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Schlösser südwestlich von Prag


Die Wettervorhersage stellte eine Drohung dar, der Sommer sollte sich sienem Ende zu neigen und die Temperaturen absinken. Als galt es, rasch zu handeln und noch einmal in diesem Jahr einen Ausflug ins sommerliche Tschechien zu unternehmen. Langsam macht sich bemerkbar, dass mein Radius zu Ausflügen immer weiter wird, vier Stunden dauert die Bahnfahrt bis Prag und von dort fährt die Nebenbahn dann noch einmal 1½ Stunden. Auch wenn eine Nächtigung eingeplant ist, so ist die Wegzeit doch schon beträchtlich. Wie auch immer, es war ein schöner Ausflug.


Dobříš


Die Bahn folgt einige Zeit der der Moldau aufwärts, eine Staustufe reiht sich an die Nächste, um dann ins Hügelland der Brdská vrchovina (deutsch Brdy-Bergland) zu wechseln, das sich von Prag bis Pilsen erstreckt. Bis zur Endstation der Nebenbahn wollte ich, bis nach Dobříš (Doberschisch). Um die 9000 Einwohner zählt die Kleinstadt, wo mich das Schloss anlockte.


Schloss DobříšSchloss DobříšSchloss DobříšSchloss Dobříš
Schloss DobříšSchloss DobříšSchloss DobříšSchloss Dobříš


Im Jahr 1630 erwarb das alte Adelsgelschlecht der Mansfeld die Herrschaft Dobříš, in der sie zur Mitte des 18. Jahrhunderts das heutige Schloss im Stil des Rokoko erbauen ließ. Als 1780 der letzte männliche Erbberechtigte verunglückte fielen die Besitzungen in Deutschland an die Lehensgeber Kursachsen und Preußen zurück. Schloss Dobříš war zu dieser Zeit im Besitz von Maria Isabella, die seit 1771 mit dem böhmischen Fürsten Franz von Colloredo verheiratet war, übrigens ein Bruder des letzten Fürsterzbischofs von Salzburg Hieronymus von Colloredo. Um den Namen zu bewahren, erlaubte der Kaiser in Wien 1789 die Namens- und Wappenvereinigung der beiden Adelshäuser, bei der Erstellung der Urkunde wurde ein “N” zu viel eingefügt, seither heißt die Familie Colloredo-Mannsfeld. Obwohl sich die Familie immer als tschechsich deklarierte und nie die deutsche Staatsbürgerschaft annahm, erfolgte 1945 trotzdem einen Enteignung. Nach der samtenen Revolution erhielt die Familie das Schloss zurück, anders als beim Schloss Opočno ist diese Restituierung unstrittig und rechtsgültig.


Schloss DobříšSchloss DobříšSchloss DobříšSchloss Dobříš
Schloss DobříšSchloss DobříšSchloss Dobříš


Schloss DobříšSchloss DobříšSchloss DobříšSchloss DobříšSchloss Dobříš


Die beiden großen alten Bäume im Schlosshof sind bei Fotoaufnahmen etwas im Weg, leider kann auch die beeindruckende Gartenfassade nicht fotografiert werden, denn im Barockgarten und der abschließenden Orangerie erfolgen bis einschließlich 2020 Umbauten und der Bereich ist dehalb gesperrt. Ebenso wie die Bildergalerie, die ich eigentlich auch hätte ansehen wollen.

Die führungen durch die Prunkräume finden aber statt, wieder durfte ich die üppige Ausstattung aus vergangener Zeit bestaunen.


Schloss DobříšSchloss DobříšSchloss Dobříš
Schloss DobříšSchloss DobříšSchloss Dobříš


Schloss DobříšSchloss DobříšSchloss Dobříš
Schloss DobříšSchloss DobříšSchloss Dobříš


Schloss DobříšSchloss DobříšSchloss Dobříš
Schloss DobříšSchloss DobříšSchloss Dobříš
Schloss DobříšSchloss DobříšSchloss Dobříš


Schloss DobříšSchloss DobříšSchloss Dobříš


Nach der Besichtigung konnte ich zum gemütlichen Teil übergehen und noch die Sonnenstrahlen genießen. Die Pension befand sich praktischerweise im Gutshof des Schlosses, die Ente mit Knödel zum Abendmahl verdient ein eigenes Lob. Ich wäre bereit gewesen, zur Blauen Stunde das Schloss abzulichten, doch die Beleuchtung ging erst nach Einsetzen der Dunkelheit an, so wurden es halt Nachtaufnahmen.


Schloss DobříšSchloss DobříšSchloss Dobříš
Schloss DobříšSchloss DobříšSchloss Dobříš



Mníšek pod Brdy


Vlick auf Mníšek pod Brdy vom BahnhofHauptplatz Mníšek pod BrdySchloss Mníšek


Nur 30 minutenmusste ich am Morgen mit der Bahn bis zur nächsten Kleinstadt Mníšek pod Brdy (dt. Mnischek) fahren, dort liegt der Bahnhof allerdings einige Kilometer weit vom Ort entfernt auf der anderen Talseite. Mníšek wurde bereits im 14. Jahrhundert erwähnt, es lag an der wichtigen Handelroute durch Böhmen an die Donau, der durch eine Burg geschützt war.

Nach dem Dreissigjährigen Krieg, kaufte Servatius Engel von Engelfluß die von schwedischen Truppen zerstörte Ruine und ließ das Schloss im Stil des Barock darin errichten. Engel war als Gerber und Truppenausstatter zu großem Reichtum gekommen, als Verteidiger der Prager Karlsbrücke war er in den Adelsrang erhoben worden. Im 18. Jahrhundert starb die Familie aus, die Freiherrn von Unwerth erbten den Gutsbesitz. Die Besitzer wechselten danach noch öfter, 1945 wurde das Schloss verstaatlicht und ein Archiv darin untergebracht. Erst seit 2006 kann es wieder mit Führungen besichtigt werden (Fotografieren in den Räumen ist leider verboten).


Schloss MníšekSchloss MníšekSchloss Mníšek
Schloss MníšekSchloss MníšekSchloss MníšekSchloss Mníšek
Schloss MníšekSchloss MníšekSchloss Mníšek
Schloss MníšekSchloss MníšekSchloss Mníšek
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Das Schloss verfügt über drei Türme, eine Ecke ist ohne Turm. Damit der Pakt, den der Bauherr mit dem Teufel abgeschlossen hatte, der versprach binnen vier Tagen und vier Nächten das Schloss zu erbauen, nicht schlagend wurde und die Seele nicht in die Hölle einging, quetschte er noch zur Nachtstunde einen Hahn, damit der lautstark krähte. Der Teufel verließ die Baustelle und der vierte Turm wurde nicht erbaut.

Jedenfalls wieder ein schmuckes Schlösschen, das dieser Ausflug mit sich brachte, vor der langen Heimreise über Prag.

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