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Vom Rathaus zu Joseph Haydn


Nach der Johann Strauss Wohnung wollte ich eine weitere Musikerwohnung besuchen. Bei der Recherche bin ich darüber gestolpert, dass regelmäßig Führungen durchs Rathaus angeboten werden. Es war fast naheliegend, die beiden Besichtigungspunkte mit einem Spaziergang an diesem milden Tag (Wintertag schreibe ich erst gar nicht) zu verknüpfen.


Das Neue Wiener Rathaus

Mit der 1857 vom Kaiser getroffenen Entscheidung, die verteidigungsstrategisch vollkommen veralteten Stadtmauern abtragen zu lassen und die frei werdende Fläche ebenso wie das Glacis (unbebautes Schussfeld) zur Bebauung frei zu geben setzte ein unglaublicher Bauboom ein. Mit den Erlösen der an Adel und reiche Bürger verkauften Baugründe in bester Lage an der neu angelegten Prunkstraße (der Wiener Ringstraße) konnten zahlreiche öffentlich Bauten finanziert werden, die auch heute noch in bedeutender Weise das Stadtbild prägen.

Das Alte Rathaus in der Wipplinger Straße reicht längst nicht mehr für die Organisation der auf Millionenbevölkerung angewachsenen Stadt noch reichte es für die Repräsentationswünsche des aufstrebenden Bürgertums. Die Ausschreibung für einen Rathausneubau gewann Friedrich Schmidt (Biografie), der nach Studium in Stuttgart und praktischer Erfahrung in den Dombauhütten zu Köln und St. Stephan mit einem in neugotischem Stil abgefassten Entwurf angetreten war.

Von 1872 bis 1882 wurde der mit Steinen verkleidete Ziegelbau aufgeführt, inklusive des 99 m hohen Turms, der nur mit der aufgesetzten Statue (“Rathausmann”) die nebenan befindliche Votivkirche überragt.


Hautpfassade zum RathausplatzNeugotische Türme des RathausesBurgtheater auf der anderen Ringstraßenseite gegenüber dem Rathaus
Hautpfassade zum Rathausplatz Neugotische Türme des Rathauses Burgtheater auf der anderen Ringstraßenseite gegenüber dem Rathaus


Ungestört schöne Fotos von der zu Ringstrße und Rathausplatz hin gewandten Hauptfassade aufzunehmen ist gar nicht so einfach, denn fast das ganze Jahr über wird der Platz und die seitlichen Parks für Veranstaltungen genutzt. Nach Weihnachtsmarkt und Silvesterfeier werden nun gerade die Kühlbahnen verlegt, um das Eis für jene Wege erzeugen zu können, auf denen sich in Kürze Alt und Jung auf Schlittschuhen durch den Park und über die große Eisfläche bewegen werden können.

Rathaus Hauptfassade (Festsaalseite)Gotisierender Schmuck am TurmansatzRathaus Rückseite (Gemeinderatssitzungssaalseite)
Rathaus Hauptfassade (Festsaalseite) Gotisierender Schmuck am Turmansatz Rathaus Rückseite (Gemeinderatssitzungssaalseite)


Die Rathausführung umfasst einige der Repräsentations- und öffentlichen Räumlichkeiten. Die Mehrzahl der ca. 1700 Räume sind Bürobereiche und werden natürlich nicht aufgesucht (man will ja keine Beamten bei der Arbeit stören ;-)).

Die Friedrich-Schmidt-Halle war ursprünglich die gedeckte Vorfahrt der Abgeordneten an der Rückseite des Rathauses, Stiegen führen hoch zum Sitzungssaal des Gemeinderats. Heute befindet sich dort die Stadtinformation, Informationsbrochüren aller Art liegen dort auf (auch Veranstaltungskalender für Touristen).

Der Stadtsenatssitzungssaal wird heute neben Senatssitzungen hauptsächlich für Ehrungen verwendet. Gemälde zeigen die letzten verstorbenen Bürgermeister, bevor sie ins Historische Museum weiterwandern.


Friedrich-Schmidt-HalleStadtsenatssitzungssaalStadtsenatssitzungssaal
Friedrich-Schmidt-Halle Stadtsenatssitzungssaal


Der ca. 70 x 20m große Festsaal wird ganzjährig für zahlreiche Veranstaltungen und Bälle genutzt. Orchesternischen an den Stirnseiten, eine Gallerie einerseits und die große Fensterfront mit vorgelagerter Loggia zum Rathausplatz begrenzen den Raum. Entlang der Wände stehen Statuen historisch bedeutsamer Persönlichkeiten, die zusammen mit dem Rippengewölbe doch etwas Rittersaalambiente in die große gotische Halle bringen. Bei der Generalsanierung 1999 wurden die letzten Kriegsschäden beseitigt (z.B. wurden die Fenstergläser rekonstruiert), der Saal erstrahlt nun nicht nur sprichwörtlich in altem Glanze. Für Großveranstaltungen können an den Saal anschließende Räume (z.B. Nordbuffet) einbezogen werden.


Der große Festsaal des RathausesDer große Festsaal des RathausesDer große Festsaal des Rathauses
Der große Festsaal des Rathauses


Im Gemeinderatssitzungssaal finden die Sitzungen des Gemeinderates und des Landtages statt. Wien ist ja eine Stadtgemeinde und seit 1920 gleichzeitig ein eigenes Bundesland. Folglich sind die 100 Abgeordneten in einer Wahl in den Gemeinderat (immer zuerst genannt!) und in den Landtag gewählt, der Bürgermeister ist ebenso Landeshauptmann. Trotzdem finden Gemeinderats- und Landtagssitzungen getrennt statt, mit unterschiedlichen Vorsitzführenden und strikt getrennten Tagesordnungen - irgendwie eigenartig.

Um es den Volksvertretern aber nicht zu schwer zu machen, gibt es nur einen Sitzungssaal, und der ist noch weitgehend original (die Fenster mussten nach dem Krieg nachgebaut werden) aus der Errichtungszeit mit prächtiger Kasettendecke und einem von Friedrich Schmidt entworfenen gewaltigen Luster (5m Durchmesser, über 3t schwer). Im Freskenzyklus entlang des oberen Wandabschnitts sind historische Ereignisse sowie Symbole für die Aufgaben des Gemeinderates dargestellt.


Sitzungssaal des Wiener GemeinderatesKasettendecke und PrunklusterGotische Bleiglasfenster
Sitzungssaal des Wiener Gemeinderates Kasettendecke und Prunkluster Gotische Bleiglasfenster


Huldigung Maria Theresia und Josef II.DeckendetailSitzungssaal des Wiener Gemeinderates
Huldigung Maria Theresia und Josef II. Deckendetail Sitzungssaal des Wiener Gemeinderates


Jetzt muss ich dir eine Reihe Fotos zeigen, die scheinbar sehr ähnlich sind. Die Feststiegen (es gibt zwei, an beiden Seiten des Festsaals) lassen sich aber nicht auf ein Bild reduzieren, zu überwältigend ist der Raumeindruck der magischen Treppenanlage, die vorbei an der über 50m langen Gaderobe in den Festsaal führt. Für mich eindeutig das Highlight des Rundgangs.

Feststiege des Wiener RathausesFeststiege des Wiener RathausesFeststiege des Wiener Rathauses
Feststiege des Wiener RathausesFeststiege des Wiener RathausesFeststiege des Wiener Rathauses
Feststiege des Wiener RathausesFeststiege des Wiener RathausesFeststiege des Wiener Rathauses
Feststiege des Wiener Rathauses


Im Großer Arkadenhof komme ich wieder ans Tageslicht, nach all der gotisch geprägten Mittelalterstimmung passt der einem Klosterkreuzgang ähnliche Hof gut zur Akklimatisierung zurück ins Jetzt.

Schade, dass in der heutigen “Bauklotzarchitektur” kaum mehr Räume entworfen werden, die die Sinne so ansprechen wie sie in solchen älteren Bauwerken wie dem Rathaus zu finden sind.

Der Rundgang ist auch auf der Webseite des Rathauses nachzuvollziehen.


Großer ArkadenhofGroßer ArkadenhofGroßer ArkadenhofBlick vom Großen Arkadenhof zum Rathausturm
Großer Arkadenhof



Jetzt will ich in Richtung Joseph Haydn weiter und muss dazu den 6. Bezirk Mariahilf durchqueren. Ein schöner Spaziergang mit auch einigem Sehenswerten am Weg.

Gleich hinter dem Rathaus steht das als K.u.k. Militärgeographische Institut errichtete Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen. Manchmal glitzert die goldenen Weltkugel schön im Sonnenlicht.


Militärgeographisches InstitutDa war ich doch
Militärgeographisches Institut Da war ich doch


Als Gegenpol zum an der Ringstraße gelegenen aristokratischen Burgtheater wurde hinter dem Rathaus das Theater fürs ordinäre Volk gebaut, auch wenn die Grenzen seit der Erbauungszeit nicht mehr so scharf sind (es gab damals ja auch noch kein allgemeins Wahlrecht für den Gemeinderat). Vorbei geht es am bedeutenden Kunsthistorischen Museum, vor dem Königin Maria Theresia umringt von ihren fähigen Beratern thront, darunter ihr Leibarzt Van Swieten. Eine der Reliefplatten stellt übrigens die Komponisten Haydn, Mozart und Gluck im Kindesalter dar.

Die wichtigste Einkaufsstraße Wiens, die Mariahilfer Straße, steht aktuell im Mittelpunkt heftiger Diskussionen, seit die kleine Rathauskoalitionspartei mit ihrem Prestigeprojekt ihre Respektlosigkeit vor dem Steuerzahler unter Beweis stellt - eine Fußgängerzone als Radfahrautobahn muss her, egal was es kostet. (Wer baut ein Testhaus, um es ggf. wieder wegzureißen ausser verantwortungslose Politiker?)


VokstheaterKunsthistorisches MuseumExperimentelle Fußgängerzone Mariahilfer Straße
Volkstheater KHM Mariahilfer Straße


Schneller bin ich, wenn ich das Museumsquartier durchquere. In die aus dem 18. Jhdt. stammenden Hofstallungen (für die 600 Pferde des Kaiserhofes) hielten nach Adaptierungen eine Vielzahl von Kultureinrichtungen Einzug, darunter das Leopoldmuseum mit der weltgrößten Schiele-Sammlung und das MUMOK (Museum moderner Kunst), die beide im großen Hof eigene moderne Museumsbauten erhielten.


Barocke Hofstallungen wurden zum KulturzentrumMUMOKLeopold Museum
Barocke Hofstallungen MUMOK Leopold Museum




Joseph Haydns letzte Jahre


Direkt vor der Barnabitenkirche (auch Mariahilferkirche) (17. Jhdt.) an der geschäftigen Mariahilfer Straße stoße ich auf die erste Spur Joseph Haydns. Einige Jahrzente nach dessen Tod sammelten Verehrer des Musikers Spenden, um 1887 das von Joseph Natter geschaffene Denkmal direkt vor der Kirche enthüllen zu können.


Barnabitenkirche (17.Jhdt.) an der Mariahilfer StraßeHaydn-Denkmal vor der BarnabitenkircheAuch die Esterhazys waren in Mariahilf, sie hatten ein Sommerpalais in der Vorstadt (heute Esterhazypark mit Haus des Meeres im Flakturm)
Barnabitenkirche Haydn-Denkmal vor der Barnabitenkirche Auch die Esterhazys waren hier


Bevor ich mehr über Joseph Haydn schreibe ist vielleicht zu Einstimmung (und zum daneben weiterlesen) etwas seiner großen Musik gefällig?


J. Haydn 1783, Cellokonzert Nr.2 in D, Allegro (Mischa Maisky)


Der große 1732 geborene Komponist Joseph Haydn startete bereits als Kind eine musikalische Laufbahn im Chor der Sängerknaben des Stephansdoms (1740-1749).

Nach Jahren in bescheidenen Verhältnissen mit Gelegenheitsaufträgen und als Musiklehrer kam er 1766 als Kapellmeister an den Hof der Fürsten Esterhazy. Die kunstsinnigen Fürsten Paul Anton und Nikolaus I. verlangten viel von ihm (Vorlegen von Kompositionen, Kammermusik für und mit der Fürstenfamilie und Opernaufführungen). Haydn konnte sich aber auch entfalten, ein ganzes Orchester stand ihm zur Verfügung. Mit den Fürsten wechselte er jahreszeitgemäß zwischen den Landsitzen in Eisenstadt, Schloß Esterhaza (im heutigen Ungarn) und den Wiener Palais. Sein Ruf als Musiker und Komponist gelangte dabei über den herrschaftlichen Hof hinaus. Mit dem Tod von Fürst Nikolaus 1790 verließ er diese Fixanstellung, die enge Bindung an die Esterhazy wurde aufgelöst.

Zwei Konzertreisen nach Londen brachten großen künstlerischen Erfolg und auch finanziellen Wohlstand. Mit schon über 60 Jahren kaufte er sich 1793 zwischen den Reisen ein Haus in der Vorstadt, in der Steingasse Nr. 73 in der Oberen Windmühle nahe Gumpendorf. Heute dicht verbautes Stadtgebiet hatte die Ortschaft damals dorfähnlichen Charakter mit Wiesen und Obstbäumen. 1797 bezog er das umgebaute Haus und verbrachte die letzten Lebensjahre bis zu seinem Tod 1809 dort.


Haydngasse heuteHaydns WohnhausDer Hof von Haydns Haus
Haydngasse heute Haydns Wohnhaus Der Hof von Haydns Haus


Das Haus blieb im Andenken an den großen Komponisten erhalten und ist heute als Museum zu besichtigen. Die alten Farbschichten konnten entdeckt werden, so dass sich die Räume fast wieder in den Originalzustand versetzen ließen.


Joseph Haydn AusstellungLange Jahre Wirkungsstätte Haydns im dienst der Fürsten Esterhazy - Schloss EsterhazaJosehp Haydn ca. 1795, gemalt Johann Zitterer
Joseph Haydn Ausstellung Lange Jahre Wirkungsstätte Haydns - Schloss Esterhaza Haydn ca. 1795, Johann Zitterer


Von der Originalausstattung gibt es nur mehr zwei Musikinstrumente, eine Piano und ein Hammerklavier stammen aus Haydns Besitz.

Haydn bewohnte das Haus mit seiner Köchin, weitere Bedienstete kamen tagsüber. Seine Ehefrau, die Ehe war nie glücklich, lebte getrennt in Baden.

Viele Gäste beehrten den großen Meister in der Vorstadt. Zu seinen Freunden zählten u.a. W.A. Mozart (sie verband gegenseitige Bewunderung, waren auch in der gleichen Freimaurerloge) und L.v. Beethoven (Schüler Haydns).


Piano in der Schlafkammer HaydnsHammerklavier (1796) im SalonAusstellungsraum
Piano in der Schlafkammer Haydns Hammerklavier (1796) im Salon Ausstellungsraum


Autograph der Kaiserhymne ("Gott erhalte, Franz den Kaiser..."), heute Melodie der deutschen NationalhymneAufführung der Schöpfung im Festsaal der Alten Universität (heute Akademie der Wissenschaften) in Anwesenheit HaydnsAufführung der Jahreszeiten in den Redoutensälen der Hofburg
Autograph der Kaiserhymne, heute Melodie der deutschen Nationalhymne Aufführung der Schöpfung im Festsaal der Alten Universität in Anwesenheit Haydns Aufführung der Jahreszeiten in den Redoutensälen der Hofburg


Haydn arbeitete bis zuletzt an seinen Kompositionen. Zu den größten Werken seiner Spätzeit, die in diesem Haus entstanden, zählen die beiden vom Stil Händels beeinflussten Oratorien “Die Schöpfung” und “Die Jahreszeiten”. Musikalisch hochstehend hinkt das Libretto in der Qualität nach. Gerne hätte Haydn Werke der Zeitgenossen Goethe und Schiller vertont, jedoch war der Texter und Übersetzer Gottfried van Swieten (Sohn von Maria Theresias Leibarzt) ein großer Förderer, Unterstützer und Berater von Haydn, so dass er die Texte nicht ablehnen konnte.

Napoleons Truppen belagerten 1809 gerade Wien, als Haydn in diesem Haus verstarb.


Joseph Haydn 1794, Bleistift von Georg DanceJoseph Haydn mit Perücke 1802, Porzellan von Anton GrassiJoseph Haydn mit Perücke 1802, Porzellan von Anton GrassiTotenmaske J. Haydns, abgenommen vom Diener und Komponisten Johann Elßler (Vater der Tänzerin und Schauspielerin Fanny Elßler)
Joseph Haydn 1794, Bleistift von Georg Dance Joseph Haydn mit Perücke 1802, Porzellan von Anton Grassi Totenmaske J. Haydns, abgenommen von Johann Elßler



Ein Raum ist auch dem Komponisten Johannes Brahms (1833-1897) gewidmet, der ab 1872 in Wien lebte und hier verstarb (Ehrengrab am Zentralfriedhof).

Ein Gedenkraum Brahms hier bei Haydn? Etwas irritiert, war er bei Johann Strauss schon als Bekannter aufgetaucht, musste ich mir die zeitliche Folge der Komponisten veranschaulichen (die Zeittafel ist unterhalb). Nein, Haydn und Brahms konnten sich nie begegnet sein. Von den Wohnsitzen Brahms in Wien ist keiner mehr erhalten, weshalb ihm kein eigenes Museum in der Reihe der Musikerwohnungen zuteil werdenkann. Als Bewunderer Haydns fand er hier Unterschlupf.


Erinnerungsstücke an Johannes Brahms im GedenkraumErinnerungsstücke an Johannes Brahms im GedenkraumZeittafel einiger Komponisten (Auswahl)
Erinnerungsstücke an Johannes Brahms im Gedenkraum Zeittafel einiger Komponisten


J. Brahms um 1867, Öl von Karl v. JagemannBrahms Arbeitszimmer 1892, zwei Mal Brahm 1896 und Brahms 1896 zu Besuch bei Fam. FellingerBrahms 1896 zu Besuch bei Fam. Fellinger, Fotografie Maria Fellinger
J. Brahms um 1867, Öl von Karl v. Jagemann Brahms Arbeitszimmer 1892, zwei Mal Brahm 1896 Brahms 1896 zu Besuch bei Fam. Fellinger



Es gäbe noch einige Orte mit Kontext zu Hayn zu besuchen, eine liegt am Heimweg. Besonders die Wintermonate verbrachte die fürstliche Familie Esterhazy im Stadtpalais in der Wallnergasse im Stadtzentrum. Jahrelang war auch der Kapellmeister mit im Tross, um mit Kammermusik zu erfreuen und bei glanzvollen Festen für Musikuntermalung zu sorgen.


Stadtpalais EsterhazyStadtpalais EsterhazyStadtpalais Esterhazy
Stadtpalais Esterhazy



Ein paar Fotos vom Heimweg durchs Stadtzentrum zur blauen Stunde kann ich noch anbieten. Damit genug für heute. :-P


Luxus am Kohlmarkt, Blick zum Michaelertor der HofburgGraben mit der PestsäuleGraben mit Pestsäule
Luxus am Kohlmarkt Der Graben mit Pestsäule
Vom Graben zum StephansdomAbendlicher StephansdomAbendlicher Stephansdom
Vom Graben zum Stephansplatz


Stephansdom-Haidentor zur Rotenturmstraße Ein schöner und interessanter Tag
Stephansdom-Haidentor zur Rotenturmstraße Ein schöner und interessanter Tag