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Andiamo a Napoli



Anreise


Die Vorfreude begleitete mich schon ausgiebig durch die kühlen Wintertage, die Reiseführer waren studiert, nun kam also tatsächlich der Tag, an dem es los gehen konnte. Zu nachtschlafener Zeit am Flughafen zu warten ist noch wenig begeisternd, als nach dem Transfer in Rom Fiumicino der Flieger aber über das Meer hinausschwenkt stellt sich diese Freude ein, bald gibt es spannendes zu entdecken und italienische Genüsse.

Als sehr nützlich erwies sich die Artecard (vorgebucht und am Infoschalter in der Ankunftshalle abzuholen), die freie Fahrt mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln im Großraum Neapel ermöglicht und auch Ermäßigungen bei einigen Eintritten bietet.

Der Bus (Alibus) vom Flughafen in die Stadt war rasch gefunden und bot gleich einen eindrucksvollen Geschmack was einem im südlichen Italien erwartet - dreckig und fast die Hälfte der Sitze unbenützbar beschädigt. Die Stadtviertel um den Flughafen wirken ebenso desolat, am buntesten sind noch die Strassenprostituierten die am hellichten Tag um Kunden werben. Es ist schon ein kleiner Kulturschock, der die Ankunft begleitet.


Zeitiger Abflug in WienZweite Etappe - von Rom Fiumicino übers Meer nach Napoli-CapodichinoAnflug auf Neapel durch die südlichen BergeGolf von Neapel (© Google Inc.




Ischia - Castello Aragonese


Dieser eher abschreckenden Empfang in der Großstadt Neapel ist aber nur von kurzer Dauer, das Hotel erweist sich als luxuriös und liegt unweit des Hafens, wo ich mir ein Ticket für eine kleine Schifffahrt besorge. Aufpassen muss man, den richtigen Bereich des Hafens anzusteuern, die Schnellboote fahren von der Molo Beverello, während die langsameren konventionellen Fährschiffe vom kilometerweit entfernten Porto die Massa ablegen. Ich genieße die langsamere, 1½ Stunden dauernde Überfahrt auf die Insel Ischia, vorbei an den Stadtteilen an der nörlichen Buchtseite des Golfs von Neapel und an der Insel Procida. Die großen Kreuzfahrtschiffe entschwinden langsam, länger dauert es bis der den Horizont domminierende Vesuv sich in die Ferne verabschiedet. Wie schön ist es, über das Meer zu schaukeln, die Weite zu erleben, den salzigen Wind zu spüren und das Wasser unter dem Bootsrumpf schäumen zu sehen.


Hafen von Neapel mit Castello Nuovo, darüber Castel Sant’ElmoHafen von Neapel, darüber Castel Sant’ElmoSeefront von Neapels Stadtteil Vomero mit den Hotels (ich war im niedrigeren beigen) und Castel dell’Ovo, darüber Castel Sant’ElmoSeefront von Neapels Stadtteil Vomero


Möwen begleiten das Schiff bei der Ausfahrt von NeapelMöwen begleiten das Schiff bei der Ausfahrt von NeapelMöwen begleiten das Schiff bei der Ausfahrt von NeapelAusfahrt von Neapel


Die Stadt Neapel rückt in die FerneLange ist der Vesuv über dem Golf von Neapel sichtbarLange ist der Vesuv über dem Golf von Neapel sichtbar


Schifffahrt im Golf von NeapelSchifffahrt im Golf von NeapelBeeindruckend schon vom Meer her, das Castello AragoneseBeeindruckend schon vom Meer her, das Castello Aragonese


Schon bei der Einfahrt in die kleine Hafenbucht von Ischia Porto wird der Kontrast klar, ein bedächtig ruhiger Inselort zur lauten und stetig geschäftigen Grpßstadt. Eigentlich ein Platz zum Müßiggang, doch dazu bin ich zu sehr in Eile. Obwohl der Tag irgendwie düster erscheint ist der Pulli rasch verpackt, die Temperatur ist durchaus schon sommerlich.


Im Hafen von Ischia PortoIm Hafen von Ischia PortoIm Hafen von Ischia Porto


Im Hafen von Ischia PortoIschia PortoIschia Ponte und Castello Aragonese


Ungefähr 2 Kilometer Fußmarsch sind es über einen kleinen Höhenrücken bis zum an der östlichen Inselseite gelegenen Ortsteil Ischia Ponte. Fast unverhofft steht man nicht am Strand, sondern vor der beeindruckenden Festung auf einer vorgelagerten kleinen Felsinsel. Das Castello Aragonese (http://www.castelloaragoneseischia.com/de/) wurde im 15. und 16. Jhdt. von der Herrschern von Aragon schrittweise ausgebaut, in seiner Blütezeit befanden sich auf der durch die Befestigungsanlagen geschützten Insel eine Kathedrale und 12 weitere Kirchen, ein Klarissenloster (nach Klara von Assisi) und Tausende Bewohneren, die hier vor Piraten sicher lebten. Die kunstsinnigen Herschaften wurden von zahlreichen Künstlern der italienischen Renaissance besucht, so war auch Michelangelo zu Gast auf der Insel.


Castello AragoneseCastello AragoneseCastello AragoneseCastello Aragonese


Im Castello AragoneseWundervoller Ausblick vom Castello AragoneseWundervoller Ausblick vom Castello Aragonese


Wundervoller Ausblick vom Castello AragoneseWundervoller Ausblick vom Castello AragoneseWundervoller Ausblick vom Castello Aragonese


Wunderschön ist der Ausblick, wenn man vom Aufzug hinaus auf die Terasse tritt und die Ausssicht aus gut 100 Meter Höhe über die Insel genießt, um danach langsam durch die alten Mauern wieder nach unten wandert.


Reste des Klarissenklosters im Castello AragoneseReste des Klarissenklosters im Castello AragoneseReste des Klarissenklosters im Castello AragoneseReste des Klarissenklosters im Castello AragoneseReste der Kathedrale im Castello AragoneseReste der Kathedrale im Castello Aragonese


Reste der Kathedrale im Castello AragoneseReste der Kathedrale im Castello AragoneseKrypta unter der Kathedrale im Castello Aragonese mit Fresken aus der Schule Giottos


Castello AragoneseCastello AragoneseSeite an Seite im Hafen von Ischia Porto, rechts die Fähre der Hinfahrt, links der Schnellkartamaran von der Rückfahrt nach Neapel


Weil's dann schon relativ spät ist und die Dunkelheit bereits anbricht, wähle ich zur Rückfahrt einen der schnellen Katamarane. Am Weg vom Hafen zum Hotel halte ich nach einem passenden Restaurant Ausschau - erfolgreich, das luxuriöse Ristorante bringt auch meine bisher höchste italienische Essensrechnung mit sich. Aber ist ja Urlaub, und müde bin ich nach dem Tag auch schon.




Herculaneum


Unweit von Ischia war es auch in der Seeschlacht von Cumae 474 v.Chr., dass nach der Niederlage der Etrusker der Aufstieg des Römischen Reiches auf der italienischen Halbinsel begann. Zwei dieser römischen Siedlungen will ich heute besuchen, mit der vom Hauptbahnhof Napoli Centrale abgehenden Schmalspurbahn Circumvesuviana haben sie praktischen Bahnanschluss.


Zuerst geht es nach Herculaneum, eine ungefähr 4000 Einwohner zählende Ortschaft mit hauptsächlich Fischern, Bauern und Handwerkern, zusätzlich haben einige reichere römische Bürger in dem direkt am Meer gelegenen Ort Villen errichten lassen. Zu einem jähen Ende kam das Leben im Ort durch den Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 n.Chr. Die Bewohner sahen die Explosion des Vesuv und konnten ihre Häuser noch verlassen, die heiße Wolke aus Staub und Gas eines Pyroklastischen Stroms brachte dann einen raschen Tod, eine zähflüssige Gesteinsmasse überschwemmte später den Ort und packte ihn komplett in Tuffstein, bis zu 20 m tief. Bereits im frühen 18. Jhdt. wurde er wiederentdeckt, doch gestaltet sich die Freilegung sehr aufwendig, so dass vorerst nur in einigen Tunneln nach wertvollen Objeklten gesucht wurde (Prinz Eugen erhielt übrigens einige der gefundenen Statuen als Geschenk, die “Kleinen Herkulanerinnen” sind heute in der Skulpturensammlung in Dresden). Erst im 19. Jhdt. begann die Freilegung eines ca. 900 m² großen Gebiets, die Arbeiten werden nach wie vor weitergeführt und es ist weiterhin mit sensationellen Funden zu rechnen. Erst ein Viertel des Ortes ist ans Tageslicht gebracht, das zentrale Forum liegt immer noch unter den dicht ans Grabungsgelände heran reichenden Häusern des modernen Ercolano begraben.


Mit der Bahn der Circumvesuviana nach HerculaneumMit der Bahn der Circumvesuviana nach HerculaneumErcolan ist auch heute dicht besiedelt


Die Hauptstraße von Ercolan führt zum Grabungsgelände nahe des heutigen Küstenverlaufes.Nicht antik, sondern aktuelle Besiedelung neben dem GrabungsgeländeDas Grabungsgelände von Herculaneum


Das Grabungsgelände von Herculaneum, bis zu 20 m tief verschüttete der Vulkan die römische SiedlungDas Grabungsgelände von Herculaneum, bis zu 20 m tief verschüttete der Vulkan die römische Siedlung


Die Wucht der vom Vulkan stammenden Lawinen brachte dem Ort natürlich massive Zerstörungen, andererseits blieb doch erstaunliches erhalten und im Stein konserviert. Manche der Häuser blieben bis zum zweiten Obergeschoss erhalten, die tragenden Holzbalken wurden nur angekohlt, bevor sie von der Gesteinmasse umschlossen wurden. Ebenso wurden hölzerne Fensterläden, Treppen, Raumteiler und selbst Einrichtungsgegenstände (z.B. Bettgestelle, Regale und Hausaltäre) auf diese Weise konserviert. Es ist also etwas aufregend Besonderes durch die Gassen zu gehen und ein anschauliches Bild einer römischen Siedlung bestaunen zu können. Viele der Häuser hatten zur Straße hin Geschäfte, Theken von Imbissläden sind erhalten, die öffentlichen Brunnen finden sich so wie sie vor fast 2000 Jahren abrupt verlassen wurden.


Die Hauptstraße von Herculaneum mit Geschäften und WohnhäusernDie Hauptstraße von Herculaneum mit Geschäften und WohnhäusernSeitengasse in Herculaneum, die Fussgänger waren in einem Arkadengang wettergeschützt


Aufgang in ein Obergeschoß, ein Teil der hölzernen Treppen hat sich erhaltenÖffentlicher Imbiss, die Krüge mit den Speisen wurden in die Öffnungen versenkt und die Gäste daraus bedientRepräsentativ geschmückter HofAtrium und Tablinum eines Wohnhauses mit konservierten Holzträgern


Manche der verwaisten Häuser dürfen betreten werden. Nach aussen hin sind sie fast fensterlos, gruppieren sich die Wohnräume um das Atrium, einem teilweise mit Säulen umsäumten kleinen Innenhof. Durch die mittige Dachöffnung kam Licht herein, Regenwasser sammelte sich im mittigen Becken, dem Impluvum. Der große Raum gegenüber dem Eingang war der prächtigste, hier im Tablinum wurden Gäste empfangen und repräsentiert, seitlich daran wurden im Triclinium die Mahlzeiten eingenommen. Die kleineren seitlichen Räumen (Cubiculum) dienten u.a. als Schlafräume. Die Häuser der ganz Reichen hatten sogar einen zweiten größereren Innenhof, dem Peristylium (s. Römisches_Haus und Atriumhaus).

Diese Grundanordnung sollte man wissen, denn sie findet sich oftmals und erlaubt die Zuordnung der Räume nach ihrer Nutzung. Auch wenn die schönsten Fresken und Mosaike sowie die erhaltene Innenausstattung ins Museum und in Depots verbracht wurden, so kann die farbenreiche prächtige Raumausgestaltung nur erstaunen. Es war nicht nur die absolute Oberschicht, die sich solch bunte Pracht leisten konnte, selbst die Eigentümer von Handwerk und Kleingewerbe statteten ihre Haushalte mit beeindruckend farbenfroher Schönheit aus.


Atrium und Tablinum eines Wohnhauses mit konservierten HolzträgernIm Impluvum sammelte sich das vom Dach geleitete RegenwasserEtwas angekohlter hölzerner Raumteiler, er schützte den Hausherrn und Gäste vor neugieriegen Blicken im TablinumFensterglas war den wirklich Reichen vorbehalten, hölzerne Fensterläden waren dagegen Standard (angekohltes Original!)


Ein römisches Bettgestell unterscheidet sich wenig von den uns gewohntenPrächtige Wanddekorationen finden sich vielfach in HerculaneumPrächtige Wanddekorationen finden sich vielfach in Herculaneum


Prächtige Wanddekorationen finden sich vielfach in HerculaneumPrächtige Wanddekorationen finden sich vielfach in HerculaneumPrächtige Wanddekorationen finden sich vielfach in HerculaneumPrächtige Wanddekorationen finden sich vielfach in Herculaneum


Natürlich waren auch die öffentlichen Einrichtungen wie die Bäder reich dekoriert. Zivilisatorische Errungenschaften, die erst sehr spät nach dem Niedergang der Römischen Kultur wieder zum Standard wurden.


Bereich des öffentlichen BadesBereich des öffentlichen BadesAbgang zum ehemaligen Strandbereich durch die Stadtmauer


Die Archäologen sind wie erwähnt immer noch an der Arbeit. Erst in den 1980er-Jahren wurde der Bereich des ehemaligen Strandes ergraben. Bei den Bootshäusern wurde eine aufsehenerregende Entdeckung gemacht, hatten ca. 300 Personen in den starken Gewölben Zuflucht gesucht und dort ihr Leben verloren. Von den faszinierenden Erkenntnissen, die die Wissenschaft aus den Funden zieht, berichtet u.a. der Film am Ende dieses Kapitels. Sensationell ist auch der Fund einer antiken Bibliothek in der Villa dei Papiri, auch dieser Bereich ist noch nicht vollständig frei gelegt.

Faszinierend ist diese Zeitreise in die Zeit der Römer aber nicht nur für Wissenschafter, sondern auch für einen Laien wie mich. Ein supertoller Ort, an dem es in jedem Winkel etwas zu bestaunen gibt. Ich bin echt begeistert!


Die Bootshäuser am antiken Strandverlauf wurden erst in den 1980ern frei gelegtCa. 300 Menschen fanden beim Vesuvausbruch im Jahr 79 bei den Bootshäusern ihren raschen Tod.Unten die Bootshäuser am antiken Strand, erst über der Stadtmauer (mittig mit Balustrade) ist das Straßenniveuau von Herculaneum - heute 20 Meter unter der Tuffsteinoberfläche



Einer der sehenswerten Filme zu Herculaneum mit spannenden Erkenntnissen der Wissenschaft:




Pompeji


Ein Stück weiter südlich findet sich die bekanntere der vom Vesuvausbruch verschütteten Orte Pompeji (lat. Pompeii) . Die Lage in Kombination mit der beim Vulkanausbruch herrschenden Windrichtung sorgte auch für die schweren Zerstörungen an der Stadt. Auf Pompeji ging ein Steinregen nieder, der schon bald nach dem Beginn der Katastrophe dafür sorgte, dass die Dächer der Gebäude unter der Last einstürzten. So blieb dort (im Gegensatz zu Herculaneum) kaum etwas über Erdgeschossniveau stehen. Die Stadt wurde auch nicht von flüssigem Gestein eingeschlossen, sondern von nur wenigen Metern lockerem Sand und Gesteinstrümmern bedeckt. So kam es, dass, obwohl sogar etwas nach Herculaneum wiederentdeckt Pompeji beginnend ab dem 16. Jhdt. großräumig frei gelegt wurde. Die wissenschaftliche Archäologie hatte damals noch nicht den Stand und die Techniken mit denen heute vorgegangen wird, sondern ähnelte mehr einer Trophäenjagd. Viele aufschließreiche Hinweise wurden beseitigt, nur die wertvoll erscheinenden Objekte wurden geborgen und in Sammlungen verfrachtet.

Auch leidet die Substanz, indem sie Witterung und Massen an Besuchern ausgesetzten ist. Aufzeichnungen von Ausgräbern des 19. Jhdts. berichten noch von bunten Fresken auf Mauern, die heute nur mehr kahlen Stein Stein bieten. Es wird aktuell viel gebaut und saniert in Pompeji, damit dieses einzigartige Zeugnis einer römischen Stadt noch lange den staunenden Betrachtern erhalten bleibt. Viele Bereiche sind mit Gittern abgesperrt und undzugänglich, hoffentlich geht nicht allzu viel an den Zeugnissen der alten Kultur verloren.


Mit der Circumvesuviana nach Pompeji Zugang zur Stadt durch eines der StadttorePompeji


Da ich mir in Herculaneum sehr ausgiebig Zeit genommen habe ist der Rundgang durch Pompeji doch etwas gedrängt, aber für einen guten Überblick ausreichend.

Die Stadt wird vom Vesuv gut sichtbar überragt. Zur Zeit, als Pompeji eine blühende Handelsstadt mit etwa 10.000 Einwohner war, bot der Berg ein noch eindrucksvolleres Bild. Er ragte damals ungefähr 2000 Meter hoch auf und lief auf eine spitze Gipfelregion zu. An seinen Hängen wurde Weinbau betrieben, der obere Bereich war bewaldet und niemand ahnte die Gefahr. auch die zahlreichen stärkeren (im Jahr 62 n.Chr. kam es zu Zerstörungen) und schwächeren Erdbeben wurden nicht als Vorwarnung gedeutet. Der große folgenschwere Ausbruch von 79 n.Chr. sprengte nahezu 1000 Meter vom Berg ab, zusammen mit dem aus den Magmakammern ausgestoßenem Material wurden über 3 km³ (!) an Gestein in die Umgebung geschleudert. Der kleinere des heutigen Vesuv-Doppelgipfels ist der Rand der damals entstandenen Caldera. Die heute höhere Erhebung (1270 m) hat sich aus dem Erdinnerem gequollenem Material aufgetürmt. Es gab seit dem Vulkanausbruch zur Römerzeit weitere Ausbrüche, zuletzt 1944. Liest man von den gewaltigen Mengen an flüssigem Gestein, das sich unter dem aktiven Vulkan staut und betrachtet die dichte Besiedelung rund um den Berg, so ist eine weitere Katastrophe wohl unausweichlich.


Vesuv hinter dem Apollon-TempelsAltar des Apollon-Tempels, dahinter der VesuvFußgängerübergang über römische Straße mit Spurrillen von Karren











Pompeji




Archäologisches Nationalmuseum Neapel


In den beiden großartigen Ausgrabungsstätten Herculaneum und Pompeji erhält man einen faszinierenden eindruck über den Aufbau einer Siedlung der römischen Zeit, über die öffentlichen Gebäude und Infrastruktur sowie Anordnung und Ausschmückung der Wohnhäuser. Was dort aber bis auf einige Großobjekte fehlt sind Gebrauchsgegenstände. Diese wurden ebenso wie die schönsten Wandfresken und Mosaike bei den Grabungen entfernt und in Museen verbracht. Somit gehört ein Besuch des Archäologischen Nationalmuseums Neapel unbedingt dazu, wohin der Großteil der Funde verschafft worden sind. Leider sind im Museum nicht wenige Säle geschlossen und für Besucher derzeit nicht zugänglich.


Archäologisches Nationalmuseum NeapelArchäologisches Nationalmuseum NeapelIm Archäologischen Nationalmuseum NeapelArchäologisches Nationalmuseum Neapel


Wer sagt die Römer hätten keine Wasserhähne gekannt?Geräte eines Arztes aus der RömerzeitEin römischer Eisenofen


Viele der Töpfe waren reich verziertWas in diesem Krug gelagert worden war?Schöne Fresken überdauerten fast zwei Jahrtausende


Gemädegalerien mit Werken der Gotik, Barock bis zum Impressionismus sind mir ja nicht unbekannt, besuche ich gerne. Eine Novum fü rmich ist aber durch Ausstellungssäle zu wandern, in denen die Römische Malerei gezeigt wird. Die Themenvielfalt reicht dabei von dekorativen Mustern, Naturdarstellungen zu Portraits und Szenen aus der Mythologie. Über die Jahrhunderte waren auch die Vorlieben der Römer einem Wandel unterworfen, die Wissenschaft definiert verschiedene Stilrichtungen. Gleich bleibt aber die hohe Kunstfertigkeit und Farbenpracht. Das Leben der Menschen der Römerzeit war von mehr als nur nacktem Stein begleitet.

Dass die Kunst der Renaissance auf die Architektur der Antike zurückgriff war mir bekannt, wie sehr aber auch die Malerei Anleihen bei der Tradition der Antike nahm, wurde mir erst beim Bewundern der gerahmten römischen Frekomalereien bewusst.


Fresken aus römischen Wohnhäusern, unten Mitte das sit übrigens der Bäcker Terentius Neo mit GemahlinBuch und Schreibfeder symbolisieren immer wieder den hohen Bildungsgrad von PersonenRömisches Original


Blindtüren warene ine Zeit lang sehr beliebte MotiveDekor wie er auch in der Renaissance of zu sehen ist, hier aber im antiken OriginalDie Steinzeit war schon längst vorüber, in römischen Wohnhäusern wurde Wert auf schöne Ausschmückung gelegt


Gerne holte man sich auch die Natur ins HausBacchus vor dem fruchtbaren Vesuv, im aussehen vor dem großen Ausbruch 79 n.Chr.Menschend er Römerzeit um einen Tisch versammeltEin römischer Hafen


Die Malerein wurden in Freskotechnik auf den noch feuchten Gipsputz aufgebracht und dadurch so haltbar, dass sie fast zwei Jahrtausende ohne allzu große Schäden überstanden. Sehr robust sind auch die Mosaike, die sowohl Böden als auch Wände schmückten.


Mosaikdarstellungen mythologischer ThemenMosaikdarstellungen mythologischer ThemenMosaikdarstellungen mythologischer Themen


Nicht nur Fussböden waren mit Mosaiken dekoriertAus einer Villa in Pompeji stammt die Darstellung der Schlacht zwischen Alexander dem Großen und seinem perischen Gegener Dareios III.Nicht nur in den Bordellen Pompejis gab es erotische Darstellungen, diese waren auch in den Häusern anzutreffen


Neben der Malerei wurden auch viele Skulpturen und Plastiken in den Resten der vom Vesuv zerstörten Städte gefunden. Diese schmückten vorwiegend öffentliche Plätze und Tempel, waren aber auch in den Wohnhäusern der reicheren Einwohner zu finden. Viele der Statuen waren ihrerseits schon Kopien älterer griechischer Originale.


Skulpturen im Archäologischen Nationalmuseum Neapel Skulpturen im Archäologischen Nationalmuseum Neapel


Skulpturen im Archäologischen Nationalmuseum NeapelSkulpturen im Archäologischen Nationalmuseum NeapelSkulpturen im Archäologischen Nationalmuseum Neapel


Skulpturen im Archäologischen Nationalmuseum NeapelSkulpturen im Archäologischen Nationalmuseum NeapelSkulpturen im Archäologischen Nationalmuseum NeapelStatue eines reichen Stifters von einem Platz in Hercualaneum


Reichdekorierter römischer SarkophagReichdekorierter römischer SarkophagReichdekorierter römischer Sarkophag im Archäologisches Nationalmuseum




Castel Sant’Elmo


Weithin sichtbar überragt die Festung die Stadt. Das Castel Sant’Elmo (benannt nach dem Hl. Erasmus von Antiochia) wurde 1329 während der Herrschaft von Robert von Anjou erbaut und im 16. Jhdt. um die sternförmigen Wälle erweitert. Wer so stolz über der Neapel thront, von dort muss es ja auch eine grandiose Aussicht geben. Also machte ich mich im Licht des späten Nachmittags auf hinauf auf die Festung am Hügel Vomero. Die U-Bahn bezwingt ihn mit einer Schleife, auch drei Standseilbahnen führen vom Küstenniveau hinauf. Und ja, der Ausblick ist grandios.


Am Castel Sant’ElmoAm Castel Sant’ElmoStadtzentrum und Hafen von Neapel mit dem Vesuv im Hintergrund


Stadtzentrum und Hafen von Neapel mit dem Vesuv im HintergrundStadtzentrum von NeapelStadtzentrum und Hafen von Neapel mit dem Vesuv im Hintergrund


Stadtzentrum und Hafen von Neapel mit dem Vesuv im HintergrundCastel Nuovo vorm HafenDas Museo di Capodimonte, im 18. Jhdt. als Sommerresidenz der Bourbonen erbaut


Eingerüsteter Königspalast Palazzo Reale an der Piazza del Plebiscito mit der dem römischen Pantheon nachempfundenen Kuppel der Kirche San Francesco di Paola. Unter dem Glasgewöbe findet sich die Einkaufspassage Galleria Umberto IEingerüsteter Königspalast Palazzo Reale an der Piazza del Plebiscito mit der dem römischen Pantheon nachempfundenen Kuppel der Kirche San Francesco di PaolaWestliche Stadtteile Neapels


Blick vom Castel Sant’Elmo nach Süden über die Stadt Neapel mit dem Hafen zum Vesuv
Blick vom Castel Sant’Elmo nach Westen über den Golf von Neapel




Neapel Stadt


Neapel





Neapel




Hotel


Es war eine gute Entscheidung, das Hotel nicht ganz im turbulenten Stadtzentrum sondern an der ruhigeren Küste direkt vis-a-vis dem Castel dell’Ovo und dem kleinen Yachthafen gewählt zu haben, das Grand Hotel Santa Lucia (http://www.santalucia.it/en/) bot trotz des Fusswegs zur U-Bahn eine gute Ausgangsbasis, und zum Weggehen am Abend ist dieses vergleichsweise elegantere Stadtviertel ganz gut geeignet, zum Flanieren ist die Uferpromenade wohl eine der schönsten und rughigsten Abschnitte Neapels.


Castel dell’Ovo am AbendCastel dell’Ovo am Abend sogar mit FeuerwerkFontana del Gigante oder Fontana dell'Immacolatella (beides nach vorherigen Aufstellungsorten)


Grand Hotel Santa LuciaGrand Hotel Santa LuciaZimmer mit Blick aufs Castel dell’Ovo (Grand Hotel Santa Lucia)Ein neuer Tag begrüßt mit Sonnenschein, Castel dell’Ovo vom Balkon des Grand Hotel Santa Lucia




Caserta


Im Jahr 1442 wechselte die Herrschaft über Neapel und das umliegende Kalabrien von den französisch beeinflussten Anjou zu den von der spanischen Linie der Habsburger gestellten Herzogen von Aragon. Der Spanische Erbfolgekrieg wirkte damit auch direkt ins südliche Italien, wo die Bourbonen an die Macht kamen (s.a. Königreich beider Sizilien). Karl VII. wolle einen repräsentativen Palast ausserhalb Neapels und lies daher ab Mitte des 18. Jhdts. im 40 km nördlich von Neapel gelegenen Caserta (ital. Reggia di Caserta bzw. Palazzo Reale) einen gewaltigen Schlossneubau beginnen, eines der größten Schlösser Europas überhaupt. Als Vorbilder dienten Versailles und Escorial. Sieht man nur eine Fassade so erkannt man die gewaltige Größe nur bedingt, denn der quadratische Grundriss mit vier Höfen erschließt sich nicht auf einen Blick.


Der Stadt zugewandte Fassadenseite des Palasts Caserta Tor und Mittelteil der PalastfassadeEiner der vier großen Höfe


Schlosskapelle von Caserta nach dem Vorbild jener von VersaillesPrunkraum im Palazzo RealeBarockes Deckenfresko


Diesem Schloss habe ich also einen Besuch abgestattet. Bis auf die Stadtfassade und einen Hof sind sämtlich Aussenfassaden hinter Planen versteckt, groß angelegte Restaurierungsarbeiten finden statt. Umso beeindruckender ist ein Rundgang durch die herrschaftlichen Räumlichkeiten, wobei jedes Zimmer ein Saal großer Dimension ist und auch bei der Ausgestaltung scheinbar nicht gespart werden musste. Von einer Besichtigung der Brunnenanlagen habe ich dann abgesehen, auch der Garten ist so riesig, dass die langen Wege den Zeitrahmen gesprengt hätten, zudem ist die Pracht der Pflanzen im Garten eher bescheiden, einrichtiger Barockgarten wird nicht gepflegt.


Der Thronsaal im Schloss von CasertaDer Thronsaal im Schloss von CasertaDer Thronsaal im Schloss von CasertaKarl VII. bei der Grundsteinlegung des Schlosses als Deckenfresko


Prunkgemächer im Schloss von CasertaPrunkgemächer im Schloss von CasertaPrunkgemächer im Schloss von CasertaEiner der Bibliotheksräume im Schloss von Caserta


Reicher Dekor im Palazzo RealeReicher Dekor im Palazzo RealeParallel zu Napolen in Frankreich gabe es 9 Jahr einen französischen vasallen in Caserta (Joachim Murat), der seine Spuren hinterließParallel zu Napolen in Frankreich gabe es 9 Jahr einen französischen vasallen in Caserta (Joachim Murat), der seine Spuren hinterließ


Bis zum Ausbruch 1944 stand ständig eine Rauchwolke über dem Vesuv (Gemälde im Palast von Caseta)Darstellung Neapels im 19. Jhdt. auf einem Gemälde im Palast von CasertaDer wenig prunkvolle Garten direkt vor dem Schloss und die leider eingehüllte Fassade der SchlossgartenseiteAm Bahnhof Caserta




Heimreise


Die Kirchen und Museen in Neapel selbst sind vielleicht etwas zu kurz gekommen, es waren aber gut genützte sehr schöne Tage im südlicheren Italien, eine würdige Eröffnung der Reisesaion, die so manche Klischees zu Neapel bestätigt, andere widerlegt hat.


Ein letzter Blick auf die Insel Ischia im Abendlicht beim HeimflugEin letzter Blick auf die Insel Ischia im Abendlicht beim HeimflugAbend über dem Meer beim HeimflugNächtlich erleuchtetes Stadtzentrum von Rom kurz vor der Landung beim Transfer in Rom Fiumicino