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Um Olmütz


Velké Losiny


So weit im Norden Tschechiens war ich zuvor noch nie. Zuerst ging es mit dem Schnellzug der morgens von Wien nach Warschau startet bis Olmütz und dann noch eine gute Stunde weiter bis ca. 20 Kilometer vor der polnischen Grenze, dort hatte ich das Reiseziel in der kleinen Gemeinde Velké Losiny (deutsch Groß Ullersdorf) erreicht. Die Ortschaft in den Ausläufern des Altvatergebirges ist als Heilbad bekannt, mich aber hatten andere Gründe als ein notwendiger Kurauftenhalt hergeführt.


Schloss Velké Losiny


Schloss Velké LosinySchloss Velké LosinySchloss Velké Losiny


Zuerst wandte ich mich dem Schloss Velké Losiny zu. Von aussen wirkt es zuerst wie ein großer Gutshof, auf den höheren Fassadenteilen ist Sgraffitodekor sichtbar. Diese Trennung lässt von aussen schon erkennen, wie sich das Schloss um den Hof gliedert. Dreiseitig U-förmig ist der ältere Teil. Im 16. Jahrhundert siedelten die Grafen Žerotín (bzw. auch Zierotin) von der schützenden Burg in ihr damals modernes im Stil der Renaissance errichtetes Schloss um. Später erfolge eine Erweiterung im Stil des Barocks, damit wurde auch ein abgeschlossener vierseitiger Hof erreicht. Der dreigeschossige ältere Teil weist an den Aussenseiten den Sgraffitodekor auf, zum Hof gewandt wird er mit Renaissance-typischen Arkadengängen erschlossen. Die Fassaden der niedrigeren barocken Teile sind hofseitig gelb gestaltet, in ihnen befanden sich vorwiegend Wirtschafts- und Verwaltungsbereiche.


Schloss Velké LosinySchloss Velké LosinySchloss Velké Losiny
Schloss Velké LosinySchloss Velké LosinySchloss Velké Losiny


Nachdem die protestantischen Zerotin am Aufstand der böhmischen Stände gegen die Habsburgerherrschaft beteiligt waren, wurden sie enteignet, erhielten nach dem Übertritt zum Katholizismus ihre Güter aber zurück. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde das Schloss später aber an die Fürsten Liechtenstein verkauft. Diese gestalteten zwar einen kleinen Wohnbereich nach ihrem Geschmack, der größere Teil des Schlosses blieb aber unberührt. Das bietet dem heutigen Besucher überraschendes, nur selten können prunkvolle Wohnräume aus der Renaissancezeit unverändert besichtigt werden. Bemalte Holzdecken, originale Papiertapeten und Parkettböden aus dem 16. Jahrhundert sind eine Rarität, die hier in sehr gutem Erhaltungszustand bestehen blieben. Die Fürsten Liechtenstein hatten ihre Residenzen im Süden Mährens und schenkten diesem Randbereich ihres gewaltigen Besitzes kaum Aufmerksamkeit. Toll, das hatte ich echt nicht erwartet. Dazu kommt noch die wunderbare Palastkapelle, ebenso ein Schmuckstück. Schade nur, dass wieder einmal striktes Fotografierverbot in den Innenräumen gilt.


Schloss Velké LosinySchloss Velké LosinySchloss Velké Losiny
Schloss Velké LosinySchloss Velké LosinySchloss Velké Losiny
Schloss Velké LosinySchloss Velké LosinySchloss Velké Losiny
Schloss Velké LosinySchloss Velké LosinySchloss Velké Losiny


Und noch einen besuchenswerten Bereich im Schloss will ich verraten. Das Schlosscafé hat wirkliche eine feine Auswahl in der Tortenvitrine. :-)


Schloss Velké LosinySchloss Velké LosinySchloss Velké Losiny



Papiermühle


Auf das nächste Besichtigungsziel wurde ich schon vor einiger Zeit aufmerksam. Für die Rechereche, was an potentiellen Reisezielen in Tschechien mein Interesse wecken könnte, ist die Übersicht der Nationalen Kulturdenkmale in Wikipedia immer wieder eine nützliche Nachschlagequelle. Zur Papiermühle in Velké Losiny fehlte der Artikel noch, den habe ich daher damals aus dem Tschechischen übersetzt und angelegt. Natürlich war ich auch neugierig, die Papiermühle selbst mal zu sehen.


Papiermanufaktur Velké LosinyPapiermanufaktur Velké LosinyPapiermanufaktur Velké Losiny
Papiermanufaktur Velké LosinyPapiermanufaktur Velké LosinyPapiermanufaktur Velké Losiny


Im 16. Jahrhundert wurde von den Grafen Zerotin eine bestehende Getreidemühle zur Papiermühle umgebaut, die später von privaten Betreibern geführt bis heute nahezu nahtlos in Betrieb ist. Als Ausgangsmaterial dienen Lumpen (Altkleider), die fein zerrissen und danach gemahlen werden. Im Holländer werden die Textilien bis auf einzelne Zellstofffasern zerkleinert und in einen dünnflüssigen Brei mit ca. 95% Wasser gemischt. Zum Betrieb dieser Rührwerke und als Produktionsbestandteil ist Wasser bzw. -kraft notwendig, daher stammt die Bezeichnung Papiermühle.

Aus diesem Brei, der Bütte, werden mit einem Sieb nun Fasern abgeschöpft. Die Größe des Siebs bestimmt das Papierformat, die Höhe des abnehmbaren Rahmens um das Sieb ist für das Schöpfvolumen und damit die Dicke des Papiers ausschlaggebend. Das Wasser tropft durch das Sieb ab und zurück bleibt eine Faserschicht. Diese wird vom Sieb auf ein Filztuch übertragen („gegautscht”), danach gepresst und zum Trocknen aufgehängt. Diese Trockenböden sind auch der Grund für die Dachform des spätbarocken Gebäudes in Velké Losiny, auch wenn heute moderne Trommeltrockner eingesetzt werden.

Das getrocknete Papier wird nun blattweise geglättet und ist prinzipiell verkaufsfertig, für wenig saugende Papiere ist es noch notwendig, diese in flüssigen Leim zu tauchen und neuerlich trocknen zu lassen.


Papiermanufaktur Velké LosinyPapiermanufaktur Velké LosinyPapiermanufaktur Velké Losiny
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Man kennt es von Geldscheinen, das Wasserzeichen. Es entsteht, wenn auf dem Sieb das Zeichen mit feinem Draht aufgelötet ist. Beim Schöpfen ordnen sich die Fasern danach aus, so dass das Symbol auch nach dem Glätten noch sichtbar bleibt. Das älteste Papier mit dem Wasserzeichen von Velké Losiny, dem Wappen der Zerotin, stammt übrigens aus dem Jahr 1596. Es wird aber nicht nur Papier mit dem eigenen Wasserzeichen hergestellt, in den Regalen finden sich Siebe mit den Wappen von internationalen Behörden und nahmhafte europäische Universitäten schreiben ihre Diplome auf Papier aus Velké Losiny. Hochwertiges handgefertigtes Papier ist natürlich nur mehr ein Nischenprodukt, der aber den wenigen verbliebenen europäischen Manufakturen einen stabilen Absatz beschert. Nicht zuletzt werden für Reparaturen an alten Büchern maßgefertigte Papiere hergestellt.


Diese interesannten Informationen erhält der Besucher in eine Führung durchs Papiermuseum, bei dem abschließend auch die traditionelle Fertigung gezeigt wird:

→ Schöpfen → Gautschen → Pressen → Trocknen → Glätten


Papiermanufaktur Velké LosinyPapiermanufaktur Velké LosinyPapiermanufaktur Velké Losiny
Papiermanufaktur Velké LosinyPapiermanufaktur Velké LosinyPapiermanufaktur Velké Losiny
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Olmütz


Danach fuhr ich dann nur das Stück bis Olmütz zurück und konnte damit dort einen angenehmen Abend verbringen. Etwas Wein passte gut zur würzigen Käsesuppe, vielleicht hätte ich sie nicht bestellt, wenn ich vorher schon verstanden hätte, dass darin Olmützer Quargel schwimmt.


Olmütz Olmütz Olmütz
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Kroměříž (Kremsier)


Nicht weit von Olmütz ist es bis Kroměříž (dt. Kremsier). Diese Stadt stand ab dem 15. Jahrhundert im Besitz der Erzbischöfe von Olmütz, die dort ihre prunkvolle Residenz errichteten.

Meine erste Reise nach Tschechien führte mich 2014 nach Kroměříž, angelockt vom Versprechen, eine prächtiges Reiseziel zu besuchen, dass sogar zum Weltkulturerbe erklärt worden war.


Barockgarten


Die Erzbischöfe der Barockzeit, noch dazu mit der weltlichen Macht über die Bewohner ihrer umfangreichen Besitzungen ausgestattet, zeichneten sich nicht durch Bescheidenheit aus. So entstand abseits des Schlosses nach dem Dreissigjährigen Krieg im 17. Jahrhundert ein Barockgarten, der die Trends des Gartenbaus aufgriff und auch stilprägend für weitere solcher Anlagen in ganz Europa wurde. Ganz bewusst wurde das Weltkulturerbeprädikat dem Schloss und ausdrücklich auch den Gärten verliehen, die seit den den 1990er-Jahren restauriert und neu bepflanzt wurden. Bei meinem letzten Besuch war der Barockgarten geschlossen, so dass ich mich diesmal speziell darauf konzentrierte.



Fast 250 Meter lang ist die Kollonade an ein einer Querseite der Gartenanlage, in den 46 Nischen sind Statuen antiker Götter, Feldherren und historischer Persönlichkeiten angebracht. Vom begehbaren Dach aus hat man den besten Überblick über die einzelenen Felder, die den Garten gliedern und die verbindenden Wege. Zu den Figuren der Kollonade passen auch die ebenfalls der antiken Mythologie entnommen Figuren, die mehrere Brunnen zieren.



Im Zentrum des Gartens erhebt sich die Kuppel der Rotunde aus dem 17. Jahrhundert, in der einst die Gäste mit Wasserspielen überrascht wurden.




Auch wenn bereits viel Geld und Mühe in die Wiederherstellung der barocken Gartenpracht geflossen sind, fast die Hälfte des Geländes harrt noch der Detailgestaltung. Es ist trotzdem ein ruhiger Ort mit einer Vielzahl an Wegen, durch die man Lustwandeln (ein schönes Wort? :-)) kann. Auch findet sich bestimmt eine ruhige Nische, ein Platz auf einer Bank, von wo aus man die gestaltete Natur genießen kann.





Hauptplatz


Hauptplatz KroměřížHauptplatz KroměřížHauptplatz KroměřížHauptplatz Kroměříž



Kirche Hl. Mauritius


Kirche Hl. MauritiusKirche Hl. MauritiusKirche Hl. MauritiusKirche Hl. Mauritius


Die älteste Kirche von Kremsier stammt aus dem 13. Jahrhundert. Der gotische Bau ist dem Hl. Mauritius geweiht.


Kirche Hl. MauritiusKirche Hl. MauritiusKirche Hl. MauritiusKirche Hl. MauritiusKirche Hl. Mauritius
Kirche Hl. MauritiusKirche Hl. MauritiusKirche Hl. Mauritius



Erzbischöfliches Schloss


Schloss KroměřížSchloss KroměřížSchloss Kroměříž
Schloss KroměřížSchloss KroměřížSchloss KroměřížSchloss Kroměříž


Natürlich nutzte ich die verbleibende Zeit, um auch im Schloss vorbeizuschauen, dessen grandiose Säle ich ja schon in einer Führung bewundert hatte. Dafür fehlte mir aber diesmal die Zeit, so musste ich mich mit einem Aufstieg auf den Schlossturm begnügen. In Erinnerung ist mir auch die Gemäldesammlung im zweiten Obergeschoß des Schlosses, die Werke von Weltniveau umfasst ( Lucas Cranach, Paolo Veronese, Tizian, Jan Breughel, Anthonis van Dyck usw.). Es war nicht das erste Mal in diesem Jahr, dass ich bestaunen konnte, welchen Prunk die kirchlichen Würdenträger vergangener Jahrhunderte ansammelten. Als Kunstinteressierter kann ich mich daran erfreuen, aber natürlich werden damit auch kritische Fragen aufgeworfen.


Schloss KroměřížSchloss KroměřížSchloss Kroměříž
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Na, das war doch wieder ein schöner Ausflug, jedesmal freue ich mich, was ich alles bestaunen darf. So schön diese Erlebnisse auch sind und ich auch versuche, sie stressfrei und vergnüglich zu gestalten, sie sind doch auch anstrengend. Nach dem akrtiven Frühsommer freue ich mich jetzt auch mal auf freie Tage ohne Wecker, einfach ausschlafen und erholen. Dann werden wieder neue Ideen umgesetzt, daran mangelt es noch nicht.


Schloss KroměřížSchloss KroměřížSchloss Kroměříž
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