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Nove-Mesto-nad-Medjui - Nachod



Nové Město nad Metují


Nové Město nad MetujíNové Město nad MetujíNové Město nad Metují
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Wenn die Anreise schon über 5 Stunden dauert und 3 Umstiege mit der Bahn nötig macht, so erhofft man doch, dass sich die lange Fahrt auch lohnt. Diese Reise brachte mich in den Nordosten Böhmens nach Nové_Město_nad_Metují (deutsch Neustadt an der Mettau), das östlich von Königgrätz im Vorland des Adlergebirges liegt. Das Flüsschen hat hier eine Schleife gebildet und sich tief eingegraben, so dass ein kleines Plateau entstanden ist, gerade groß genug um darauf ein Schloss und ein kleines Städtchen unterzubringen. So richtig erkennbar wird das allerdings nur in Luftaufnahmen.

Zu Ende des 16. Jahrhunderts wurde in den Hussitenkriegen der nahe Ort Krčín (deutsch Rodwald) zerstört und danach die königlichen Privilegien (Markt-, Braurecht) auf die neu gegründetet Stadt Nové Město übertragen, daher stammt der Name. Ganz so neu ist Neustadt also auch nicht mehr. Der große Stadtplatz, umgeben von Renaissancehäusern mit Arkadengängen, so wie er sich heute präsentiert, stammt aus dem Aufbau nach einem großen Brand im Jahr 1526. Der Eigentümer der Herrschaft ließ diesen einheitlichen Wiederaufbau von italienischen Baumeistern ausführen.


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Kirche Hl. Dreifaltigkeit


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So, als wolle man die Gegensätzlichkeit der geistigen und der weltlichen Macht ausdrücken, liegen an zwei diagonal gegenüber liegenden Ecken die Kirche und das Schloss. Die der Hl. Dreifaltigkeit geweihte Kirche stammt aus dem Jahr 1519. Selten findet man einen zweischiffigen Bau, bei dem der Raum mittig vor der Apsis von Säulen geteilt wird. Ein Teil der Kirche ragt innen in das benachbarte Haus hinein, so dass der Zugang über dieses erfolgt.


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Schloss


Ab dem frühen 16. Jahrhundert bestand an der Südwestecke des Plateaus eine Burg, die von den steirischen Grafen Stubenberg zu einem Renaissanceschloss umgebaut wurde. Die Eigentümer wechselten oftmals. die Stubenbergs wurden als Protestanten enteignet. Konfisziert wurden die Güter abermals von Adam Erdmann Trčka von Lípa, der als treuer Gefährte Wallensteins zusammen mit ihm ermordet worden war.

Das Schloss war in keinem guten Zustand, als es 1908 vom in der Textilindustrie reich gewordenen Josef Bartoň erworben wurde. Er ließ es generalsanieren und die Wohnbereiche im Jugendstil adaptieren. Der federführende Architekt Dušan Jurkovič ging dabei behutsam vor. Urprüngliche Wandmalereien aus der Renaissancezeit wurden bewahrt und mit modernen Elementen ergänzt, ebenso verfuhr man mit Stuckdecken aus der Barockzeit. Herausgekommen ist ein Gemisch aus Stilen, das teilweise schon arg farbenfroh ist, jedoch durchaus interessant zu besichtigen. Obwohl sich Bartoň auch sozial sehr engagierte (auch eine Seitenkapelle des Prager Veitsdoms wurde mit seinen Spenden eingerichtet) erfolgte 1945 die vollständige Enteignung. Erst nach der Samtenen Revolution wurden das Schloss, die Textilbetriebe und großer Waldbesitz an die Nachkommen restituiert.


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Aus der Zeit der Revitalsierung durch Bartoň stammt auch die Gartengestaltung mit der Brücke, die den ehemaligen Burggraben zu einem erweiterten Bereich hin überspannt.


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Nové Město nad MetujíNové Město nad MetujíNové Město nad Metují
Nové Město nad MetujíNové Město nad MetujíKein Ausstellungsstück



Nachod


Die letzte Etappe betrug dann nur 8 Kilometer. So weit ist es bis zur Kleinstadt Náchod, wo das Hotel reserviert war. Auch wenn am Hauptplatz einige modernere Bauten den harmonischen Eindruck etwas stören, so bietet er doch schöne Blickpunkte. Mitten am Masarik-Platz steht die Kirche St. Laurentius (Kostel sváteho Vavřince) aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts. Das Neue Rathaus stammt aus den Jahren 1902–1904 und ist im Neorenaissancestil ausgeführt. Am Oberen Ende des Platzes reihen sich das Alte Rathaus aus dem 17. Jhdt. und das im Jugenstil errichtete Hotel U Beránka mit dem Stadtsaal auf. Naja, und dann habe ich mich noch eingereiht, mit einem Gläschen Wein ließen sich der späte Nachmittag und der schöne Ausflug feiern, bis es Zeit zum Abendessen geworden war. Die Szenerie vervollständigt das Schloss, das direkt hinter dem Hauptplatz auf einem steilen Hügel aufragt.


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Mit frischer Energie war morgens dann die Erkundung von Schloss Náchod an der Reihe. Einen entscheidenden Fehler hat das Schloss, das war mir bald klar. So schön es auch über dem Hauptplatz thront, auf den anderen drei Seiten ist es von Wald umgeben und lässt sich daher nicht so schön fotografisch in Szene setzen wie es sich das eigentlich verdient hätte. Auch die Höfe sind eng und lassen Aufnahmen kaum zu.


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Die eindrucksvolle Anlage geht auf das 13. Jahrhundert zurück, als die Burg die Grenze Böhmens zu Polen absichern sollte. Ausgehend vom Kloster Braunau (Broumov) wurde die Gegend um diese Zeit urbar gemacht und die Handelsroute in Richtung Breslau gewann an Bedeutung. Die mittelalterliche Burg war mehrfach im Besitz der Böhmischen Könige selbst, dazwischen wechselten die Eigentümer öfters. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war die Herrschaft Náchod im Besitz der Smiřický von Smiřice, die die Burg zu einem Schloss im Rennaissancestil umgestalten ließen. Als Teilnehmer des Aufstands auf Seiten der böhmischen Stände verloren sie nach der Niederlage in der Schlacht am Weißen Berg ihre Besitzungen. Ähnlich wie bereits zuvor in Nové Město nad Metují konnten auch die Nachbesitzer ihre Herrschaft nicht lange halten. Adam Erdmann Trčka von Lípa war ein enger Vertrauter des im Dreißigjährigen Krieg zuerst erfolgreichen Feldherren Eusebius von Waldstein („Wallenstein”) und teilte dessen Schicksal, als dieser nach Geheimverhandlungen mit den protestantischen Gegnern beim österreichischen Kaiser in Ungnade fiel und in Eger (cz. Cheb) ermordet wurde.

Mit der Herrschaft Náchod wurde ein anderer wichtiger Begleiter Wallensteins belohnt, Octavio Piccolomini erwies sich als kaisertreu und war an der Entmachtung Wallensteins führend beteiligt. Danach war er ein wichtiger und erfolgreicher Befehlshaber und war als kaiserlicher Gesandter beim Nürnberger Exekutionstag, wo die Ordnung Europas nach dem Dreißigjährigen Krieg maßgeblich geregelt wurde. Piccolomini wurde in den Reichsfürstenstand und zum Herzog von Amalfi erhoben. Seinen Reichtum investierte er unter anderm in wertvolle Brüsseler Gobelins. Beim flämischen Maler Pieter Snayers beauftragte er zwölf großformatige Schlachtengemälde. Da er dem Maler dafür detailierte Beschreibungen über Topografie und Schlachtenordnungen lieferte, sind diese Bilder auch von historischer Bedeutung, sie kamen von Nachod nach Wien ins Heeresgeschichtliche Museum. In Wien stiftete er auch die Servitenkirche, wo sich sein Grab befindet.

Piccolomini verstarb kinderlos, so dass die Herrschaft Nachod danach wierum mehrfach die Eigentümer wechselte. Wilhelmine von Sagan ist mir schon im nahen Schloss Ratibořice begegnet, sich zog das luftige Lustschloss dem burgähnlichen Nachod vor. Letzte Besitzer waren die deutschen Fürsten Schaumburg-Lippe, ehe das Schloss 1945 verstaatlicht wurde.

Über einen Herrn aus der Familie Piccolomini habe ich übrigens schon einmal berichtet. Im Dom von Siena gibt es diese wundervolle Seitenkapelle, die Piccolomini-Bibliothek, die etwa hundert Jahre vor Octavio von Enea Silvio Piccolomini errichtet wurde, der in die Geschichte als Papst Pius II. einging.


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Das war wieder ein schöner und interessanter Ausflug. Recht viel weiter in Norden geht es auf tschechischem Staatsgebiet nicht mehr, ist nun wirklich bald Polen an der Reihe?


Náchod