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Paris 2


Musée d’Orsay


Am letzten Tag dieser Urlaubsreise hatte ich noch ein kleines Programm in Paris vorgesehen. Aus Rouen kommend deponierte ich das Gepäck am Gare du Nord (mit strenger Sicherheitskontrolle vor den Schließfächern) und fuhr dann mit der Metro schnurstracks zum Louvre. Doch nicht dieses gewaltige Museum im früheren Palast der französischen Könige wollte ich besuchen, sondern das am anderen Ufer der Seine gelegene Musée d’Orsay. Der auffallende Bau wurde 1900 als Bahnhof nahe der Weltausstellung eröffnet. Vor dem drohenden Abriss gerettet wurde er 1977 bis 1986 als Museum umgestaltet, die beiden fassadenseitigen Uhren und die Uhr der ehemaligen Bahnhofshalle wurden behalten und sind heute die Wahrzeichen des Museums. Nicht minder toll ist die Sammlung die das Museum beherbergt. Für die Exponate wurde der Entstehungszeitraum zwischen 1848 und 1914 festgelegt, von denen viele aus der Sammlung des Louvre hierher übersiedelten. In diesen Zeitraum fällt auch die Entstehung des Impressionismus, eine der weltweit umfassendsten Sammlungen wird im Haus beherbergt, und genau diese wollte ich mir nicht entgehen lassen.


Gare du Nord (Nordbahnhof), von dort fahren die Schnellbahnen RER zum Flughafen CDGDer Innenhof des LouvreDer Arc de Triomphe du Carrousel am Übergang vom Louvre in den Tuileriengarten, dem früheren Schlosspark
Die Pont Royal über die Seine, dahinter ein Trakt des LouvreBlick entlang der Tuileries mit Riesenrad und Obelisk am Place de la Concorde über die Champs Elysess bis zum großen TriumphbogenDas Musée d’Orsay am linken Ufer der Seine


Das Musée d’Orsay am linken Ufer der SeineDas Musée d’Orsay am linken Ufer der Seine, den Eiffelturm erkennt jeder sofortDas Musée d’Orsay am linken Ufer der Seine, den Eiffelturm erkennt jeder sofortDas Musée d’Orsay am linken Ufer der Seine, den Eiffelturm erkennt jeder sofort
Das Musée d’OrsayDie große Ausstellungshalle im Musée d’Orsay, die ehemalige BahnhofshalleDie große Ausstellungshalle im Musée d’Orsay, die ehemalige BahnhofshalleDie große Ausstellungshalle im Musée d’Orsay, die ehemalige Bahnhofshalle


Und tatsächlich findet sich im Museum ein einzigartiges Kaleidoskop der impressionistischen Malerei von der Frühzeit bis zur Reifung. Keiner der bekannten Maler fehlt, alle sind mit Meisterwerken vertreten. Ein Kunstgenuss sondergleichen, nach der woche gilt mein besonderes Interesse den Werken Monets. Viele der Werke kennt man aus Kunstbüchern und von kalenderblättern, hier aber steht man den Originalen gegenüber, kann den Pinselstrich des Künstlers aus der Nähe nachvollziehen und die Gesamtwirkung aus einigen Schritten Entfernung bestaunen. Einige Orte, die Monet hier mit Ölfarbe festgehalten hat, sind mir aus den vergangenen Tagen bekannt, der Bahnhof Saint Lazare, wo Monet die aufkommende Technik bewunderte und von dem er in die Normandie reiste, die Kathedrale von Rouen wie Monet sie im wechselnden Licht des Tages sah und natürlich die vielen Bilder, die im Garten von Giverny entstanden. Manche der Bilder gefallen mir persönlich besser, andere nicht ganz so sehr. Aber ich werde sie zukünftig mit anderen Augen sehen, sind doch jetzt auch eigene Erinnerungen an diese Orte geknüpft.


Claude monet, Das Frühstück im Grünen, 1866Claude Monet, Das Mittagessen: dekorative Tafel (panneau décoratif), 1873Pierre-Auguste Renoir, Porträt des Malers Claude Monet, 1875
Claude Monet, Mohnfeld bei Argeneuil, 1872Claude Monet, Gare Saint Lazare, 1877Claude Monet, Frau mit Sonnenschirm, 1886 (Die Frau ist Monets Schwiegertochter Suzanne Hoschedé)


Claude Monet, Kathedrale von RouenClaude Monet, Kathedrale von RouenDas Boot in Giverny, 1887
Claude Monet, Nympheas, Water Lily Basin Green Harmony, 1899Claude Monet, Nympheas, Water Lily Basin Green Harmony, 1899Claude Monet, Le Bassin aux nymphéas, harmonie rose, 1900Claude Monet, Monet's Garden, The Irisies, 1900 (Das "Schwesterbild" mit frontaler Ansicht hängt im Museum Belvedere in Wien)Claude Monet, Monet's Garden, The Irisies, 1900 (Das "Schwesterbild" mit frontaler Ansicht hängt im Museum Belvedere in Wien)


So sehr ich auch diese gefühlsbetonte Malweise mag, etwas ist mir beim Betrachten der aufgefallen. Viele der dargestellten Personen sind durch den groben Pinselstrich quasi gesichtslos - eine irgendwie unheimliche Weise, Menschen so abzubilden, sucht man doch im Gesichtsausdruck die Persönlichkeit zu ergründen. Gerade als mir dieser Gedanke bewusst wurde stand ich vor dem Bild, das Claude Monet 1879 am Totenbett von seiner ersten Ehefrau Camille, die mit erst 32 Jahren verstorben war, angefertigt hat. Der unheimlich starke Kontrast zwischen den harten Gesichtszügen der Toten und ihrem Leuchten zeigten , dass es im Impressionismus doch um mehr ging, als um liebliche Malerei.

Von diesen tiefen Gedanken wurde ich aber wieder abgebracht, als ich auf die Dachterrasse des Museums ins warme grelle Sonnenlicht hinaustrat und den wundervollen Ausblick über Seine und Louvre bis zum von der Basilika Sacré-Cœur überragten Montmartre genießen musste.


Louvre und Garten der Tuilerien von der Dachterrasse des Musee d'OrsayMontmartre mit Basilika Sacré-CœurBlick Richtung Place de la Concorde
Ausblick von der Dachterrasse des Museé d'OrsayBerühmter Blick durch die Bahnhofsuhr des Museé d'Orsay zur Kirche Sacré-CœurBerühmter Blick durch die Bahnhofsuhr des Museé d'Orsay zur Kirche Sacré-Cœur


Die zur Austellungsfläche umgebaute Bahnhofshalle mit der alten UhrDie zur Austellungsfläche umgebaute Bahnhofshalle mit der alten UhrDie zur Austellungsfläche umgebaute Bahnhofshalle mit der alten UhrDie zur Austellungsfläche umgebaute Bahnhofshalle mit der alten Uhr
Museé d'OrsayMuseé d'OrsayDie Seine, hinten Notre Dame



Musée de l’Orangerie


Nach dem ausgiebigen Wandel durch die Kunstwerke überquerte ich abermals die Seine, eines der ehemaligen Gewächshäuser des königlichen Gartens Jardin des Tuileries am Übergang zum Place del la Concorde beherbergt seit den 1920er Jahren ein Museum, das Musée de l’Orangerie. Im modernen Untergeschoss finden sich wiederum zahlreiche Werke des Impressionismus, besonders Pierre-Auguste Renoir hat hier einen Schwerpunkt.


Jardin des TuileriesJardin des TuileriesBlick vom Place del la Concorde zum Eiffelturm
Musée de l’OrangerieMusée de l’OrangerieLes Nympéas, die Seerosenbilder


Ausgesprochen beeindruckend aber ist der in zwei ovalen Räumen des Erdgeschosses ausgestellte monumentale Seerosenzyklus (frz. Les Nympéas), den Claude Monet nach Zusprache seines Freundes Georges Clemenceau (ehem. franz. Ministerpräsident) zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918 (formell erst 1922) dem französischen Staat schenkte. Andere Bilder mögen durchaus von größerer Schönheit sein, doch handelt es sich bei diesen 2 m hohen und zusammen über 100 m langen Zyklus um eine Art Vermächtnis des großen Malers. Betrübt durch den Tod seiner zweiten Ehefrau Alice und seines ersten Sohnes Jean und geplagt von schwindendem Sehvermögen raffte sich der alte Mann (er hatte sein 80. Lebensjahr überschritten) noch einmal auf, baute ein drittes größeres Atelier in Giverny und bannte die Stimmung über seinem Seerosenteich im Wechsel des Lichts auf Leinwand. Ein langes Leben, lange in Armut und am Rande des anerkannten Kunstbetriebs, später anerkannt und verehrt fand in diesen gewaltigen Bildern seine kompromisslose Krönung.


Claude Monet, Seerosen, 1915-1918Claude Monet, Seerosen, 1915-1918Claude Monet, Seerosen, 1915-1918
Claude Monet, Seerosen, 1915-1918Claude Monet, Seerosen, 1915-1918Claude Monet, Seerosen, 1915-1918


Claude Monet, Seerosen, 1915-1918Claude Monet, Seerosen, 1915-1918Claude Monet, Seerosen, 1915-1918
Claude Monet, Seerosen, 1915-1918Claude Monet, Seerosen, 1915-1918Claude Monet, Seerosen, 1915-1918


Claude Monet, Seerosen, 1915-1918Claude Monet, Seerosen, 1915-1918Claude Monet, Seerosen, 1915-1918
Claude Monet, Seerosen, 1915-1918Claude Monet, Seerosen, 1915-1918Claude Monet, Seerosen, 1915-1918Claude Monet, Seerosen, 1915-1918


Mit diesem eindrucksstarken und auch rührenden Besuch im Museum bei Monet fand dieser schöne und abwechslungsreiche Urlaub einen würdigen Abschluss. Ich habe es genossen.

Für einen Abschiedskaffee in der Pariser Spätsommersonne blieb noch Zeit, bevor ich zum Flughafen Paris-Charles-de-Gaulle musste, um den Heimflug nach Wien nicht zu verpassen.


Alles Renois im Musée de l’OrangerieSommernachmittag im Gatern der TuilerienSommernachmittag im Gatern der Tuilerien
LouvreLouvreDer Arc de Triomphe du Carrousel am Übergang vom Louvre in den Tuileriengarten


Bahnhof im Terminal B des Flughafens Paris-Charles-de-GaulleFlugzeug nach Wien wird vorbereitetFlugzeug nach Wien wird vorbereitet
Vorbei an einer Concorde beim Rollen zum StartAdieu Paris, Flughafen Paris-Charles-de-GaulleNächtlicher Anflug auf Wien Schwechat, das leuchtende Ringerl in der Bildmitte ist das Riesenrad im Prater




“Die Aufgabe des Künstlers besteht darin, das darzustellen,
was zwischen dem Objekt und dem Künstler steht,
nämlich die Schönheit der Atmosphäre, das Unmögliche.”
Claude Monet





Übersicht Reise Normandie 2016

  1. Paris