liakada-web

(c) Herbert Frank 2002 - 2017

liakada-web

(c) Herbert Frank 2002 - 2017

User Tools

Site Tools








Neu im Blog
2017-08-03 - Kurzweil bei Budweis
2017-07-18 - Burg und Grün in Nové Hrady
2017-07-12 - Märchenschloss in Nové Hrady
2017-07-05 - Kutna Hora und Umgebung
2017-06-22 - In und um Königgrätz
2017-06-13 - Zwei Schlösser bei Zlín und eine etwas andere Stadt
2017-05-18 - Altstadt von Dubrovnik
2017-04-05 - Lucca und Pisa - Toskana im Frühling
2017-03-09 - Brünn - Kathedrale und Madonna von Veveri
2017-03-08 - Musik macht Freude
2017-02-22 - Salzburg in Grau
2016
2016-12-29 - Going 3D
2016-10-29 - Wieder eine reizvolle Kleinstadt - Třeboň
2016-09-28 - Schlösser bei Benešov
2016-09-21 - Ravenna - Spätantike und Frühchristentum
2016-09-21 - (Keine) Wahl
2016-09-06 - Monet in der Normandie
2016-08-06 - Apfelkuchen
2016-07-15 - Bootsfahrt zur Burg Veveri
2016-07-06 - Jindřichův Hradec und Červená Lhota
2016-06-14 - Kloster - Museum - Weinbau - Klosterneuburg
2016-06-04 - Meeresluft und Sonne in Valletta
2016-05-18 - Aus Trümmern auferstanden - Dresden
2016-05-13 - Kunst - Genuss
2016-04-28 - Wieder an der Moldau - Frauenburg und Budweis
2016-04-22 - Stein auf Stein mit Ankersteinen
2016-04-20 - Hotels
2016-04-15 - Andiamo a Napoli
2016-04-03 - Moldauaufwärts nach Český Krumlov
2016-03-19 - Wochenende in Prag
2016-03-02 - Über und in Bratislava
2016-02-16 - Winterabende zum Wohlfühlen
2016-02-07 - Auf Beethovens Pfaden
2016-01-29 - Virgilkapelle und Mozarthaus
2016-01-25 - Winterruhe
2015
2015-11-13 - Herbstlaubrascheln in Lednice
2015-11-05 - Kaiserwetter im Schlosspark
2015-10-31 - Herbst in St. Marx und im Winterpalais
2015-10-16 - World Press Photo 2015 im WestLicht
2015-10-15 - Musiksaison 2015-2016
2015-10-01 - Sternenhimmel über Telč
2015-09-16 - Glänzende Vergangenheit und Gegenwart - Kutná Hora
2015-09-02 - Klimt und die Ringstrasse im Belvedere
2015-08-28 - Die Schönheit barocker Machtenfaltung - Jaroměřice
2015-08-27 - Die Schönheit des Kleinen und Unscheinbaren - Třebíč
2015-08-22 - Joel Meyerowitz im Kunsthaus Wien
2015-08-14 - Schloss Lysice zum Sommerausklang
2015-08-13 - Blick über Donau und Wien
2015-07-31 - Schifffahrt durch die Wachau bis Melk
2015-07-30 - Lobpreis
2015-07-26 - Schloss Rájec nad Svitavou / Raitz
2015-07-22 - Spannende Arbeit
2015-06-17 - Barockjuwel Schloss Buchlovice
2015-06-05 - Fast wie Toskana - Bučovice / Butschowitz
2015-05-30 - Břeclav-Pohansko
2015-05-25 - Barock im Mostviertel
2015-04-29 - Wächter vor den Toren Wiens - Burg Kreuzenstein
2015-04-29 - Übersicht Ausflüge Tschechien
2015-04-25 - Frain - Von der Burg zum Barockschloss
2015-04-24 - Erblühen und Vergehen
2015-04-18 - Schmuckes Renaissanceschloss in Litomyšl
2015-03-21 - Frühling in Brünn
2015-02-21 - Mehr als Quargel - Olmütz
2015-02-16 - Alles nur Theater?
2015-01-14 - Stadt über der Thaya - Znaim
2015-01-02 - Fürstliches Winterpalais
2014
2014-12-30 - Im Lichte des Winters - Schloss Belvedere
2014-09-26 - Erzbischöfe prägen eine Stadt - Salzburg
2014-09-24 - 10000 Schritte - Stadtwanderweg 3
2014-09-23 - Noch eins der mährischen Schlösser - Milotice
2014-09-20 - Meine Ananas
2014-09-18 - Am Schneeberg
2014-09-17 - Am Ort von Napoleons Triumph
2014-09-10 - Dominkaner und Jesuiten in Wien
2014-09-06 - Wo ist sie denn, die UNO-City?
2014-08-22 - Mikulov/Nikolsburg - Liechtenstein in Mähren - Teil 3
2014-08-15 - Liechtenstein in Mähren - Teil 2 (Valtice/Feldsberg)
2014-08-14 - My home is my castle
2014-07-25 - Liechtenstein in Mähren - Teil 1 (Lednice/Eisgrub)
2014-07-06 - Sommerresidenz mit Gartenpracht
2014-06-15 - Hirnlos?
2014-06-09 - Barocktage im Stift Melk
2014-05-22 - Ausflug zu den Erzbischöfen von Olmütz nach Kremsier
2014-05-08 - Vitamine für den Patienten
2014-04-18 - Römerstadt Vindobona
2014-04-05 - Frühlingsduft und Vergänglichkeit in St. Marx
2014-03-26 - Schiele und Zeitgenossen im Leopoldmuseum
2014-02-20 - Tempel am Karlsplatz
2014-02-17 - Die Welt verändern
2014-02-15 - National Geographic zu Gast im Westlicht
2014-01-26 - Schwadrons Fliesen - oft mit Füßen getreten
2014-01-19 - Bauzone Prater
2014-01-11 - Augarten
2014-01-10 - Vom Rathaus zu Joseph Haydn
2014-01-05 - Fotoausstellung Michel Comte
2013
2013-12-25 - Ein Tag mit Tiffany
2013-11-08 - Besuch beim Nachbarn Johann Strauss
2013-11-03 - Wiener Ziegelmuseum
2013-11-01 - Herbstwanderung Troppberg
2013-10-26 - Stadtgeschichte am Nationalfeiertag
2013-10-15 - Herbstfarben am Friedhof
2013-10-02 - Orgelmusik erhellt die dunkle Jahreshälfte
2013-10-01 - Hofburg und Tafelsilber
2013-09-26 - Möbel und Architektur in Museen
2013-09-24 - Ein Palast für Kaiser und Könige
2013-09-20 - Ausblicke
2013-09-18 - Auf dem Kriegspfad
2013/09/16 - Ich gehe ins Kloster
2013/09/10 - Wein und Aussicht
2013/09/05 - Wildschweine vor der Villa der Kaiserin
2013/07/20 - Schiffsfahrt in Wien
2013/07/08 - Einfach weg - Bratislava
2013/01/15 - Winter - die märchenhafte Seite davon
2013/01/05 - Licht in den Regentag








Kurzweil bei Budweis


Schloss Kratochvíle


Schloss KratochvíleSchloss KratochvíleSchloss Kratochvíle


Die Sommertage wollte ich nicht ungenützt verstreichen lassen, so ließ ich mich also wieder nach Böhmen locken. Dass Sommer auch anstrengend sein kann, merkte ich auf dem nur 2,5 km langen Fußweg von der gut 20 km nordwestlich von Budweis gelegenen Kleinstasdt Netolice (deutsch Nettolitz) zur Ansiedlung Petrův Dvůr (deutsch Peterhof). Bei der extremen Hitze und Schwüle hätte nicht viel gefehlt und ich wäre in einen der Fischteiche gehüpft. Dieser Peterhof war ursprünglich ein zum Kloster Zlatá Koruna (deutsch Kloster Goldenkron) gehörender Gutshof, der im 15. Jahrhundert in den Besitz der Herren von Rosenberg gelangte. Diese sind mir ja keine Unbekannten, in Třeboň (deutsch Wittingau) und Český Krumlov (deutsch Krumau) besuchte ich ihre Residenzen, dort hatten sie bestehende Burgen zu Renaissanceschlössern umgebaut, von denen aus sie ihren gewaltigen, fast ganz Südböhmen umfassenden Herschaftsbereich verwalteten.

Hier im im Nettolitzer Hügelland ließen sie ein Schloss komplett neu errichten. Für das um 1585 erbaute Schloss Kratochvíle (gesprochen wie in Diele) dienten italienische Landhäuser als Vorbild. Die deutschsprachige Bezeichnung Schloss Kurzweil erklärt auch den Zweck dieses hübschen Anwesens, es war als Jagdschloss und für Festivitäten ausgelegt, für Staunen sorgten Kamele und Elefanten in den angeschlossenen Tiergehegen.


Schloss KratochvíleSchloss KratochvíleSchloss Kratochvíle
Schloss KratochvíleSchloss KratochvíleSchloss Kratochvíle
Schloss KratochvíleSchloss KratochvíleSchloss Kratochvíle


Schloss KratochvíleSchloss KratochvíleSchloss Kratochvíle
Schloss KratochvíleSchloss KratochvíleSchloss Kratochvíle
Schloss KratochvíleSchloss KratochvíleSchloss Kratochvíle


Das Schloss mag nicht besonders groß erscheinen, es verfügt aber über einige erstaunlich große Säle, dafür gibt es nur wenige Wohnräume und die Wirtschaftsbereiche wie Küche sind in die Gebäude beiderseits des von einem Turm dominierten Zugangstores ausgelagert. Gerade erst schweißtropfend angekommen, begann auch schon die Führung durch die die prunkvollen Räumlichkeiten. Schade, dass ich sie nicht in Bilder festhalten durfte, was die Kunsthandwerker der Renaissancezeit hier an prächtigem stuckgeschmückten Gewölben und Malereien schufen. Die Festsäle wurden auch mit reichlich Vergoldungen aufgewertet, wervollen Gobelins und farbenfrohe Gemälde bestimmen die edlen Raumwirkungen. So frisch aus der Sauna fühlte ich mich anfangs etwas deplatziert in diesen wunderschön gestalteten Gemäuern, kurzweilige Feste ließen sich hier aber auf jeden Fall gut feiern, die Gäste bewunderten den Reichtum des Gastgebers, den dieser mit diesem Schloss zur Schau stellte.

Der Erbauer des Schlosses, Wilhelm von Rosenberg konnte sich an diesem feinen Landschloss aber nur kurz erfreuen, er verstarb kinderlos nur wenige Jahre nach der Fertigstellung. Sein Bruder Peter Wok von Rosenberg erbte die gesamten Besitzungen. Die Vermählung des 41jährigen mit der erst 14 Jahre alten Katharina von Ludanitz (Kateřina z Ludanic) brachte keine Nachfolger hervor, so dass mit ihm das Geschlecht der Rosenberg ausstarb. Es folgten die Eggenberg und Schwarzenberg als Inhaber, ehe das Schloss verstaatlicht wurde.


Schloss KratochvíleSchloss KratochvíleSchloss Kratochvíle
Schloss KratochvíleSchloss KratochvíleSchloss Kratochvíle
Schloss KratochvíleSchloss KratochvíleSchloss Kratochvíle


Die Pracht der Innenräume habe ich ja schon geschildert, die Anlage ist jedoch ein Gesamtkunstwerk, das sich nur schwer in einem Foto dokumentieren lässt. Das Schlossgebäude und ein Renaissancegarten liegen auf einer von einem Wasserbecken umgebenen Insel, nur über eine Brücke zugänglich. Rund um dieses Wasserbecken liegen weitere Gärten, der umflaufende Weg ist von Spalierbäumen gesäumt. Umschlossen ist das Areal von einer Mauer, die von Nutzbauten unterbrochen wird und an der noch Reste der farbigen Malereien zu konservieren waren. Nur die Zugangsseite ist etwas wuchtiger ausgeführt, der Torturm kontrastiert mit der filigranen Anlage. In einer Ecke erbaute man die kleine Schlosskirche. Aussen eher unscheinbar begeistert das Innere mit bunten Fresken, die nach Vorlagen von Albrecht Dürer ausgeführt wurden.

Eine so schöne Schlossanlage, und dann lässt mich die Sonne so im Stich. Die Hitze war ja fast unerträglich, nur kündigten dunkle Quellwolken Gewitter an. Wie schön muss dieses faszinierend gestaltete Juwel erst bei blauem Himmel, der die Farben zum strahlen bringt und der sich in den Wasserbecken spiegelt, anzusehen sein. Mich hat dieses kleine allerfeinste Schloss wieder begeistert, aber gerne hätte ich auch dem gerecht werdende Bilder mitgebracht. Schade.


Gut erfassen lässt sich die Anlage aus der Luft:


Schloss KratochvíleSchloss KratochvíleSchloss Kratochvíle
Schloss KratochvíleSchloss KratochvíleSchloss Kratochvíle
Schloss KratochvíleSchloss KratochvíleSchloss Kratochvíle


Noch etwas machte es schwieriger, einigermaßen gelungen Fotos mitzubringen. In den kommenden Wochen ist das Schlossareal Aufführungsstätte eines Kunstprojekts. Überall standen Beleuchtungsbrücken, verliefen Kabel zu den vielen Lautsprechern, selbst im Wasser schwammen Kunstinstallationen (Gerümpelhaufen klingt weniger hochtrabend). Als ich den Kontrabass des Musikers sah, hoffte ich auf stimmungsvolle, dem Ort angepasste Musik. Er begleitete aber nur mit Quietschgeräuschen den modernen Tanz des Ensebles continuo.cz. Die Akrobatik, mit der sich die jungen Künstler bei ihrer Tanzprobe zu Boden warfen, zeugt von Können, das will ich den Tänzern auch gar nicht absprechen. Und trotzdem finde ich zu solcher modernen Kunst keinen Zugang, dachte ich, während mein Blick bei Kaffee und Kuchen im Schlosskaffee zwischen den engagiert-schwitzenden Künstlern und dem grazilen Renaissancebau und -gärten hin-und-her wechselte.


Schloss KratochvíleSchloss KratochvíleSchloss Kratochvíle
Schloss KratochvíleSchloss KratochvíleSchloss Kratochvíle



Abend in Budweis


NetoliceBudweisBudweis


Es sind doch vier Stunden Anreise von Wien bis Netolice, an einem Tag wieder heim reisen zu wollen würde die schönen Eindrücke zerstören. Da ist es doch viel besser, dem erfreulichen Tag einen ebensolchen Abend hinzuzufügen. So warteten in Budweis (tschechisch České Budějovice) bereits Hotel und Dusche auf mich. Die Erfrischung war an solch einem Tag eine notwendige Wohltat, wieder “mit mir im Reinen” konnte ich die köstliche Entenbrust in herzhafter Käsesauce auch richtig genießen. Nicht nur die berühmten Brauereien liefern Qualität, auch aus den Kellern der tschechischen Winzer kommen unterschätzte feine Tropfen. Satt, zufrieden und nach den langen vorangegangenen Arbeitstagen auch sehr müde will ich gar kein weiteres aktives Abendprogramm mehr, die nach der Tageshektik am Hauptplatz von Budweis eingekehrte Ruhe ist Kino genug, wenn das letzte Tageslicht schwindet und das nostalgische Ambiente des Platzes in das warme Licht der Laternen eintaucht. Nur das Plätschern des Brunnens begleitet die wandernden Gedanken, es tut gut, Zeit auch für solche Stunden des Glücklichseins, dazu auch mit ein wenig Sentimentalität, zu haben.


BudweisBudweisBudweis
BudweisBudweisBudweis


BudweisBudweisBudweis
BudweisBudweisBudweis


Die Müdigkeit war von Vorteil, sonst hätte ich vermutlich gerne das riesige 60 m² Hotelzimmer gegen ein Kämmerlein mit Klimaanlage getauscht. So aber konnte mich selbst die tropische Umgebung nicht wach halten, erst in den frühen Morgenstunden weckte mich anhaltendes Donnergrollen, ein heftiges Gewitter ging über der Stadt nieder und ließ angenehm kühle frische Luft durch die Fenster hereinströmen. Kein Grund für zeitigen Tagesbeginn also, doch selbst nach dem späten Frühstück hielt der Regen immer noch an.


BudweisBudweisBudweis


Die Tagesplanung war damit hinfällig, ein gemütlicher Kaffee noch in Budweis und ich trat die Reise heimwärts an.



Geschichtsabriss - Die Hussiten


Eigentlich hätte ich die Fahrt ja unterbrechen wollen, auf ungefähr halben Weg zwischen Budweis und dem Grenzort České Velenice hätte ich bei Trocnov einen kleinen Spaziergang in den Wald unternehmen und anschließend die Kleinstadt Borovany besuchen wollen (natürlich gibt es dort auch ein Schloss =)). Aber ein Waldspaziergang mit Regenschirm lockte mich nicht so recht, zumal es dort bis auf die Grundmauern eines alten Bauernhofes, einem kleinen Museum und einer monumentalen Statue nichts zu sehen gibt. Dieses Fleckchen im Wald ist die Jan-Žižka-Geburtsstätte, mehr als die tatsächlich sichtbaren Bauwerke geht es um die Geschichte, die an diesem Ort zu erzählen ist.

Immer wieder komme ich bei meinen Ausflügen nicht daran vorbei, von den Hussiten und von Zerstörungen im Zuge der Hussitenkriege zu berichten. Wie so oft verschmelzen bei den Hussiten ursprünglich religiöse Ansätze mit Machtpolitik, die dann auch mit Gewalt ausgetragen werden. Der Theologe und Reformator Jan Hus (ca. 1370–1415) wandte sich u.a. gegen die in der katholischen Kirche weit verbreitete Sittenlosigkeit und gegen den Ablasshandel und forderte eine Rückbesinnung auf die Aussagen der Bibel. Dafür bezahlte er mit seinem Leben, auf dem Konzil von Konstanz wurde er am Scheiterhaufen verbrannt. Einmal in die Welt gesetzt fanden seine Thesen aber weiterhin Anhänger und rege Verbreitung.

Nachdem das Geschlecht der Přemysliden Böhmen zu einem Königreich geeint hatte, traten nach ihrem Aussterben die eingeheirateten Luxemburger ihre Nachfolge an. Viel der lokalen Adelsgeschlechter empfanden dies als eine Art Fremdherrschaft, gegen diese fremden Könige, die eng mit den katholischen Bischöfen verbunden waren, man sich heimlich auflehnte. Da kam es gerade recht, dass ein militanter Zweig der Hussitenbewegung auch kleine Heere formte und gegen die Prager Zentralmacht zu kämpfen begann. Als Beginn der Hussitenkriege wird der Erste Prager Fenstersturz 1419 angegeben, bei dem von aufständischen Hussiten zehn Amtsträger des Königs beim Prager Rathaus getötet wurden. Ohne die Unterstützung von vielen kleinen Grafen und Herrschaften wäre dem Unterfangen wenig Erfolg beschieden gewesen, so aber konnten immer wieder königstreue Burgen eingenommen werden, Ortschaften in derem Eigentum wurden gebrandschatzt und auch größere Schlachten wurden mit neuer Kampfstrategie (Wagenburgen) gewonnen. Die hussitischen Armeen waren derart erfolgreich, dass sie weite Teile des Böhmischen Königreichs kontrollierten und in blutigen Plünderungszügen auch nach Niederösterreich, Schlesien, in die Laussitz und bis ins Vogtland vordrangen. Nach zahlreichen Niederlagen gelang es vereinten katholischen Heeren erst 1434 (im 5. Kreuzzug) in der Schlacht bei Lipan, die aufständischen Hussiten vernichtend zu besiegen. Verbunden mit den mititärischen Erfolgen war auch das Erstarken einer Böhmischen Identität, die dafür nachfolgend unter umso stärkeren Repressalien zu leiden hatte. Dies setzte sich auch unter dem 1526 auf den böhmischen Königsthron gekommen Ferdinand I. fort, der die bis 1918 andauernde Habsburgerherrschaft in Tschechien begründete, in der die katholische Religion und deutsch-österreichische Dominanz wesentlich stärker betont wurden, als beispielsweise in Ungarn.

Einer der frühen und erfolgreichsten Heerführer der Hussiten war eben jener Jan Žižka, der aus dem verregneten Wald stammt, wo ich sein Denkmal nun nicht besuchte. Aber eine gute Gelegenheit, sich dieses für Tschechien bedeutenden Kapitels seiner Geschichte zu erinnern.






2017/08/05 03:13 · hfrank



Burg und Grün in Nové Hrady


Burg Gratzen


Burg Nové HradyBurg Nové HradyBurg Nové HradyBurg Nové Hrady


Jetzt war ich also auch im anderen Nové Hrady. Es ist gleich hinter der österreichisch-tschechischen Grenze bei Gmünd am Weg nach Budweis zu finden. Dazu musste ich die sanft-hügelige Landschaft des Waldviertels mit den grünen Wiesen und reifen Getreidefeldern durchqueren, eine entspannende Anreise. Wie die tschechische Bezeichnung “Neue Burg” zustande kam, weiß ich nicht, die ältesten Teile der Burganlage stammen aus dem 13. Jahrhundert und so wirklich neu ist sie damit nicht. Die Herrschaft Gratzen (die deutsch Bezeichnung) und die Burg waren mehrfach Schauplatz von Kämpfen und Belagerungen (besonders 1425 und 1467), so dass immer wieder Teile neu aufgebaut werden mussten, der zentrale große Turm der Burg existiert nach einer Schießpulverexplosion nicht mehr. Bemerkenswert an der Burg ist, dass sie von Beginn an mit zwei Zugängen konzipiert wurde, zwei Brücken überspannen den tiefen Burggraben und sind jeweils von Wehrtürmen gesichert.


Burg Nové HradyBurg Nové HradyBurg Nové HradyBurg Nové Hrady
Burg Nové HradyBurg Nové HradyBurg Nové HradyBurg Nové Hrady


Gegründet von den Wittigonen wechselten die Besitzer einige Male. Nach den Herren von Landstein kamen die Rosenberg und die Sternberg. Die Herren von Schwanenberg wechselten zum Protestantismus und als 1620 Charles Bonaventure de Longueval die Burg für den katholischen Kaiser zurückeroberte, erhielt er als Kriegsentschädigung auch die ganze Grafschaft Gratzen mitsamt der Burg. Die Fürsten von Buquoy hielten den Besitz bis zur Enteignung 1945.


Burg Nové HradyBurg Nové HradyBurg Nové Hrady
Burg Nové HradyBurg Nové HradyBurg Nové HradyBurg Nové Hrady


Auch wenn es auf den Fotos nicht so erscheinen mag, es waren viele Menschen an diesem Sommertag (mit ihren Fahrrädern) unterwegs, um die Grenzburg mit ihren relativ kleinen Räumen zu besuchen, so dass ich kaum halbwegs gelungene Bilder von der Besichtigung des Inneren mitbrachte, wo in vielen Portraitgemälden an die letzten Eigentümer erinnert wird. Etwas besser möglich war dies von den Räumen des Gutsverwalters (eine zweite Führung), der auf der Burg wohnte und für seine Arbeit von der Herrschaft mit für damalige Verhältnisse ansehlichem Wohlstand belohnt wurde.


Burg Nové HradyBurg Nové HradyBurg Nové Hrady
Burg Nové HradyBurg Nové HradyBurg Nové Hrady



Stadt Nové Hrady


Direkt am Weg von der Burg ins Zentrum der Kleinstadt Nové Hrady befindet sich eine alte Schmiede (Gossingerschmiede (Novohradská kovárna) errichtet 1719), die ebenfalls restauriert und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde (das Kaffehaus mit cremiger Torte bedurfte noch keiner Revitalisierung :-)). Einige alte Häuser aus der Renaissance- und Barockzeit finden sich am Hauptplatz. Nur unweit davon steht auch das Neue Schloss. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war die Burg den Grafen zu eng und zu wenig repräsentativ, so dass sie wechselnde Gebäude im Ort bewohnten, bis sie schließlich 1810 ins im Empirestil errichtete Schloss umzogen. Das Schloss ist ist heute Teil der Universität Budweis und steht nicht für Besichtigungen offen, nur mehr einzelne Räume sind im alten Zustand. Unter vielen Straßenlaternen fielen mir weiße Flecken auf, als ich dann sah, wer sie gerne als Aussichtspunkt nutzt war mir der Zusammenhang klar - also Vorsicht!


Neues SchlossNeues SchlossKirchturm
Rathaus von Nové HradyStadtpalais der BuquoyBarockhaus
StörcheStorch auf beliebtem Aussichtspunkt



Grabkapelle Bucquoy


Gleich als erstes nach der Ankunft in Nové Hrady besuchte ich die Familiengruft der Grafen Bucquoy am Rande des örtlichen Friedhofs. Bei meinem Besuch in Třeboň (Wittingau) im Vorjahr besuchte ich auch die Gruftkapelle, die die Fürsten Schwarzenberg dort errichtet hatten. Nach diesem Vorbild ließ sich auch die Familie Bucquoy 1890 eine Familiengrablege im neugotischen Stil erbauen. Zufällig kam ich gerade rechtzeitg als eine Führung statt fand, so dass ich auch einen Blick ins Innere werfen konnte.


Familiengruft der Grafen BucquoyFamiliengruft der Grafen BucquoyFamiliengruft der Grafen BucquoyFamiliengruft der Grafen Bucquoy
Familiengruft der Grafen BucquoyFamiliengruft der Grafen BucquoyFamiliengruft der Grafen Bucquoy
Familiengruft der Grafen BucquoyFamiliengruft der Grafen BucquoyFamiliengruft der Grafen Bucquoy



Theresiental


Verlässt man die Burg durch das südwestliche Tor und steigt den Hügel hinab so gelangt man ins Tal, das der Bach Strobnitz (tschechisch Stropnice) im Gratzener Bergland geschaffen hat. Es wurde bereits 1949 als Nationales Tschechisches Naturdenkmal unter Schutz gestellt, wurde aber wegen der unmittelbaren Grenzlage über Jahrzehnte nicht gepflegt und verwilderte, erst seit den 1990er-Jahren erfolgen Pflege und Instandsetzung des Tals, das nun viele Besucher anzieht.


Alte Fabrik nahe beim Beginn des ParksTheresientalTheresiental
Im TheresientalIm TheresientalIm Theresiental


Benannt ist das Tal Tereziino oder Terezino údolí bzw. auf deutsch Theresiental. Die Bezeichnung erfolgte nach nach der Gräfin Theresia von Buquoy, die im 19. Jhdt. das Tal als Park im romantischen Stil umgestalten sowie mit einigen für Lustbarkeiten dienende Bauten ausstatten ließ. Gefällig sind die weiß gestrichenen Brücken, mit denen das Tal erschlossen wurde. Wenn man sich immer an der (bachaufwärts) rechten Seite des Baches hält, so kommt man an einigen der Bauwerke aus damaliger Zeit vorbei:

  • Zuerst kommt man an an der alten Hammermühle vorbei, die von den Buquoy erworben im Stil eines englischen Cottage-Hauses erweitert wurde, mit Giebeln und rankenden Pflanzen umwachsenen geteilten Fenstern. Nach der nicht sehr behutsamen Restaurierung befindet sich nun ein Restaurant im Haus.
  • Nur ein kleines Stück weiter kommt man zum um 1790 errichteten Badehaus (Lázničky) mit eine künstlichen Grotte als besondere Zierde. Die Anlage nahm bei mehreren Hochwässern (1915 und 1936) großen Schaden und wurde erst in den letzten Jahren wieder toll in Stand gesetzt und beherbergt ein weiteres hübsches Restaurant.
  • Nicht so glücklich verlief die Geschichte des 1803 erbauten Blauen Hauses (Modrý dům), das nur mehr als Ruinenrest besteht. Hier verbrachte die Gräfin die Sommermonate. Heute ist es kaum vorstellbar, dass das kleine Palais sieben luxuriös ausgestattete Räume (und Keller) enthielt, die der Gräfin und Dienern einen luxuriösen Aufenthalt boten.


Ehemalige Hammermühle, englisches CottagehausBadehausRuine des Blauen Hauses
Ruine des Blauen HausesRuine des Blauen HausesIm Theresiental


Ist das Tal anfangs noch breit und bietet auch Wiesenflächen Platz, so verengt es sich nach dem Blauen Haus plötzlich, der Bach hat hier ein größeres Gefälle zu überwinden und hat sich munter plätschernd tiefer eingegraben.

  • Das hat man genutzt, um einen Teil des Wassers abzuleiten und dann über einen Felsen als künstlich geschaffenen Wasserfall wieder ins tiefere Bachbett hinabstürzen zu lassen.


Künstlicher WasserfallKünstlicher WasserfallIm Theresiental
Im TheresientalIm TheresientalIm Theresiental


Ein Stück folgte ich dem Weg noch ins Tal hinein bis zur nächsten Brücke. Würde man dem Bach weiter aufwärts folgen, so käme man zum Staudamm der angelegt wurde, um den Wasserabfluss durchs Tal regulieren und zukünftig Hochwasserschäden abwenden zu können. Ich aber querte an dieser Stelle die Strobnitz und wandte mich wieder talabwärts. Der Weg führt nun hinauf auf die Ebene oberhalb des Taleinschnitts, hier sieht man auch den kleinen Kanal und einen Speicherteich, der den Wasserfall speist. Sobald rechter Hand der baumreichen Taleinschnitt zu Wiesen wechselte, nahm ich eine kleinen Pfad quer über die Wiese und sah bald eine Burg vor mir.

  • Die Burg Cuknštejn (Zuckenstein) verlor 1618 mit einem Brand ihre Bedeutung als Sitz einer eigenständigen kleinen Herrschaft und wechselte in den Besitz der Buquoy. Sie verfiel und wird erst in den letzten Jahren als Privatbesitz langsam wieder hergestellt.


Im TheresientalIm TheresientalIm Theresiental
Burg CuknštejnBurg CuknštejnBurg Cuknštejn


Über Wiesen und durch Wälder vorbei an Teichen folge ich dem Wegweiser “Lázničky” und gelange bald wieder ins Tal zurück. In einer ungefähr zweistündigen kleinen Wanderung kommt man an einigen historischen Gebäuden vorbei. Gut gefallen hat mir aber die vielfältig wechselnde Landschaft, die man auf dem doch nicht allzu langen Weg passiert. Saftige Wiesen mit bunten Schmetterlingen und das kurze schluchtartige Talstück, oben am trockeneren Talrand haben einige Eidechsen vor mir die Flucht ergriffen um am stillen Weiher fischen Störche. Und auch wenn keine großen Wackelsteine am Wegesrand orakelten, einige der Verwitterung trotzende Granitfelsen finden sich hier auch. Eine schöne Kombination für einen Tagesausflug, die Burg und die Natur, die von Menschen gestaltet werden sollte, letztlich aber die Oberhand behält und so wie sie ist zu erholsamen Stunden einlädt.


Im TheresientalIm TheresientalIm Theresiental
Im TheresientalIm TheresientalIm Theresiental







2017/07/18 20:11 · hfrank



Märchenschloss in Nové Hrady


Im östlichen Böhmen, etwa 20 km westlich von Litomyšl (besucht 2015) befindet sich die Ortschaft Nové Hrady (u Skutče), was übersetzt so viel wie Neue Burg bedeutet. Steht man neben dem Schlossteich, so erhebt sich neben dem Schloss der Hügel, auf dem im 15. Jhdt. diese namensgebende Burg anstelle eines Vorgängerbaus errichtet wurde.



Aber auch dieser Burg war kein dauerhafter Bestand gegönnt, weshalb die deutsche Ortsbezeichnung Neuschloß eigentlich zutreffender ist. Um 1775 ließ der damalige Graf aus der inzwischen ausgestorbenen Familie der Harbuval-Chamaré am Fuß des Burghügels ein bezauberndes Schloss im Stil des Rokoko erbauen. Die Gliederung des Baues und reichkliche Dekoration mit Stuckelementen machen den Bau zu einem Märchenschloss.



Mit dem Anschluss des Protektorats Böhmen und Mähren ins Deutsche Reich 1939 wurde der damalige Eigentümer - ein tschechischer Textilindustrieller - vertrieben und die SS und Hitlerjugend zogen ins Schloss ein, in kommunistischer Zeit war ein Schulheim einquartiert. Nach der Samtenen Revolution wurde der Besitz 1989 restituiert, allerdings in einem traurigen total heruntergekommen Zustand. Die Erben fanden dafür keine Verwendung und verkauften an die Famile Kučera (Journalist und Politiker), die seither sukzessive an der Wiederherstellung der alten Pracht arbeitet.



West und Ostflügel des Schlosses werden über eigene prunkvolle Treppen erschlossen. Bei einer Führung durch die Gemächer wird einem die Entwicklung der Möbel über die verschiedenen Kunstepochen gezeigt. Die originale Ausstattung ging verloren, die museale Einrichtung wird nun von Leihgebern, darunter dem Prager Kunstgewerbemuseum und dem Bistum Königgrätz, bereitgestellt. Auf Wunsch der Leihgeber ist Fotografieren verboten, nur im prächtig restaurierten Prunksaal und im Speisesaal darf die Kamera ausgepackt werden.



Nach der Restaurierung der Bausubstanz widmeten die heutigen Schlossherrren der Wiederherstellung und Gestaltung der Gartenanlagen. Welche Fortschritte hier mit großem Einsatz gemacht wurden, sieht man schon bei einem Vergleich der Bilder wie sie bei Wikipedia zu finden sind oder auch jener auf Google Earth mit den aktuellen. Im Haupthof ergänzen duftige Rosenrabatte die verspielte Fassadengestaltung. Zur Gartenseite hin schließt ein barocker Küchengarten ans Hauptgebäude an, der dann in einen Englischen Landschaftspark übergeht. Besonders Kinder lieben das Labyrinth, während mir der alte Kreuzweg, der auf den Burghügel hinaufführt, gut gefallen hat. Ein Seerosenteich auf der Ostseite ist entstanden, zum Schloßteich hinab wurde ein Italienischer Garten angelegt. Es ist bewundernswert, wie die staatlichen Schlösser und eben auch so manches private Kleinod in Tschechien in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten mit viel Mühe und Aufwand herausgeputzt wurden. Ja, und genau deshalb liebe ich diese Ausflüge.







Jetzt hätte ich noch eine Frage? Wird man, wenn man ein Märchenschloss besucht, automatisch zum Märchenprinz? Naja, darüber habe ich ehrlich gesagt auch gar nicht ernsthaft nachgedacht. In den beiden Wirtschaftsgebäuden, die seitlich des Hauptgebäudes den Hof einrahmen, sind einerseits ein Restaurant und auf der anderen Seite ein Café untergebracht. Ich habe die reichliche verbleibende Zeit dort zugebracht und es mir schmecken lassen. In diesem stilvolen Ambiente, das wunderschöne Schloss mit der detailreichen Fassade vor Augen und umweht vom Duft tausender Rosen, da ist man einfach mitten im Märchen.



Nové Hrady, also Neue Burgen, gibt es in Tschechien ja einige. Eigentlich hatte ich ja eine andere dieser Burgen als Besuchsziel ausgewählt und war dazu am recherchieren, als ich auf dieses Schmuckstück stieß. So geht es mir oft, dass sich beim Lesen zu einem lohnenswerten Reiseziel schon das nächste ergibt. Was es nun mit dem anderen Nové Hrady auf sich hat, werde ich bald erzählen.






2017/07/12 23:14 · hfrank




Kutna Hora und Umgebung



Schloss Žleby


Nicht ganz vier bequeme Stunden benötige ich von Wien nach Kutná Hora, das mich ja schon im Jahr 2015 begeistert hat. Da ich diese ehemalige sehenswerte Bergbaustadt daher schon etwas kenne, wollte ich mir jetzt auch im Umland ein paar schöne Besuchsziele ansehen. So fuhr ich also zuerst 20 km weiter in die kleine Ortschaft Žleby (deutsch Schleb), um mir dort das Schloss anzusehen. Dieses erhebt sich auf einem Hügel über dem Ort.


Sieben Uhr morgens - Railjet nach PragSchloss ŽlebySchloss Žleby
Schloss ŽlebySchloss ŽlebySchloss ŽlebySchloss Žleby


Im 13. Jahrhundert gehörte die Gegend den Herren von Lichtenburg, die hier eine Burg errichteten. Diese wurde in den Hussitenkriegen 1427 belagert und schwer beschädigt, der nachfolgende Wiederaufbau erfolgte im Stil der Renaissance. Nach wechselnden Eigentümern blieb das Schloss Žleby von 1745 bis zur Enteignung 1945 im Besitz der Famile Auersperg. Um 1850 erfolgte ein Umbau im Stil des romantischen Historismus. Der Schlossherr Vincent Karel Auersperg war begeisterter Sammler von allem, dass mit dem Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) zu tun hatte, seine Sammlung an Rüstungen und Waffen kann als Teil der Führungen besichtigt werden (Fotografieren überwiegend verboten).


Schloss ŽlebySchloss ŽlebySchloss Žleby
Schloss ŽlebySchloss ŽlebySchloss ŽlebySchloss Žleby


Schloss ŽlebySchloss ŽlebySchloss Žleby
Schloss ŽlebySchloss ŽlebySchloss Žleby


Ein kleiner Spaziergang im schattigen Schlosspark passt noch gut als Abschluss der langen Führung. Das Schloss ist von Bäumen umgeben, nur selten erhält man einen Blick auf die Festung.


Schloss ŽlebySchloss ŽlebySchloss Žleby
Schloss ŽlebySchloss ŽlebySchloss Žleby



Kutná Hora


Dann ging es also ins ersehnte Kuttenberg. Bei jedem Ausflug nach Tschechien - und das sind nun doch schon einige - durfte ich Wunderbares sehen und erleben, keinen der Kurzausflüge habe ich bereut, aber der Abend in Kutná Hora blieb mir in solch beeindruckender Erinnerung, dass ich mir vorgenommen hatte, jedes Jahr dahin zu fahren. Nun sind zwar zwei Jahre vergangen, aber sofort habe ich mich wieder wohl gefühlt. Ein Glas Wein auf der Hotelterrasse, die paar Schritte entlang des Jesuitenkollegs und der Heiligenfiguren zum Barbaradom, hier passt es einfach, umgeben von solch stimmungsvoller Schönheit kann man nur in erhebende Stimmung verfallen.




Dem tat auch der plötzliche Platzregen eines Sommergewitters keinen Abbruch, der sich leicht unter einem schützenden Baum abwarten ließ. Und wie könnte es anders sein, danach war die Luft gereinigt, die Sonne kam wieder zum Vorschein und zauberte einen Regenbogen über den Ort.




Ein kleiner Spaziergang hinunter zum Stadtplatz vorbei an der Burg und den schönen alten Häusern durfte nicht fehlen, ich freute mich aber schon auf den Höhepunkt des Tages.



Ein wenig Sorge hatte ich schon, wenn man mit so großer Erwartungshaltung anreist, eine so hochgesteckte Erwartung mitbringt, so besteht doch leicht auch die Gefahr, enttäuscht zu werden.

Doch mit Köstlichkeiten verwöhnt zu werden während der Abend hereinbricht, der Himmel sich langsam verdunkelt und die Lichter angehen, die die historischen Bauwerke anstrahlen, so kam wieder dieses große Gefühl auf, sich an einem Ort voller Magie zu befinden. Soll ich diesem Überschwang in lautem Jubel Ausdruck verleihen oder in stiller Demut staunen? Es gibt nur wenige Orte auf der Welt, die eine solche Faszination ausüben.





Nein, es war kein Traum, auch im sanften Morgenlicht strahlen die Bauwerke um den Barbaradom. Ich könnte diesen Anblick noch viele Stunden genießen, aber der Tag soll auch anderes Spannendes bringen.


Room with a view



Schloss Kačina


Nur wenige Kilometer sind es von Kutná Hora zum Schloss Kačina (deutsch Katschina). Das auf einem sanften Hügel stehende Schloss ist von einem großen Landschaftgarten (Englischer Park) umgeben. Die riesige Schlossanlage wirkt so für mich fast etwas unwirklich auf die Wiese platziert.

Die Ländereien und umliegenden Dörfer wurden lange immer wieder von ihren Besitzern als Pfand bei Verschuldung eingesetzt und wechselten oftmals die Eigentümer. 1764 kaufte die Familie Chotek von Chotkow und Wognin die Güter. Johann Rudolph Chotek von Chotkow hatte als Diplomat in habsburgischen Diensten das bei Sankt Petersburg gelegene Schloss Gattschina kennen gelernt und beauftragte den Dresdner Architekten Christian Friedrich Schuricht (der auch Teile von Schloss Pillnitz bei Dresden mitgeplant hat) mit dem Entwurf für eine Schlossanlage nach diesem Vorbild, der auch von 1802 bis 1822 umgesetzt wurde.



Das Hauptgebäude dominert der von ionischen Säulen getragene Portikus. Über gebogene Kolonnadenflügel werden zwei seitliche Gebäude angebunden, in die das Schlosstheater und die (unvollendete) Schlosskirche untergebracht sind. Bekannt ist das Schloss für seine kreisrunde beeindruckende Bibliothek.



Natürlich wollte ich mir das ansehen. Schon bei der Ankunft sind mir die ungewöhnlich vielen Besucher aufgefallen. Nach langem Anstellen musste ich mein Ticket nicht bezahlen, es kostete “nula”. Jetzt war ich im Bilde, zur Feier des staalichen Feiertages war der Eintritt frei und das lockte die Massen an. Nicht nur die Ferienzeit war der Grund, wieso so viele Menschen ihre Fahrräder in Bewegung gesetzt hatten.


Ich denke, ich sollte die Tschechischen Staatsfeiertage einmal anmerken, damit ich sie zukünftig bei meinen Ausflügen berücksichtigen kann:


8. Mai Tag des Sieges Den vítězství oder Den osvobození
5. Juli Tag der Slawenapostel Kyrill und Method Den slovanských věrozvěstů Cyrila a Metoděje
6. Juli Tag der Verbrennung von Jan Hus Den upálení mistra Jana Husa
28. September Tag der tschechischen Staatlichkeit (Unabhängigkeitserklärung 1918) Den české státnosti
28. Oktober Tag der Entstehung eines selbstständigen tschechoslowakischen Staates (Todestag Hl. Wenzel) Den vzniku samostatného československého státu
17. November Tag des Kampfes für Freiheit und Demokratie (Studentenproteste 1939 und Samtene Revolution) Den boje za svobodu a demokracii


Jedenfalls war mir der Andrang dann doch zu heftig, die durchs Schloss geschleusten Gruppen viel zu groß, so dass ich beschloss, auf die Tour zu verzichten. Statt dessen wanderte ich durch den Schlosspark.




Nové Dvory


Bei meinem Spaziergang kam ich durch das Dorf Nové Dvory (u Kutné Hory) (deutsch Neuhof), das aus einem Wirtschaftshof des nahen Klosters Sedlec hervorgegangen ist. Der Ort mit seinem kleinen 1686 erbauten Schloss Nové Dvory war das Zentrum der Herrschaft, der dann ins Schloss Kačina verlegt wurde. Das heute als Schule genutzte Schloss ist mit der Schlosskirche St. Martin durch einen Arkadengang verbunden.




Kolín


Etwas früher als geplant war ich also bereit zur Abreise, da ging sich noch ein kurzer Abstecher nach Kolín (deutsch Kolin bzw. Köln an der Elbe) aus. Für eine eingehende Stadtbesichtigung reichte die Zeit nicht, aber wenigstens ließ sich der Eindruck einer hässlichen Industriestadt revidieren. Von der Bahn aus sieht man nur die neben den Gleisanlagen liegenden Chemiefabriken und Automobilproduktionsstätten, dabei ist das alte Zentrum der Stadt doch einen Besuch wert. Im Zentrum der Stadt findet sich der Karlsplatz (Karlovo náměstí) mit schönen alten Häusern, von denen das Rathaus aus dem 15. Jahrhundert besonders herausragt. Etwas höher in der Stadt liegt die Domkirche St. Bartholomäus aus dem 13. Jahrhundert.



Oh ja, ich liebe diese schönen und genussvollen Kurzurlaube. Da aber für dieses Mal die Zeit um war, fuhr ich wieder zurück von der Elbe an die Donau. Die schönen Erinnerungen bleiben.







2017/07/07 07:18 · hfrank



In und um Königgrätz



Schloss Ratibořice


Welch ein feines Schlösschen habe ich mir da erwandert. Nach der relativ langen Anreise in die Königgrätzer Region nördlich von Pardubice marschierte ich die letzten schwach 5 km von der Kleinstadt Česká Skalice (deutsch Böhmisch Skalitz) durchs Tal des Baches Úpa (deutsch Aupa) hinein. Auf einem vorspringenden Hügel steht man dann vor dem bezaubernden Schloss Ratibořice (deutsch Ratiborschitz). Es ist keine prunkvolle riesige Schlossanlage, sondern eher eine stilvolle Landvilla. Während die Verwaltung der Herrschaft Nachod, zu der Ratibořice gehört, dort im aus einer Burg hervorgegangenen Schloss angesiedelt war, bevorzugten viele der Landesherren dieses luftigere Haus als ihren Hauptwohnsitz.

Auch hier befand sich eine Burg, die allerdings verfallend abgetragen wurde und 1708 das Schloss im Stil einer barocken Landvilla errichtet wurde. 1798 wurde die Grafschaft Nachod vom Adelsgeschlecht der Biron von Curland erworben, besonders die lebenslustigen Damen dieser Familie prägten für die nächsten Jahrzehnte das gesellschaftliche Leben im Schloss. Besonders Wilhelmine von Sagan wird erwähnt, die oft mit ihrem Liebhaber, dem österreichischen Staatskanzler Fürst Metternich hier weilte. Dieser nutze das Schloss aber auch für diskrete politische Treffen, beispielsweise wurde in einem Treffen mit Zar Alexander I. das gemeinsame Vorgehen gegen Napoleon I. vorabgesprochen.


Schloss RatibořiceSchloss RatibořiceSchloss Ratibořice
Schloss RatibořiceSchloss RatibořiceSchloss Ratibořice
Schloss RatibořiceSchloss RatibořiceSchloss Ratibořice
Schloss RatibořiceSchloss RatibořiceSchloss Ratibořice
Schloss RatibořiceSchloss RatibořiceSchloss Ratibořice


Im Jahr 1842 wurde das Schloss samt fürstlicher Herrschaft Nachod an die Familie Schaumburg-Lippe verkauft, die Ratibořice gerne bis zur Enteigunung 1945 bewohnte, beispielsweise wuchs die letzte Königin von Württemberg, Charlotte zu Schaumburg-Lippe hier auf. Aus dem 19. Jhdt. stammt auch die sehr schöne Innenausstattung, die nicht überladen geschmackvolle Eleganz vermittelt.


Schloss RatibořiceSchloss RatibořiceSchloss Ratibořice
Schloss RatibořiceSchloss RatibořiceSchloss Ratibořice


Schloss RatibořiceSchloss RatibořiceSchloss Ratibořice
Schloss RatibořiceSchloss RatibořiceSchloss Ratibořice


Babiččino údolí (Großmuttertal)


Babička-Denkmal in RatibořiceBabička-Denkmal in RatibořiceBabička-Denkmal in Ratibořice
Babička-Denkmal in RatibořiceBabička-Denkmal in RatibořiceBabička-Denkmal in Ratibořice


Viele Besucher kommen aber nicht wegen der adeligen Bewohner ins Tal, sondern wegen der Tochter des im Schloss Ratibořice angestellten Kutschers, die in Česká Skalice auch die Schule besuchte. In Wien als Barbara Betty Novotná geboren, erlangte sie als Schriftstellerin der tschechischen Nationalbewegung große Bekanntheit, jedes tschechische Schulkind kennt die Autorin Božena Němcová.

In ihrem bekanntesten Werk Babička (deutsch Die Großmutter) schildert die in ihrem privaten Leben nicht sehr glückliche Schriftstellerin idealisiert ihre Kindheit in diesem Tal. Der Roman diente auch mehrfach als Filmvorlage, ist im deutschen Sprachraum aber wenig bekannt, wurde zuletzt 2008 verlegt und ist nur mehr antiquarisch erhältlich. Ich warte noch auf die Lieferung des Buches, um die Geschichte der gütigen Großmutter und fürsorglichen Fürstin Wilhelmine von Sagan auch lesen zu können.

Das landschaftlich schöne Tal der Aupa wurde deshalb nicht nur zum nationalen tschechischen Naturdenkmal erklärt, sondern auch amtlich als Großmuttertal (Babiččino údolí) bezeichnet. In Česká Skalice kann die Schule besichtigt werden und befindet sich ein Božena Němcová-Museum, im Tal finden sich einige Schauplätze des Romans, zum Beispiel die gerade restaurierte Mühle Ludrův mlýn. Würde man das Tal einige Kilometer flußaufwärts weiter wandern, so käme man an weiteren Schauplätzen und und zwei Burgruinen vorbei. Doch dazu war es mir an diesem Tag eindeutig viel zu heiß.


Schule von Česká SkaliceMühle in RatibořiceNationales tschechisches Naturdenkmal "Großmuttertal"
Wanderweg durchs Babiččino údolíWanderweg durchs Babiččino údolíDie Aupa im Großmuttertal



Hradec Králové (Königgrätz)



Für zwei Nächte hatte ich mich in Hradec Králové einquartiert, bei uns besser bekannt als Königgrätz. Nach dem heißen Tag hat mich eine Besichtigungstour einfach nicht mehr gelockt, mit einer Erfrischung am großen Hauptplatz der Altstadt zu sitzen und zu rasten hat gut getan. Die alten Gebäude um den Platz geben eine schöne Kulisse ab. Etwas schade ist, dass der Platz selbst (ausschließlich) als großer ungepflegter Parkplatz genutzt wird, sicher gilt es auch die Anrainerinteressen zu berücksichtigen, aber dieser riesige Platz ließe sich doch stimmungsvoller gestalten.



Nach dem überaus heißen Tag kam abends die Entladung. Es hat so richtig schön geschüttet und Blitze zuckten allerorts über den Nachthimmel. Das geschützt unter einem der vielen Arkadengänge zu beobachten, während im Lokal gegenüber Livemusik das Publikum (mich eingeschlossen) begeistert, war ein erfreulicher Tagesausklang. Die vielen Leute, die in der Stadt unterwegs waren, viele angereist wegen eines Musikfestivals, ließen sich ihre gute Laune nicht verderben und wateten barfuß durch die Straßen.



Am zweiten Abend präsentiert sich Hradec Kralove aber wieder in besserem Licht, wobei der Hauptlatz von Dom und dem aus der Renaissancezeit stammenden Weißem Turm dominiert wird.



Der Weiße Turm hat schon einiges gesehen. Errichtet wurde er 1580 als Beobachtungsturm, um Brände und gelegentlich auch feindliche Truppen ausspähen zu können. Nach dem Verlust Schlesiens (Siebenjähriger Krieg (1756 bis 1763)) lag Königgrätz nahe der Grenze der Habsburgermonarchie zu Preußen, woraufhin die Stadt zur Festung ausgebaut wurde, als Teil einer ganzen Kette von mit massiven Mauern umgebenen und mit dauerhaft stationierten Truppen gesicherter Städte.

Als die Deutsche Frage wieder eskalierte und 1866 die Antwort auf dem Schlachtfeld herbeigeführt wurde (Schlacht bei Königgrätz), waren die Stadtbefestigungen schon nicht mehr zeitgemäß. Die Gefechte fanden aber auch gut 10 km nordwestlich der Stadt statt. Von 400 000 beteiligten Soldaten kehrten 15 000 nicht mehr heim, nach der verheerenden Niederlage Österreichs und seiner Verbündeten war nun Preußen im Deutschen Bund tonangebend. Österreich musste sich fortan nach Osten orientieren, die Einigung der vielen kleinen deutschen Städte, Grafschaften, Herzogtümer usw. zu einem Deutschen Reich unter preussischer Führung war eingeleitet.



Heute hat man vom Weißen Turm die beste Aussicht über die Stadt.



Als dann im frühen 20 Jahrhundert die Festungsmauern endgültig abgerissen wurden, so wurde der freigewordene Streifen um die Alttstadt nicht wie meist im Stil des Klassizismus verbaut, sondern damals ganz modern der Jugendstil für die Architektur herangezogen. Es entstanden in diesem Baustil nicht nur das Ostböhmische Museum und ein Wasserkraftwerk, auch Kauf-, Wohnhäuser und Villen wurden in dieser Architekturrichtung erbaut. Von damals stammt die Bezeichung der Stadt als “Salon der Republik”.



Königgrätz liegt an der Einmündung der Adler in die Elbe. Am Elbkai lässt sich auch wunderbar entspannen, hier habe ich meinen Lieblingsplatz gefunden.




Schloss Opočno



Erst spät machte ich mich im Dunst der nächtlichen Gewitter auf zu einem Tagesausflug zum Schloss Opočno (deutsch Opotschno), in der gleichnamigen Gemeinde gelegen. Dieses Schloss wurde über die Jahrhunderte von Familien bewohnt, die großen Einfluss auf die Geschicke Böhmens hatten.

Schon aus 1068 wird eine Burg erwähnt, die sich im Besitz der Přemysliden befand.

1495 gelangte die Herrschaft ins Eigentum der Herren Trčka von Leipa, die die Burg Mitte des 16. Jahrhunderts im Stil der Renaissance zum bis heute bestehenden Schloss umbauten. Die dreiflügelige Anlage öffnet sich zu einem Abhang hin, von dem man einen schönen Blick in die Landschaft genießt. Ganz fantastisch sind die dreigeschoßigen Arkaden, die auf den drei Seiten den Hof einfassen. Die Herrschaft dieser Familie endetet mit Adam Erdmann Trčka von Lípa, der als treuer Vertrauter von Wallenstein zusammen mit diesem 1634 in Eger ermordet wurde.

Der Besitz wurde vom Kaiser beschlagnahmtund an die neuen Eigentümer, die Fürsten Colloredo übergeben (zuerst Colloredo-Wallsee, später Colloredo-Mansfeld). Auch dieses Schloss wurde wie viele 1945 mit den Beneš-Dekreten vom Staat konfisziert und die Besitzer vertrieben. Die Ländereien wurden nach der demokratischen Wende restituiert, das Schloss blieb nach langen Prozessen in Staatsbesitz, die Gerichtsverfahren um die Ausstattung des Schlosses sind noch immer gerichtsanhängig.



Ein Faden spannt sich vom Schloss Ratibořice nach Opočno. Im Juni 1813 wurden hier die begonnenen Gespräche fortgesetzt, in denen der österreichische Staatskanzler Metternich, der preußische Staatskanzler Hardenberg und König Friedrich Wilhelm III. sowie der russische Zar Alexander I. das Bündnis (Konvention von Reichenbach) aushandelten, das schließlich zur Verbannung Napoleons I. Bonaparte nach der Völkerschlacht bei Leipzig auf die Insel Elba führte.



Und dass es sich lohnt, um die wertvolle Ausstattung des Schlosses zu kämpfen, ist durchaus verständlich. Vielen der Räume merkt man die Abstammung von einer Burg noch an, durch die wenigen Fenster gelangt wenig Licht ins Innere und sie wirken oftmals düster. Die Colloredos richteten die Räume in vielfältigen Stilen ein. Ein Rundgang durch die Räumlichkeiten ersetzt ein Lehrbuch der verschiedenen Stilrichtungen. Von gotisch-mittelalterlich-ritterlichem Ambiente bis hin zu verspieltem Rokkoko reicht die Vielfalt der Stile. Wertvoll und hochrangig ist die Gemäldesammlung, die die Fürsten hier im Schloss zusammentrugen und mit der sie viele Räume dekorierten. Anders als am Vortag in Ratibořice fehlt oft die stilsichere Eleganz, dafür wurde in diesem Schloss der immense Reichtum von Fürsten in absolutistischer Zeit zur Schau gestellt. Nicht wohnlich, aber sehr imposant. Und allein schon wegen der Bilder sehenswert.






Schloss Rychnov nad Kněžnou



Am Tag 3 meiner Reise in die Königgrätzer Region stand ein weiteres Schloss am Programm. Dazu fuhr ich in die hügeligen Ausläufer des Adlergebirges in die Bezirkshauptstadt Rychnov nad Kněžnou (deutsch Reichenau an der Knieschna). In dieser etwas abgelegenen Kleinstadt befindet sich die barocke Schlossanlage Schloss Rychnov nad Kněžnou. Nach wechselnden Vorbesitzern gelangte die Herrschaft 1640 in den Besitz der Grafen Kolowrat, die nach der Rückgabe des Schlosses 1992 bis heute dort wohnen, es für Führungen aber den Besuchern zugänglich machen.

Webseite: http://www.zamekrychnov.cz/de/




Auch die Kolowrats gehörten zu den Sammlern von Malereien, ein Rundgang durch die Schlossräumlichkeiten gleicht einer Galleriebesichtigung in prächtig ausgestattetem Rahmen. Lag der Schwerpunkt der Gemäldesammlung im Schloss Opočno vorwiegend auf Werken der Barockzeit, so reicht der Sammlungsbestand in Rychnov teilweise noch weiter zurück. Es ist schwierig, beim Betrachten der fantastischen Gemälde die Raumwirkung der Schlossräumlichkeiten ebenso im Auge zu behalten.




Oberhalb des Schlosses findet sich die um 1600 errichtete spätgotische Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit. In der Barockzeit wurde die Fassade neu gestaltet. Erbaut wurde sie vom damaligen Schlossherren für die aus der Hussitenbewegung hervorgegangenen Böhmischen Brüder, diese religiöse Bruderschaft hatte aber nur kurzen Bestand. Seitlich der Eingangshalle besteht die Lorettokapelle, in der noch Reste der ursprünglichen Wandfresken erhalten sind.



Am Kirchengelände steht abseits der Glockenturm, ebenso um 1600 erbaut, allerdings im Renaissancestil. Er beherbergt die drittgrößte läutbare Glocke Tschechiens, in Königrätz im Weißen Turm hängt die zweitgrößte. Die größten Glocken Tschechiens sind

  1. Glocke Zikmund im Prager Veitsdom
  2. Glocke Augustin in Hradec Králové (Königgrätz)
  3. Glocke Kryštof hier in Rychnov nad Kněžnou



Gerne hätte ich nach den Besichtigungen noch länger im gepflegten Schlosscafe die schönen Eindrücke nachschwingen lassen, doch eine eher ungünstige Bahnverbindung zwingt mich zum zeitigen Aufbruch zurück nach Königgrätz. Dafür bleibt mir dort ausreichend Zeit, nochmals in die Stadt zu fahren und die Bilder vom Weißen Turm zu machen, den ich bisher noch nicht bestiegen hatte, bevor ich nach den schönen Tagen endgültig wieder heimwärts fahre.

Eine neue, für mich geografisch abgelegenere Gegend konnte ich besichtigen. Auch wenn ich neben der Regionshaupstadt, einem wieder sehr angenehmen Hotel und auch Zeit zum Entspannen drei Schlösser besichtigen durfte, so ist die Region Königgrätz damit keineswegs abgehakt. Im Gegenteil, es gibt dort noch einiges zu bestaunen, ich freue mich schon auf eine Wiederkehr.








2017/06/25 09:00 · hfrank

Older entries >>





TAGS: