamassiv ins Sichtfeld.


Flug VIE - MXPFlug VIE - MXPFlug VIE - MXPFlug VIE - MXP
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Vom Flughafen Mailand Malpensa gibt es eine hervorragende Bahnverbindung direkt zum großen Bahnhof Milano Centrale. Ja, wirklich groß. Angekommen bin ich am Bahnsteig 2, die Weiterreise geht vom Bahnsteig 23 ab. Das sind schon einige Meter entlang des Kopfbahnhofs. Macht aber nichts, so kann ich wenigstens die Galerie der italienischen Hochgeschwindigkeitszüge abwandern. Ausserdem ist das Timing perfekt, ohne Stress erreiche ich meinen Anschluss, nicht ganz so gediegen geht es mit dem Regionale zuerst einmal nach Cremona.


Bahnhof Milano CentraleBahnhof Milano CentraleBahnhof Milano Centrale
Bahnhof Milano CentraleBahnhof Milano CentraleBahnhof Milano Centrale



Cremona


Perfekt vorbereitet bin ich diesmal nicht, aber den Weg ins alte Stadtzentrum finde ich doch. Eigentlich muss man ja nur dem Kirchturm des Doms folgen, dem zweithöchsten in Italien. 112 Meter sind für einen romanischen Turm ganz beachtlich.


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Im 12. jahrhundert wurde dies Kathedrale errichtet, auch wenn sich die Gestaltung der eindrucksvollen Fassade dann bis ins 15. Jahrhundert hinzog. Ein echt schmuckes Ding hat man mir da zum Willkommen hergestellt, ich bin begeistert, schön wieder in Italien zu sein. Der Kaffee, mit dem ich dieses Bauwerk auf mich wirken lasse, schmeckt so gut wie zu Hause. Blöd, dabei unbeabsichtigt die Öffnungszeit verpasst zu haben. Ich sehe, wie die Tore geschlossen werden. Naja, muss ich halt von der Aussenansicht reichlich Fotos machen.


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Rotunde


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Ganztags geöffnet ist das Baptisterium. Das 34 Meter hohe achteckige Bauwerk stammt ebenfalls aus dem 12. Jahrhundert. Das Backsteingebäude ist nur teilweise mit Marmor verkleidet. Die Kuppel hat in Form und Ausführung eine gewisse Ähnlichkeit mit jener, die Brunelleschi 200 Jahre später beim Dom in Florenz baute.


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Museo dei Violini


So schön der Dom auch ist, bekannt ist Cremona ja für etwas anderes. Die Geigenbaukunst von Cremona ist inzwischen sogar Welterbe. Es gibt auch heute dem Ruf folgend über 100 aktive Instrumentenbauer in der Stadt. Das Viertel San Domenico in dem im 16. Jahrhunderte die bekannten Namen der Geigenbaukunst ihre Werkstätten hatten, wurde in den 1930-Jahren geschliffen, um dieser Einkaufsgalerie und einem Park Platz zu machen.


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Im Jahr 2013 eröffnete ein neues Museum, das sich mit dem Thema Geigenbau und den großen Namen der Cremoneser Werkstätten beschäftigt.

Es begann mit Andrea Amati, der Mitte des 16. Jahrhunderts mit dem Bau von Geigen und anderen Streichinstrumenten begann. Mit der Heirat von Caterina de’ Medici an den französischen Hof kamen italienische Musiker nach Paris und mit ihnen auch italienische Instrumente aus Cremona. Nicola Amati, inzwischen schon der Enkel des Begründers der Dynastie, führte das Handwerk des Familienbetriebs weiter. Er hatte auch geschickte und wissbegierige Gehilfen bzw. Schüler in seiner Werkstatt, die sich später selbständig machten und im 17. Jahhundert für den Ruf der Stadt sorgten. Dazu gehörten Andrea Guarneri und Antonio Stradivari sowie deren Nachkommen.


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Keiner von ihnen hat jemals eine revolutionäre Idee gehabt und damit den Instrumentebau neu definiert. Es war ein langes und beständiges Arbeiten auf hohem handwerklichen Niveau und viele Versuche, mit kleinen Verfeinerungen klangliche Verbesserungen zu erzielen und die optimale Form und Beschaffenheit der Instrumente zu erreichen. Es stimmt wohl nicht, dass danach und heute keine so wohlklingenden Geigen, Bratschen, Celli usw. gebaut wurden. Auch hat jeder dieser großen Meister Instrumente abgeliefert, die nicht perfekt sind. Doch ist es jedenfalls sehr erstaunlich, dass in den folgenden Jahrhunderten eigentlich keine wesentliche Weiterentwicklung statt gefunden hat, man sich heute noch an diesen Instrumenten misst. Der Rest ist Mythos und ein Markt, der den Wert der verbliebenen Instrumente ins astronomische getrieben hat.

So ist der zentrale Raum des Museums in dem die große Sammlung an Musikinstrumenten der großen Cremoneser Werkstätten ausgestellt ist auch eine teure Schatzkammer. Die wertvollen Stücke werden aber auch aus ihren Vitrinen entnommen und im angeschlossenen Saal gespielt.


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Es war Carlo Bergonzi, ein Schüler von Stradivari, der dessen Werkstätte aufkaufte und so ist auch originales Werzeug in die Gegenwart gerettet worden.


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Nach diesem interessanten Museumsbesuch geht es wieder zurück zum Bahnhof.


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Weiter geht es durch die Ebene des Flusses Po. In so einer flachen Landschaft verlaufen die Schienen kilometerweit schnurgerade, so erreicht auch der Regionalzug gelegentlich 150 km/h. Ich hatte ja überlegt, in Cremona zu nächtigen und von dort aus Ausflüge zu unternehmen. Dann aber hatte ich mich doch für die Variante entschieden, mich in Mantua niederzulassen. Eine sehr gute Entscheidung, wie ich nun feststellen sollte.


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Die Plätze, an denen ich am Weg vom Bahnhof vorbei kam, waren mir auf Anhieb sympathisch. Und erst recht die Piazza Sordello, jener große Platz, an dem sich der Herzogspalast (und auch mein Hotel) befindet. Ein bisschen muss ich gleich schnuppern, gehe in den Hof des Palazzo Ducale (https://guideturistichemantova.it/der-herzogspalast/?lang=de) und sehe mir die Burg San Giogio an. Ja, so darf Urlaub sein: es schmeckt (ausgenommen der mit Feigen gefüllten Ravioli) und ist wunderschön stimmungsvoll!


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Camera degli Sposi


Ausgeschlafen stand nun die Besichtigung der Stadt Mantua an. Viele der Sehenswürdikeiten und damit seinen Rang als Weltkulturerbe verdankt sie einer Familie. Doch bevor die Gonzaga sich als große Förderer der Künste hervortun konnten, musste erst 1328 Luigi I. in einem blutigen Streich die Herrschaft an sich reissen, die Familie der Konkurrenten verhungerten in einem Burgverließ. Die Habsburger nahmen das zur Kenntnis und bestätigten die Gonzaga als Reichsvikare und erhoben sie nach und nach in höhere Adelsränge bis hin zu Herzögen.

Als Vertreter der Habsburger konnten sie Mantua als weitgehend neutralen Puffer zwischen den Mächten Florenz und Venedig über fast 400 Jahre halten und zu einer Residenzstadt ausbauen.

Im 15. Jahhundert, die Renaissance als Epoche der Wiederentdeckung der Entdeckung der Antike und auch antiker Philosophie und des Humanismus war auf einem Höhepunkt, lud der Markgraf den bekanntesten Leherer der Zeit, Vittorino da Feltre nach Mantua, um dort eine Schule zu begründen, an der die Kinder der einflussreichsten norditalienischen Fürstenhäuser gemeinsam mit talentierten Kindern aus nichtadeligen Familien eine fundierte Ausbildung erfuhren. Die Pädagogik bis weit ins 19. Jahrhundert hatte diese Grundlage.

Andrea Mantegna kam als Hofmaler nach Mantua. Seine Malereien in der Camera degli Sposi sind Meisterwerke der Renaissancekunst. Besonders die Illusionsmalereien. Hier sind auch die reich mit Symbolen ausgestatteten Szenen der Familie von Ludovico III. Gonzaga und seiner Gemahlin Barbara von Brandenburg zu sehen.


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Mantegna blieb trotz Angeboten aus allen wichtigen italienischen Städten nicht zuletzt deshalb in Mantua, da der Graf ihm hier sein Haus finanzierte. Passend zur Renaissance ist dies ein Würfel, aus dem ein zylindrischer Innenhof ausgestochen ist. Doch nicht nur Mantegna schuf im Auftrag des Mantuesischen Regenten Meisterwerke. Peter Paul Rubens verbrachte einige Jahre am Hof in Mantua. Genau zu jener Zeit, als Claudio Monteverdi als Hofmusiker beschäftigt war. Monteverdi komponierte für die Gonzagas auch die Oper L'Orfeo, das einleitende Stück ist nach der Fanfare der Gonzagas gehalten.


Casa MantegnaCasa MantegnaMantua


Sala Gigante


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Die Camera degli Sposi ist in der Festung Sang Giogio untergebracht, einem der ältesten Teile der Palastanlage, die zu den größten Italiens gehört. In einem anderen Trakt befinden sich die Appartamento Grande. Passend zum Namen gehören dazu auch einige größere Säle, die aber vor allem wegen ihrer beeindruckenden Ausschmückung sehenswert sind.


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