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Völklinger Hütte


Monet war von der aufstrebenden Industialisierung seiner Zeit fasziniert, man denke an die stählernen Bahnhofshallen und Eisenbahnbrücken, die er malte. Die 1986 still gelegt Völklinger_Hütte legt Zeugnis für den Rückgang der Schwerindustrie auf unserem Kontinent in unserer Zeit ab. Bis dahin wurde in der nur 10 Bahnminuten von Saarbrücken entfernten aus 6 Hochöfen bestehenden Gruppe in der Stadt Völklingen Roheisen hergestellt. Nach der Einstellung der Produktion wurde der Bereich für Besucher zugänglich gemacht und 2007 sogar zum UNESCO-Welkulturerbe erklärt.


Völklinger HütteVölklinger HütteVölklinger Hütte
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Als Techniker blieb es mir nicht erspart, in der Schule den Prozess eingehender lernen zu müssen, wie aus Erz im Hochofen Roheisen gewonnen wird. Begeistert haben mich die chemischen Formeln der Kohlenstoffreduktion nicht, getraue ich mich zuzugeben. Schließlich wollte ich eigentlich nie selbst einen Hochofen nachbauen.

Wenn ich in Völklingen diesen gigantischen Kolossen aber gegenübergestanden bin, so konnte ich mich einer Faszination nicht verweigern. Es ist beeindruckend, wie diese riesigen abgekühlten Maschinen nun vor sich hin rosten. Die zeitweise bedrohlich vorüberziehenden Wolken trugen ihres dazu bei, den dramatischen Eindruck zu verstärken.


Völklinger HütteVölklinger HütteVölklinger HütteVölklinger Hütte


Mehr als auf der Schulbank wird hier verständlich (gemacht), wie die Eisenproduktion funktioniert und was es bedarf, die riesigen Maschinen am Laufen zu halten. Eigentlich kann man sich die Hochöfen als stetig laufende Maschinen vorstellen, in die oben die notwendigen Zutaten (die Gicht bestehend aus Möller (Erz und Zuschlagstoffe wie Kalk und Quarzsand) und Koks) eingefüllt wird, die im Ofen nach unten sinken und unten umgewandelt in Eisen und Schlacke herauskommt. Die benötigte Hitze von 1200 °C wird mit der Verbrennung des anfallenden Gichtgases in mehreren Winderhitzern erzeugt, von denen die heiße Luft (“Wind”) in den Hochofen eingeblasen wird. Gleichzeitig ist es auch notwendig, die Oberfläche der Hochöfen zu kühlen.

Was so einfach klingt, erfordert eine Menge an Zusatzarbeit. Das Erz muss angeliefert und zerkleinert weren, die Koks müssen erst aus Kohle erzeugt werden. Die Stoffe müssen auf fast 30 m hoch (auf die “Gichtbühne”) befördert werden, die Schlacke entweder weiterverarbeitet oder zu den Deponiehalden transportiert werden. Das alles in gigantischen Dimensionen, wenn ein einzelner Hochofen dieser Größenordnung allein schon an Roheisen bis zu 4000 t täglich ausspuckt. Eine Unterbrechung des Ablaufs stellt den Prozess vor große Schwierigkeiten und sollte daher möglichst vermieden werden.

Es müssen gewaltiger Lärm und Verkehr geherrscht haben, als diese Maschinerie noch ihren Betrieb tat, unvorstellbare Mengen an Material müssen über das Gelände bewegt worden sein.


Der doppelte Deckel zu Beschickung der Hochöfen zur Vermeidung von GasaustrittDer doppelte Deckel zu Beschickung der Hochöfen zur Vermeidung von GasaustrittDer doppelte Deckel zu Beschickung der Hochöfen zur Vermeidung von Gasaustritt
Mit der Hängebahn wurden Koks und Möller (Erz) zum Beschicken hoch transportiertMit der Hängebahn wurden Koks und Möller (Erz) zum Beschicken hoch transportiertMit der Hängebahn wurden Koks und Möller (Erz) zum Beschicken hoch transportiert


Aus der Ferne sind die eigentlichen Hochöfen kaum zu sehen, sind sie doch von mehrern Winderhitzern (“Cowper”) umringt. Als Besucher kann man aber über Gittertreppen die Plattformen erklimmen und sich von diesen Wunderwerken der Industrie ein Bild aus der Nähe machen und die vielen spannenden Details erkennen. Neben der Technik ist es faszinierend, wie der Zerfall sich über diese ungenutzten Giganten legt, wie langsam der Rost selbst die dicksten Eisenplatten zu zerfessen beginnt, wie vielerorts die Natur diesen früher ungastlich betriebsamen Raum zurückerorbert und nun Triebe an den undenkbarsten Plätzen sprießen. Es steckt sicher auch viel Arbeit und Aufwand dahinter, dieses spannende Gelände für Besucher erlebbar zu halten.


Völklinger HütteVölklinger HütteVölklinger Hütte
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Es wird auch dem weniger kundigen Besucher gut erklärt, welche Arbeitsschritte in den Bereichen des Areals durchgeführt wurden. Eine Halle ist mit einer Ausstellung auch der Geschichte der Familie Röchling gewidmet, die mit der Eisenproduktion in Völklingen eng verknüpft ist. 1881 kaufte Carl Röchling die erst 1873 gegründete Hütte und baute sie bis 1890 zum größten Eisenträgerhersteller Deutschlands aus. Kohle und Eisenerz aus dem nahen Lothringen waren nicht bester Qualität, so dass innovative Aufbereitungsgänge notwendig waren, um konkurrenzfähig zu sein. Die beiden Weltkriege waren gleichermaßen für Produktionserfolge und Schwierigkeiten verantwortlich, gerade in einer Grenzregion wie dem Saarland blieben die politischen Änderungen nich tohne auswirkungen. Für das Naheverhältnis zu den Naziherrschern und dem Einsatz von zigtausenden Zwangsarbeitern wurden die Röchlings auch persönlich zur Verantwortung gezogen. Waren 1965 noch 17.000 Arbeiter in dem Eisen- und Stahlwerk beschäftigt, so führte die weltweite Stahlkriese der 1980er Jahre zu spürbaren Veränderungen. Das Ende der Eisenproduktion kam in Völklingen dann 1986, die restlichen Unternehmensberiche werden von der Saarstahl AG (Bilanzsumme ca. 2,2 Mrd. €) aktiv weitergeführt, die in Dillingen auch nach wie vor 3 Hochöfen betreibt, in Völklingen wird LD-Stahl erzeugt und gewalzt.


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Nach dem interessanten und spannenden Besuch im Eisenwerk ging's wieder zurück nach Saarbrücken, dort lässt es sich doch gemütlicher feiern als in der Industrieumgebung. Und gerade erst angekommen, kam ja schon der letzte Abend in Saarbrücken, die Reise sollte sich weiter in den Westen in Frankreich fortsetzen.


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Übersicht Reise Normandie 2016

  1. Völklingen