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Tunis und Karthago 2018





Tunis und Karthago 2018


Tunis


Tunisair kennt offensichtlich meine Affinität zu Tschechien und so wurde der Flug etwas verlängert, statt des Direktflugs wurden in Prag noch Passagiere aufgesammelt, damit der Flieger doch voll wurde. Aussen glänzte das Flugzeug, innen weniger, mit einem feuchten Tuch mal Kabinendecke, Sitztaschen usw. abzuwischen wäre dringen zu empfehlen, weil auffallend dreckig. Aber gut, vielleicht soll das zur Einstimmung dienen. Etwas mehr Einstimmung hätte auch ich benötigt, denn nach der zähen einlullenden Anreise plötzlich in einer orientalischen Stadt zu stehen, da kamen meine Sinne kaum mit, jedenfalls nicht mit der Art und Weise,wie der Taxifahrer durch den Verkehr kurvte. Doch schließlich war ich im schönen Hotel gelandet, nur wenige Meter von der Altstadt entfernt.

Tunis selbst ist in seinen Wurzeln noch älter als das antike Karthago, der Name stammt von der phönizischen Göttin Tanit. Der alte Stadtkern ist die Médina (engl. Artikel Medina of Tunis). Dort wolle ich noch hin, dabei die Souqus des Nahen Ostens in Erinnerung, deren bezaubernde Stimmung hatte mir gefallen. Die fand ich leider nicht, nur vereinzelt Fachgeschäfte mit der Vielfalt an Gewürzen oder süßen Leckereien, dafür überwiegend Touristenramsch, der dafür umso aufdringlicher verkauft werden will. Vielleicht hat mir aber auch einfach die Zeit und Geduld gefehlt, mich abseits der Hauptgassen umzusehen. Jedenfalls bin einmal quer durch die Médina, um dann, als ich endlich einen erhöhten Standort mit einem fotografietauglichen Blick gefunden hatte von einem Polizisten erschreckt zu werden, der mit „delete it” auf mich zu stürmte. Ah ja, Gebäude der Staatsverwaltung dürfen nicht abgelichtet werden, nur hatte ich die Gebäude nicht als solche erkannt. Im Zentrum der Altstadt steht der Komplex der Ez-Zitouna-Moschee, die leider - wie alle Moscheen in Tunesien - für Nicht-Muslime nicht zugänglich ist und deren Minarett in den engen Gassen kaum sichtbar ist. Dabei war wohl die Moschee aus dem 9. Jahrhundert der Hauptgrund, warum die Médina als Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde.

Im Osten geht die Médina am Place de la Victoire zum modernen Stadtteil über, der in der Kolonialzeit des 19. Jahrhunderts von den Franzosen angelegt wurde. Am Place de la Victoire steht das ehemaligen Stadttor Bab el Bhar (Hafentor).


Flug nach Tunis via PragTunis, Place de la VictoireTunis, Bab el Bhar am Place de la Victoire
Tunis, Bab el BharTunis, am Rand der MédinaTunis, Blick zum Minarett der Ez-Zitouna-MoscheeTunis MédinaTunis Médina


Vom Place de la Victoire führt über eineinhalb Kilometer der Prachtboulevard der nach einem Ex-Präsidenten benannte Avenue Habib Bourguiba (im westlichen Abschnitt Avenue de France) zum Stadthafen. In dieser Straße findet sich auch die christliche Kathedrale Hl. Vinzenz von Paul (1893), die sah ich aber immer versperrt. Davor steht das Denkmal des Ibn Chaldūn. Mit den vielen Straßencafés und den überwiegend westlich gekleideten jungen Menschen versprüht die Straße fast eine wenig den Flair von Paris. Diese Straße war auch eines der Zentren der Revolution von 2010/2011, die das autokratische und korrupte Regime von Zine el-Abidine Ben Ali hinwegfegte. Ob damit aber das Kernproblem von steigender Armut und Arbeitslosigkeit infolge riesigen Bevölkerungswachstums gelöst sein wird, kann man nur wünschen. Der 2015 verhängte Ausnahmezustand gilt nach wie vor, das merkt man auch auf dem Boulevard. Vor dem Innenministerium und der französischen Botschaft ist die halbe Straße mit Betonbarrikaden und Stacheldraht gesperrt, hunderte Sicherheitskräfte mit Sturmgewehren sind dahinter in Stellung, im Abendlicht eine bedrohliche Szenerie wie aus einem Kriegsfilm, die so ganz und gar nicht zur französischen Eleganz passt.


Tunis, abendliche Avenue de FranceTunis, Hotel in der Avenue de FranceTunis, Kathedrale in der Avenue Habib BourguibaTunis, Denkmal des Ibn Chaldūn in der Avenue Habib Bourguiba
Tunis, Avenue de France zum Place de la VictoireTunis, Bab el Bhar am Place de la VictoireTunis, Bab el Bhar am Place de la Victoire
Tunis, Altaf Moschee in der Avenue de FranceTunis, Altaf Moschee in der Avenue de France



Karthago


Eigentlich war es beim Nachlesen im Zusammenhang mit der Sizilien-Reise des Vorjahres, dass mir die Idee kam, eine kurze Reise nach Tunesien zu unternehmen. Denn besonders im Westteil Siziliens stolpert man immer wieder über ein Volk, das dort lange eine bedeutende Rolle gespielt hatte, die Karthager. Schon im Alten Testament kommt das Volk der Kananäer vor, das wir besser unter dem Namen Phönizier kennen. Diesen Namen gaben ihnen die Griechen abgeleitet von der Bezeichnung für Purpurrot, einer der Handelswaren, mit denen sie von ca. 1000 v.Chr. an den Handel im Mittelmeerraum dominierten. Als Händler war ein Schriftsystem notwendig, auf dem auch unser Alphabet beruht. Vom heute im Libanon befindliche Tyros aus wurde um 800 v.Chr. eine Kolonie gegründet, der Legende nach markierte die phönizische Prinzessin Elissa (römisch Dido) das Gelände mit einer in feine Streifen geschnittenen Kuhhaut. Nach dem Fall der Levante an die Perser wurde die Stadt unabhängig und Karthago entwickelte sich zur mächtigsten Stadt an der nordafrikanischen Mittelmeerküste, die mit der vollständigen Zerstörung durch die Römer 146 v.Chr. im Dritten Punischen Krieg ein Ende fand. Punier war der Name, den die Karthager von den Römern bekommen hatten. Nun wollte ich mir also ansehen, was von Karthago übrig ist.

Die Stadt Tunis selbst liegt nicht direkt am Meer, sondern an einer Lagune, dem See von Tunis. Die französisch Kolonialmacht baute quer durch die Lagune eine durch einen Damm geschützte Schifffahrtsrinne. Vom Bahnhof Tunis Marine am Ende der Avenue Habib Bourguiba führt seit 1872 eine 19 km lange Eisenbahnstrecke über den Damm zum Meer und dann der Küste entlang bis Marsa. Die Bahn TGM (Tunis-Goulette-Marsa) (s.a. TGM) ist zur Erkundung von Karthago sehr nützlich, liegen doch eingie der Bahnstationen im Gebiet der antiken Stadt. Für die in maximalen Intervall von 15 Minuten verkehrenden Züge muss für jede Fahrt am Kiosk am Bahnsteigende eine neues Ticket erworben werden (Tagespass gibt es nicht, dafür aber kann man zwischen Premier und 2. Klasse wählen). Auch wenn ich mich natürlich vorbereitet hatte, ich war doch sehr gespannt, als ich dann in Carthage Byrsa aus dem Zug stieg. Die antike Stadt hatte einst über 500 000 Einwohner und erstreckte sich über eine entsprechend riesige Fläche, antike Historiker berichten von einer Länge der Landmauer von 64 km (Roms aurelianische Mauer war nicht mal 20 km lang!). Lange hielten die Wissenschafter die Überlieferungen für weit übertrieben, allerdings stellten sich die Funde im Einklang mit den antiken Quellen dar, besonders das Geschichtswerk des Polybios, der selbst bei der Zerstörung Karthagos anwesend war, hat durchaus genau berichtet. Der Großteil der Stadt ruht noch unter dem modernen locker bebauten Vierteln, eine Besichtigung Karthagos führt deshalb zu 8 Grabungsstätten (Link: eine gute Übersicht), ein Ticket gilt für alle.


1. Häfen von Karthago

Von der Bahn war es nur ein kurzes Stück zum Meer hinunter, wo an zwei Teichen sanft wenige Fischerboote schaukeln. Dies waren die beiden künstlich angelegten Häfen der Karthager (Kothon). Der rechteckige war der Handelshafen (440 x 150 m), über einen kurzen Kanal gelangte man zum kreisrunden Hafen (320 m Durchmesser) der Kriegsflotte, an dessen Ufern und auf einer zentralen Insel waren die Baracken für 220 Schiffe. Von hier aus liefen die gefürchteten Schiffe aus zu den Kämpfen gegen Griechen und Römer. Wenn man nachrechnet, dass ein Schiff mit bis zu 300 Rudereren und Soldaten besetzt war, kann man sich ausmalen, welches Gedränge hier vor dem Auslaufen der Schiffe geherrscht haben mag. Die Römer hatten bis zum Ersten Punischen Krieg gar keine Flotte, sondern waren mit ihren Legionen auf den Landkampf begrenzt. Es waren einzelne erbeutete Schiffe der Karthager, die nachgebaut wurden und auf denen die Mannschaften erst trainiert werden mussten. So bescheerte das erste Aufeinandertreffen mit den Karthagern in der Seeschlacht bei den Liparischen Inseln 260 v.Chr. den Römern auch eine Niederlage, aber noch im selben Jahr hatten die Römer ihre Kriegsflotte weiter entwickelt, dass sie in der Seeschlacht von Mylae erstmals auf See siegreich blieben. Sie versuchten die Gegener nicht mit einem Rammsporn zu versenken, sondern hatten als Neuerfindung Enterbrücken Corvi montiert, um die gegnerischen Schiffe zu stürmen und im Nahkampf den Sieg zu erringen. Als Folge des Ersten Punischen Krieges mussten die Karthager Sizilien den Römern überlassen. Trotz des Erfolgs hatte die römische Flotte eine der größten Seefahrtsdramen der Geschichte überhaupt zu beklagen, auf der Rückfahrt nach der Seeschlacht bei Kap Bon sanken in einem Sturm 255 v.Chr. 300 Schiffe mit ungefähr 100 000 Mann an Bord.

Das Ende Karthagos kam auch am Hafen. In der dreijährigen finalen Belagerung der Stadt hatten die Römer nie versucht, die als unüberwindlich geltende Landmauer zu stürmen. Es gelang aber, nachdem die punische Flotte in einem Ausbruchsversuch geschlagen werden konnte, die Hafenmauer zu überwinden, das große Gemetzel nahm von hier weg ihren Lauf.

An den Ufern erkennt man keine Reste mehr, auf der Insel sind noch einzelne Steinblöcke aus römischer Zeit zu sehen. Wer Zeit hat, kann auch das ozeanische Museum im Hafengebiet besuchen. Hinter dem See ist landeinwärts auch schon auf einem Hügel das Dach der Kathedrale zu sehen. Dort ist der Byrsa-Hügel, auf dem einst die Zitadelle der Stadt stand.


TGM Station Carthage ByrsaKriegshafen von Karthago, hinten auf dem Byrsa-Hügel die KathedraleKriegshafen von Karthago, hinten auf dem Byrsa-Hügel die Kathedrale
Kriegshafen von Karthago, hinten auf dem Byrsa-Hügel die KathedraleKriegshafen von Karthago, hinten auf dem Byrsa-Hügel die KathedraleTophet beim Hafen Karthago


2. Tophet

Nur wenige Minuten ist es zum nächsten archäologisch bedeutenden Platz, dem Tophet. Als Tophet werden phönizische Friedhöfe bezeichnet, in denen sich vorwiegend Kinderurnen finden. Schon in der Bibel wird erwähnt, dass die Kanaanäer Kinder als Opfer darbrachten, der Autor Plutarch berichtet ebenfalls davon. Wie weit verbreitet dieses Ritual tatsächlich war, kann auch die Wissenschaft nicht beantworten, man geht aber davon aus, dass die Mehrzahl der 2000 an dieser Stelle gefunden Urnen nicht von Kinderopfern stammt, sondern die natürliche hohe Kindersterblichkeit jener Zeit für die große Zahl an Kindergräbern sorgte. Über den Urnen wurden Grabstelen errichtet, viele davon sind mit dem Symbol der Göttin Tanit geschmückt, der Göttin der Fruchtbarkeit und Schutzgöttin Karthagos. Sie war Jungfrau und gleichzeitig die Mutter des Hauptgottes Baal-Hammon, diese seltene Konstellation hat man doch auch schon woanders gehört?


3. Römisches und Frühchristliches Museum

Fußschonender wäre es, mit der Bahn weiterzufahren. Entlang der parallel zur Bahn verlaufenden Hauptstraße gibt es ein kleines Museum auf einem Grabungsgelände. Als ich durchs angelehnte Tor schritt, winkte mir der im Schatten sitzende freundliche Wächter. Das Museum hatte geschlossen, da er aber sehr schlechte sehe, konnte ich eine Runde durchs Freigelände gehen. Aus dem hohen Gras schauten die Reste einer dreischiffigen Basilika hervor, wie an der Apsis und den Säulenresten zu erkennen war. Was sich genau hier befand, weiß ich aber nicht.


4. Byrsa-Hügel

Während sich die noch unentdeckte Agora von Karthago nah bei den Häfen befunden hat, war oben am Hügel das religiöse und militärische Zentrum, berichten die antiken Autoren. Während Byrsa im Phönizischen „Neue Stadt” (also „Neues Tyros”) bedeutet, konnte man es ins Griechische als „Ochsenhaut” übersetzen, daher stammt wahrscheinlich die Gründungslegende. Von den Anlagen der Karthager am Byrsa weiß man nicht viel, ein Tempel stand sicher weithin sichtbar oben, aber die Römer hatten nach dem Sieg die Stadt radikal zerstört und sämtliche Überlebende in die Sklaverei geführt. Es wird auch von einer umfassenden Bibliothek berichtet, die sich hier befand und von den Römern beim Austilgen der feindlichen punischen Spuren verbrannt wurde. Nur wenige Werke haben in Berichten anderer Autoren überlebt, darunter die Aufzeichnungen von Hanno dem Seefahrer, der bis über den Westteil Afrikas segelte. Bei der römischen Wiederbesiedelung wurde das Gipfelplateau um einige Meter abgetragen, um eine größere Fläche für neue Tempelanlagen (geweiht Asklepios) zu schaffen, von denen ebenfalls nur mehr sehr geringe Reste vorhanden sind.

Einen fantastischen Ausblickauf den Küstenverlauf hat man vom Byrsa-Hügel. Während der Blick auf über das Meer schweift, kann man sich an die lange und oft blutige Geschichte erinnern, die dieses Land gesehen hat. Der Feldherr Hannibal verabschiedete sich hier, bevor er im Zweiten Punischen Krieg die Römer an den Rand des Untergangs drängte. Im Garten am Hügel erinnert ein Denkmal an Ludwig IX. von Frankreich, der im erfolglosen Siebten Kreuzzug hier 1270 verstarb. Und selbst die Habsburger standen hier, 1535 belagerte Kaiser Karl V. erfolgreich die Osmanen in Tunis (Tunisfeldzug). Hinter dem See von Tunis ragen die Berge des Kap Bon auf, dort kapitulierte das nazideutsche Heer zum Ende des Afrikafeldzugs.

Was heute den Hügel dominiert, ist die ehemalige Kathedrale von Karthago. Tunesien war von 1881 bis 1956 französisches Protektorat. 1890 wurde an diesem bedeutenden Ort die Kathedrale des heiligen Ludwig von Karthago (französisch Cathédrale Saint-Louis de Carthage) erbaut, die heute Teil des Museums ist. Das Museum von Karthago soll ein sehr interessantes und umfangreiches sein, doch leider hatte auch es wegen Umbauarbeiten komplett geschlossen.

Zu den interessanten Resten, die von den Karthagern übrig blieben, zählen die sich nach Süden vom Byrsa-Hügel hinab ziehenden Reste von Wohnhäusern. Zwischen den ungefähr 6 Meter breiten Straßen standen die Wohnhäuser auf relativ kleiner Grundfläche, erhoben sich aber bis zu 6 Stockwerke hoch. Die Archäologen zählten die Nägel der Holzbalken und analysierten die Reste von Fußböden, um zu diesem Schluss zu gelangen. Da die späteren römischen Siedler diesen Bereich mit einer mächtigen Stützmauer für ihr großes Tempelplateau einfassten und die Häuserrreste mit Schutt auffüllten, fand die Wissenschaft hier ein reiches Feld und viele der in den Museen ausgestellten Gegenstände stammen von hier.


KarthagoKarthagoCathédrale Saint-Louis de CarthageKathedrale des heiligen Ludwig von Karthago
Cathédrale Saint-Louis de CarthageReste punischer Wohnhäuser am Byrsa-Hügel von KarthagoReste punischer Wohnhäuser am Byrsa-Hügel von Karthago


5. Römisches Theater

Vom Byrsa-Hügel hinab nahm ich die Richtung nach Norden. Kurz vor der Bahnstation Carthage Hannibal bin ich zwei mal abgezweigt. Das erste Mal beim nicht zu übersehenden großen Parkplatz des Römischen Theaters, das, so wie es in den Hang hinein gebaut ist, vermutlich auf ältere Bauten zurück geht. Viel ist an dem Theater aber auch nicht mehr römisch, es wird aktuell für Veranstaltungen genützt und wurde dazu heftig renoviert.


6. Römische Villen

Ganz kurz vor der Bahnunterführung in eine Siedlungsgasse hinein gelangt man zu einem sehr schönen Ausgrabungsgelände. Hier befanden sich am Randbereich der römischen Stadt üppige Villen. Rom hatte nach der Eroberung Karthagos durch Scipio Aemilianus 146 v. Chr. als Finale des Dritten Punischen Krieges das berühmte „Ceterum censeo Carthaginem esse delendam” („Im Übrigen meine ich, dass Karthago zerstört werden muss”), eine ständige Forderung Catos des Älteren, radikal umgesetzt und die Stadt niedergebrannt, zerstört und alle überlebenden 50 000 Einwohner in die Sklaverei verkauft. Für ein Jahrhundert lag das Gebiet der einstigen Mittelmeer-Metropole vollkommen brach.

Noch im Jahr 46 v.Chr. bald nach seinem Sieg über Pompeius fasste Julius Caesar den Beschluss, Karthago wieder aufzubauen. Es dauerte danach bis ins Jahr 29 v.Chr., als unter Augustus tatsächlich die Wiederbesiedelung von Colonia Iulia Concordia Carthago statt fand. Da insbesondere die Getreidelieferungen aus Nordafrika für Rom nahezu lebensnotwendig waren, wuchs die Stadt als Sitz des des römischen Statthalters der Provinz Africa Proconsularis rasch und erreichte im 2. Jahrhundert n.Chr. wieder 300 000 Einwohner und war nach Rom, Alexandria und Antiochia die viertgrößte Stadt des Römischen Reiches.

Erst die Völkerwanderung bracht das Ende der weströmischen Herrschaft über Africa, 439 wurde Karthago von den Vandalen unter Geiserich erobert und wurde Hauptstadt des Vandalenreiches, blieb formal aber Teil des Römischen Reiches. An den Bauten gabe es in dieser Zeit kaum Veränderungen und obwohl manchmal als Druckmittel eingesetzt, wurde weiterhin Rom mit den benötigten Waren beliefert. Lange währte dieses Reich aber nicht, denn schon 533 gelangte die Stadt nach der Eroberung durch den Feldherren Belisar wieder unter römische Herrschaft, diesmal aber schon als Teil des oströmischen Reiches unter die Herrschaft Iustinians in Konstantinopel.

Das freigelegte Gelände ist zwar nicht riesig, bietet aber einen sehr schönen Rundgang. Einige der Villen sind in den Grundmauern klar in ihrem typischen Aufbau erkennbar, in den Hang hinein gebaute Keller bestehen noch. Eine Villa wurde zum besseren Verständnis teilweise restauriert, von dort hat man auch einen Blick zum türkisen Meer. Was man hier nur mehr in Resten sieht, sind die üppigen Mosaike, die die Böden der Villen schmückten. Sie wurden abgenommen und nach Tunis ins Bardo-Museum verbracht.


Römisches Theater in zeitgenössischer NutzungDie römischen Villen von KarthagoDie römischen Villen von Karthago
Die römischen Villen von KarthagoDie römischen Villen von KarthagoDie römischen Villen von Karthago


Die römischen Villen von KarthagoDie römischen Villen von KarthagoTunisDie römischen Villen von Karthago
Die römischen Villen von KarthagoDie römischen Villen von KarthagoDie römischen Villen von Karthago


7. Römische Thermen des Antonius-Pius

Ich bin danach nicht mit der Bahn weiter gefahren, sondern geradeaus zum Meer hinunter marschiert. Dort findet sich die bekannteste Stätte, bekannt als Archäologischer Park Karthago mit jenem Motiv, dass die Pauschalurlauber auf ihren Halbtagsausflügen als Karthago zu sehen bekommen. Die Reste der Antoninus-Pius-Thermen stehen auch imposant direkt am Meer. Bald nach der römischen Neugründung der Stadt erbaut und nach einem Adoptivsohn Kaiser Hadrians benannt. Die große Thermenanlage wurde nach dem Vorbild der Trajansthermen in Rom gestaltet und überaus prächtig ausgeschmückt. Die mächtigen Mauern und Gewölbereste, die man heute noch sieht, sind eigentlich nur die Keller, von denen aus die Räume darüber beheizt wurden. Die rekonstruierten Säulen geben eine Vorstellung, wie hoch die Badeanlage einst aufragte, darauf setzten erst die Gewölbe auf. Das Hauptgebäude wurde für die Vandalen nutzlos und die Bauteile für andere Verwendungen weggetragen. Es muss schon ein großartiger Luxus gewesen sein, nach dem Dampfbad die Freitreppen zum Strand hinunterzusteigen.

Beim Besuch sollte man aber auch unbedingt ins Areal weg von der Küste hineingehen. Es gibt dort die Reste einer frühchristlichen Basilika sowie eine unterirdische der Monika von Tagaste (der Mutter des Hl. Kirchenlehreres Augustinus) geweihte Kapelle, die Reste von römischen Villen und eine punische Nekropole. Gleich neben dem archäologischen Gelände etwas höher gelegen ist der weitläufige Präsidentenpalast, der aber nicht fotografiert werden darf und durch Wachen, die alle paar Meter in ihren Häuschen postiert sind, streng bewacht wird. Im Vobeigehen wurde ich später sogar als Fußgänger aufgefordert, die Straßenseite zu wechslen.


Antoninus-Pius-Thermen in KarthagoAntoninus-Pius-Thermen in KarthagoAntoninus-Pius-Thermen in Karthago
Antoninus-Pius-Thermen in Karthago


Antoninus-Pius-Thermen in KarthagoAntoninus-Pius-Thermen in KarthagoAntoninus-Pius-Thermen in Karthago
Antoninus-Pius-Thermen in KarthagoAntoninus-Pius-Thermen in KarthagoBei den Antoninus-Pius-Thermen in Karthago


8. Quartier Magon

Es sind nur wenige hundert Meter von den Thermen zu einem Gelände direkt am Meer, das erst relativ spät ergraben wurde und der Wissenschaft wichtige Erkenntnisse lieferte. Hier wurden die Keller punischer Handwerkshäuser gefunden. Bedeutender aber ist der kurze Abschnitt der einstigen punischen Seemauer mit vorgelagerten großen Steinblöcken als Wellenbrecher, der frei gelegt wurde. Die Mauer aus dem 5. Jahrhundert v.Chr. war 13m hoch, ehe sie nach dem 3. Punischen Krieg umgerissen wurde.


9. Frühchristliche Kirchen

Weiter im Norden im Bereich der TGM-Station Carthage Amilcar finden sich noch einge Reste aus frühchristlicher Zeit, wie beispielsweise die Grundmauern der fünfschiffigen Basilika des Cyprian von Karthago, der als Bischof von Karthago im Jahr 258 nach römischer Rechtssprechung enthauptet wurde. In der römischen Zeit war Nordafrika ein sehr wichtiges Zentrum des aufkeimenden Christentums und natürlich war eine Großstadt wie Karthago von besonderer Bedeutung. So wie Cyprian starben viel der mutigen Christen, die Geschichte des Martyriums von Perpetua und Felicitas und ihrer Gefährten in der Arena von Karthago ist sehr authentisch überliefert. Gerade im Norden, vor den ehemaligen Stadtgrenzen, finden sich einige Reste von frühchristlichen Kirchen.


Typische Haus des Neuen KarthagoKathedrale des Cyprian von KarthagoKathedrale des Cyprian von Karthago


Sidi Bou Saïd

Nach all den Besichtigungen und der insgesamt doch ganz schönen zurückgelegten Strecke nahm ich noch die Bahn nach Sidi Bou Saïd. Das kleine Fischerdorf wurde unter Denkmalschutz gestellt. Im 13. Jhdt. entwickelte ein Mystiker in dem Ort den Sufismus. In der ersten Hälfte des 20. Jhdts. kamen hierher gerne Maler zu Besuch, darunter unter anderen August Macke und Paul Klee. Aus dem früher beschaulichen kleine Dorf ist inzwischen ein weithin bekannter Ausflugsort geworden, Verkaufsstände säumen den Weg hinauf durch den Ort und die Verkäufer sind typisch aufdringlich. Den Sonnenuntergang auf der Dachterrasse konnte ich nicht bei einem Kaffee bewundern, weil es erstens dunstig eintrübte und das Kaffeehaus nur Tee anbot. Es gibt durchaus einige hübsche Fotomotive im Ort zu finden, insgesamt war mir Sidi Bou Saïd aber zu sehr touristisch, ich ging also bald wieder zur Bahnstation hinab um nach dem eindrucksvollen Tag zurück nach Tunis zu fahren.


Sidi Bou SaïdSidi Bou SaïdSidi Bou Saïd
Sidi Bou SaïdStation Carthage Amilcar des TGMZug des TGM
Station des TGMZug des TGMZug des TGM


Ärgernis von Tunis

Ich könnte jetzt lange ein Was-wäre-wenn - Spiel aufführen.

Wenn mir meine Kamera im Kaffeehaus in Tunis nicht aus dem Rucksack gestohlen worden wäre, gäbe es jetzt viele schöne Bilder, um den vorangegangenen Bericht zu illustrieren (und nicht nur einige Handy-Schnappschüsse). Wenn …

Die Kamera ist samt den vielen Fotos weg und das ist leider so. Ärgern hilft nun auch nichts mehr.



Bardo Museum in Tunis

Der Kurzurlaub war schon wieder am letzten Tag angelangt, doch etwas wichtiges hatte ich noch vor. Der Besuch im Bardo Museum Tunis folgt auf einer neuen Seite. » » »