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In und um Königgrätz



FIXME - ARTIKEL IST NOCH IM ENTSTEHEN, BITTE ETWAS GEDULD


Schloss Ratibořice


Welch ein feines Schlösschen habe ich mir da erwandert. Nach der relativ langen Anreise in die Königgrätzer Region nördlich von Pardubice marschierte ich die letzten schwach 5 km von der Kleinstadt Česká Skalice (deutsch Böhmisch Skalitz) durchs Tal des Baches Úpa (deutsch Aupa) hinein. Auf einem vorspringenden Hügel steht man dann vor dem bezaubernden Schloss Ratibořice (deutsch Ratiborschitz). Es ist keine prunkvolle riesige Schlossanlage, sondern eher eine stilvolle Landvilla. Während die Verwaltung der Herrschaft Nachod, zu der Ratibořice gehört, dort im aus einer Burg hervorgegangenen Schloss angesiedelt war, bevorzugten viele der Landesherren dieses luftigere Haus als ihren Hauptwohnsitz.

Auch hier befand sich eine Burg, die allerdings verfallend abgetragen wurde und 1708 das Schloss im Stil einer barocken Landvilla errichtet wurde. 1798 wurde die Grafschaft Nachod vom Adelsgeschlecht der Biron von Curland erworben, besonders die lebenslustigen Damen dieser Familie prägten für die nächsten Jahrzehnte das gesellschaftliche Leben im Schloss. Besonders Wilhelmine von Sagan wird erwähnt, die oft mit ihrem Liebhaber, dem österreichischen Staatskanzler Fürst Metternich hier weilte. Dieser nutze das Schloss aber auch für diskrete politische Treffen, beispielsweise wurde in einem Treffen mit Zar Alexander I. das gemeinsame Vorgehen gegen Napoleon I. vorabgesprochen.


Schloss RatibořiceSchloss RatibořiceSchloss Ratibořice
Schloss RatibořiceSchloss RatibořiceSchloss Ratibořice
Schloss RatibořiceSchloss RatibořiceSchloss Ratibořice
Schloss RatibořiceSchloss RatibořiceSchloss Ratibořice
Schloss RatibořiceSchloss RatibořiceSchloss Ratibořice


Im Jahr 1842 wurde das Schloss samt fürstlicher Herrschaft Nachod an die Familie Schaumburg-Lippe verkauft, die Ratibořice gerne bis zur Enteigunung 1945 bewohnte, beispielsweise wuchs die letzte Königin von Württemberg, Charlotte zu Schaumburg-Lippe hier auf. Aus dem 19. Jhdt. stammt auch die sehr schöne Innenausstattung, die nicht überladen geschmackvolle Eleganz vermittelt.


Schloss RatibořiceSchloss RatibořiceSchloss Ratibořice
Schloss RatibořiceSchloss RatibořiceSchloss Ratibořice


Schloss RatibořiceSchloss RatibořiceSchloss Ratibořice
Schloss RatibořiceSchloss RatibořiceSchloss Ratibořice


Babiččino údolí (Großmuttertal)


Babička-Denkmal in RatibořiceBabička-Denkmal in RatibořiceBabička-Denkmal in Ratibořice
Babička-Denkmal in RatibořiceBabička-Denkmal in RatibořiceBabička-Denkmal in Ratibořice


Viele Besucher kommen aber nicht wegen der adeligen Bewohner ins Tal, sondern wegen der Tochter des im Schloss Ratibořice angestellten Kutschers, die in Česká Skalice auch die Schule besuchte. In Wien als Barbara Betty Novotná geboren, erlangte sie als Schriftstellerin der tschechischen Nationalbewegung große Bekanntheit, jedes tschechische Schulkind kennt die Autorin Božena Němcová.

In ihrem bekanntesten Werk Babička (deutsch Die Großmutter) schildert die in ihrem privaten Leben nicht sehr glückliche Schriftstellerin idealisiert ihre Kindheit in diesem Tal. Der Roman diente auch mehrfach als Filmvorlage, ist im deutschen Sprachraum aber wenig bekannt, wurde zuletzt 2008 verlegt und ist nur mehr antiquarisch erhältlich. Ich warte noch auf die Lieferung des Buches, um die Geschichte der gütigen Großmutter und fürsorglichen Fürstin Wilhelmine von Sagan auch lesen zu können.

Das landschaftlich schöne Tal der Aupa wurde deshalb nicht nur zum nationalen tschechischen Naturdenkmal erklärt, sondern auch als Großmuttertal (Babiččino údolí) bezeichnet. In Česká Skalice kann die Schule besichtigt werden und befindet sich ein Božena Němcová-Museum, im Tal finden sich einige Schauplätze des Romans, zum Beispiel die gerade restaurierte Mühle Ludrův mlýn. Würde man das Tal einige Kilometer flußaufwärts weiter wandern, so käme man an weiteren Schauplätzen und und zwei Burgruinen vorbei. Doch dazu war es mir an diesem Tag eindeutig viel zu heiß.


Schule von Česká SkaliceMühle in RatibořiceNationales tschechisches Naturdenkmal "Großmuttertal"
Wanderweg durchs Babiččino údolíWanderweg durchs Babiččino údolíDie Aupa im Großmuttertal



Hradec Králové (Königgrätz)

Schloss Opočno



Erst spät machte ich mich im Dunst der nächtlichen Gewitter auf zu einem Tagesausflug zum Schloss Opočno (deutsch Opotschno), in der gleichnamigen Gemeinde gelegen. Dieses Schloss wurde über die Jahrhunderte von Familien bewohnt, die großen Einfluss auf die Geschicke Böhmens hatten.

Schon aus 1068 wird eine Burg erwähnt, die sich im Besitz der Přemysliden befand.

1495 gelangte die Herrschaft ins Eigentum der Herren Trčka von Leipa, die die Burg Mitte des 16. Jahrhunderts im Stil der Renaissance zum bis heute bestehenden Schloss umbauten. Die dreiflügelige Anlage öffnet sich zu einem Abhang hin, von dem man einen schönen Blick in die Landschaft genießt. Ganz fantastisch sind die dreigeschoßigen Arkaden, die auf den drei Seiten den Hof einfassen. Die Herrschaft dieser Familie endetet mit Adam Erdmann Trčka von Lípa, der als treuer Vertrauter von Wallenstein zusammen mit diesem 1634 in Eger ermordet wurde.

Der Besitz wurde vom Kaiser beschlagnahmtund an die neuen Eigentümer, die Fürsten Colloredo übergeben (zuerst Colloredo-Wallsee, später Colloredo-Mansfeld). Auch dieses Schloss wurde wie viele 1945 mit den Beneš-Dekreten vom Staat konfisziert und die Besitzer vertrieben. Die Ländereien wurden nach der demokratischen Wende restituiert, das Schloss blieb nach langen Prozessen in Staatsbesitz, die Gerichtsverfahren um die Ausstattung des Schlosses sind noch immer gerichtsanhängig.



Ein Faden spannt sich vom Schloss Ratibořice nach Opočno. Im Juni 1813 wurden hier die begonnenen Gespräche fortgesetzt, in denen der österreichische Staatskanzler Metternich, der preußische Staatskanzler Hardenberg und König Friedrich Wilhelm III. sowie der russische Zar Alexander I. das Bündnis (Konvention von Reichenbach) aushandelten, das schließlich zur Verbannung Napoleons I. Bonaparte nach der Völkerschlacht bei Leipzig auf die Insel Elba führte.



Und dass es sich lohnt, um die wertvolle Ausstattung des Schlosses zu kämpfen, ist durchaus verständlich. Vielen der Räume merkt man die Abstammung von einer Burg noch an, durch die wenigen Fenster gelangt wenig Licht ins Innere und sie wirken oftmals düster. Die Colloredos richteten die Räume in vielfältigen Stilen ein. Ein Rundgang durch die Räumlichkeiten ersetzt ein Lehrbuch der verschiedenen Stilrichtungen. Von gotisch-mittelalterlich-ritterlichem Ambiente bis hin zu verspieltem Rokkoko reicht die Vielfalt der Stile. Wertvoll und hochrangig ist die Gemäldesammlung, die die Fürsten hier im Schloss zusammentrugen und mit der sie viele Räume dekorierten. Anders als am Vortag in Ratibořice fehlt oft die stilsichere Eleganz, dafür wurde in diesem Schloss der immense Reichtum von Fürsten in absolutistischer Zeit zur Schau gestellt. Nicht wohnlich, aber sehr imposant. Und allein schon wegen der Bilder sehenswert.






Schloss Rychnov nad Kněžnou



Am Tag 3 meiner Reise in die Königgrätzer Region stand ein weiteres Schloss am Programm. Dazu fuhr ich in die hügeligen Ausläufer des Adlergebirges in die Bezirkshauptstadt Rychnov nad Kněžnou (deutsch Reichenau an der Knieschna). In dieser etwas abgelegenen Kleinstadt befindet sich die barocke Schlossanlage Schloss Rychnov nad Kněžnou. Nach wechselnden Vorbesitzern gelangte die Herrschaft 1640 in den Besitz der Grafen Kolowrat, die nach der Rückgabe des Schlosses 1992 bis heute dort wohnen, es für Führungen aber den Besuchern zugänglich machen.

Webseite: http://www.zamekrychnov.cz/de/




Auch die Kolowrats gehörten zu den Sammlern von Malereien, ein Rundgang durch die Schlossräumlichkeiten gleicht einer Galleriebesichtigung in prächtig ausgestattetem Rahmen. Lag der Schwerpunkt der Gemäldesammlung im Schloss Opočno vorwiegend auf Werken der Barockzeit, so reicht der Sammlungsbestand in Rychnov teilweise noch weiter zurück. Es ist schwierig, beim Betrachten der fantastischen Gemälde die Raumwirkung der Schlossräumlichkeiten ebenso im Auge zu behalten.




Oberhalb des Schlosses findet sich die um 1600 errichtete spätgotische Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit. In der Barockzeit wurde die Fassade neu gestaltet. Erbaut wurde sie vom damaligen Schlossherren für die aus der Hussitenbewegung hervorgegangenen Böhmischen Brüder, diese religiöse Bruderschaft hatte aber nur kurzen Bestand. Seitlich der Eingangshalle besteht die Lorettokapelle, in der noch Reste der ursprünglichen Wandfresken erhalten sind.



Am Kirchengelände steht abseits der Glockenturm, ebenso um 1600 erbaut, allerdings im Renaissancestil. Er beherbergt die drittgrößte läutbare Glocke Tschechiens, in Königrätz im Weißen Turm hängt die zweitgrößte. Die größten Glocken Tschechiens sind

  1. Glocke Zikmund im Prager Veitsdom
  2. Glocke Augustin in Hradec Králové (Königgrätz)
  3. Glocke Kryštof hier in Rychnov nad Kněžnou



Gerne hätte ich nach den Besichtigungen noch länger im gepflegten Schlosscafe die schönen Eindrücke nachschwingen lassen, doch eine eher ungünstige Bahnverbindung zwingt mich zum zeitigen Aufbruch zurück nach Königgrätz. Dafür bleibt mir dort ausreichend Zeit, nochmals in die Stadt zu fahren und die Bilder vom Weißen Turm zu machen, den ich bisher noch nicht bestiegen hatte, bevor ich nach den schönen Tagen endgültig wieder heimwärts fahre.

Eine neue, für mich geografisch abgelegenere Gegend konnte ich besichtigen. Auch wenn ich neben der Regionshaupstadt, einem wieder sehr angenehmen Hotel und auch Zeit zum Entspannen drei Schlösser besichtigen durfte, so ist die Region Königgrätz damit keineswegs abgehakt. Im Gegenteil, es gibt dort noch einiges zu bestaunen, ich freue mich schon auf eine Wiederkehr.








2017/06/25 09:00 · hfrank



Zwei Schlösser bei Zlín und eine etwas andere Stadt



Schloss Vizovice


Schloss Vizovice, HofseiteSchloss Vizovice, HofseiteSchloss Vizovice, Hof


Biegt man von der Ebene, die die March geschaffen hat, bei Otrokovice ins Seitental ab, das der Bach Lutoninka in der Hügellandschaft des Wisowitzer Berglands geformt hat, so kommt man am Talende, fast schon an der Ostgrenze Mährens ins Dorf Vizovice. Lange war das eine unsichere Grenzregion, die Hussitenkriege und Einfälle der Ungarn sorgten Beispielsweise dafür, dass ein Zisterzienserkloster nur vom 13. bis ins 15. Jahrhundert Bestand hatte und danach in Ruinen lag.

Um 1750 erweckte der spätere Bischof von Königgrätz, Hermann Hannibal von Blümegen, die Ortschaft. Er ließ ein vom französischen Barock inspiriertes Schloss errichten. Den Architekten Franz Anton Grimm kannn man übrigens in Brünn besuchen, wo seine Mumie in der Kapuzinergruft erhalten ist. Nach der Adelsfamilie von Blümegen ging der Besitz an die Herren von Stillfried über.


Schloss VizoviceSchloss VizoviceSchloss VizoviceSchloss Vizovice
Schloss VizoviceSchloss Vizovice, SchlossparkSchloss Vizovice, Schlosspark


Ein schönes Schloss hatte ich mir da wieder für einen Besuch ausgesucht. Bei den Führungen durch das Schlossgebäude ist unter anderem eine riesige Fülle an hochwertigen Gemälden zu bewundern, die einstigen Besitzer haben ihre umfangreiche Kunstsammlung über die vielen Räumlichkeiten verteilt. Wieder einmal will ich aber auch die vielen kleinen Dekorationsdetails erwähnen, die oftmals vielleicht gar nicht so sehr in Auge springen, aber den Raumeindrücken einen sympathischen letzten Schliff geben. Seien es Schalen mit Nüssen oder Blumenarrangements auf Tischen, ein auf einem Stuhl abgelegter Mantel und Hut, bewusst platzierte alte Zeitungen, diese Details schaffen wesentlich mit die Atmosphäre, gerade soeben hätten die Bewohner nur kurz den Raum verlassen. Dabei wurden sie wie viele adelige Großgrundbesitzer bereits 1944 enteignet.

In den Jahren zuvor gab es in dieser Gegend bereits fürchterliche Vorkommnisse. Jäger der SS waren im Schloss einquartiert, um die in den Hügeln des Grenzlandes operierenden Partisanen zu bekämpfen. Schlimm traf das die Bewohner umliegender Weiler, die zwischen die Fronten gerieten. Von den Untergrundkämpfern zur Unterstützung genötigt, wurden sie von den deutschen Besatzern wegen Kollaboration vefolgt. Einige Ortschaften, wie beispielsweise Ploština wurden in Vergeltungsktionen vollständig ausgelöscht, nachdem die Einwohner ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht ermordet worden waren.

Dieser Schatten der Geschichte ist bei einem Rundgang durch die Schlossräumlichkeiten nicht sichtbar, noch weniger bei einem Spaziergang im großen Landschaftspark, der neben dem Schloss angelegt wurde und in dem das Sommerlicht seine Schatten wirft. Gut gefallen hat mir im Schloss auch die Tatsache, dass neben den prunkvoll ausgestatteten Räumlichkeiten der adeligen Besitzer einige Räume auch den Lebensumständen und den Arbeitsbedingungen des dienenden Personals gewidmet sind, jenen Menschen also, die möglichst unsichtbar hinter den Tapetentüren dafür sorgten, dass es den feinen Herren und Damen nicht an Komfort mangelte. Verwöhnt wurde ich auch, in der Chocolaterie beim Schloss.


Schloss VizoviceSchloss VizoviceSchloss Vizovice
Schloss VizoviceSchloss VizoviceSchloss Vizovice


Schloss VizoviceSchloss VizoviceSchloss Vizovice
Schloss Vizovice, SchlosskapelleSchloss Vizovice, Zimmer eines Dieners, jederzeit bereit auf Glockenruf zu seinem Herren zu eilenAusklang nach der Besichtigung



Stadt Zlín


Es hätte dem entspannten Tag sehr geschadet, wenn ich nach der Besichtigung des Schlosses noch an die Heimfahrt hätte denken müssen. Anders als auf der vielbefahrenen Bahnstrecke nach Brünn verkehren auf der östlichen Trasse Richtung Warschau nur wenige direkte Zugverbindungen ab Wien, Umsteigen mit Wartezeiten machte die Anreise etwas umständlicher. So suchte ich also nach einer Stadt, in der ich wieder einen netten Abend und die Nacht verbringen konnte. Die Entscheidung war ziemlich klar, wer hat schon von der immerhin fast 80 000 Einwohner zählenden Stadt Zlín gehört?

Wenn du jetzt wieder auf einen der romantischen Altstadtplätze wartest, einen solchen gibt es hier nicht. Das Stadtzentrum besteht aus ehemalige Fabrikshallen. Ich habe mich im besten Hotel der Stadt einquartiert, dem Interhotel Moskva. Ich muss zugeben, etwas skeptisch war ich auch angesichts dieser Vorgaben. Doch es war gar nicht schlimm, sogar sehr interessant und auf seine Art sogar sehr schön, wenn man die Entwicklung dieser Stadt erst einmal in Erfahrung gebracht hat und die Hintergründe dieser seltsam anmutenden Stadtanlage versteht.


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Viele der Fassaden sind ähnlich, graue Betonrahmen wurden mit roten Klinkerziegeln ausgefüllt und je nach Verwendungszweck des Bauwerks mit unterschiedlichen Fenstern versehen. Diese Architektur stammt nicht aus kommunistischer Zeit, sondern reicht weiter zurück. Wir begeben uns in die frühen Jahre des 20. Jahrhunderts, die Habsburger Monarchie ging gerade ihrem Ende entgegen. Ford baute in Amerika Autos am Fließband, doch wenn in unseren Ländern jemand Schuhe benötigte, so ließ er diese als Einzelanfertigung beim Schuster herstellen und diese wertvolle Investition danach oftmals reparieren und flicken. So war es für den aus einer Schuhmacherfamilie stammmenden Tomáš Baťa (Thomas Bata) klar, dass die industrielle Revolution auch die Schuhherstellung umkrempeln sollte. In Zlín begann er mit der Massenproduktion von Schuhen. Immer modernere Maschinen, effizientere Arbeitsteilung und der Einsatz billigerer Materialen (z.B. Leinen) anstatt des teuren Leders sorgten für immer billiger herzustellende Schuhe. Erstmals wurden Schuhe nun auch im Einzelhandel angeboten, zu den 9er-Preisen wie wir sie auch heute noch kennen (“ein Paar leichter Sommerschuhe um nur 9,90.-”), beworben in Zeitungsinseraten und Kinotrailern. Diese am Schuhsektor neuartige Vorgangsweise sorgte für ein enormes Wachstum. Hatte Zlín zu Beginn dieser Entwicklung nur 3000 Einwohner, so waren um 1930 bereits über 30 000 Arbeiter in den Fabriken tätig.


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Die Stadt war zum Weltzentrum des Schuhexports geworden. Der Unternehmer Bata musste nicht nur Produktionsstätten errichten, sondern wegen des sprunghaften Bevölkerungsanstiegs auch gleich eine ganze Stadt gestalten. Im Zentrum der neuen Stadt befanden sich die Werkshallen. Um den breiten Grünstreifen, der die Fabrikshallen umgiebt, wurden Sozial- und Freizeiteinrichtungen gebaut, Kaufhäuser, Schulen, Lehrlingsheime, ein Krankenhaus, das damals größte Kino Europas, Schwimmbäder, Sporthallen usw. Für die in Zlín allgegenwärtige architektonische Gestaltung sorgte die rasche und kostengünstige Fertigung der Gebäude als Stahlbetonskelette, die dann ihrem Zweck entsprechend ausgkleidet wurden. Kennengelernt hatte Tomáš Baťa diese Methode in Chicago, wo auf diese Art Wolkenkratzer aufgezogen wurden. Dieses Vorgehen wurde übernommen, ob Büro, Hotel oder Fabrik, alles wurde in einem Stahlbetongerüst, eine Einheit hatte immer 20 amerikanische Fuß (6,15 m), untergebracht. In alle Richtungen wuchsen Wohnsiedlungen mit viel Grünraum, natürlich ebenfalls von Bata finanziert. Die Stadtplanung stammt u.a. von Le Corbusier.

Es handelt sich bei Zlín also um die erste realisierte Planstadt im Stil des Funktionalismus, aufgezogen in den 1920er- und 1930er Jahren.


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Exportiert wurde weltweit, die Rohstoffe wurden weltweit eingekauft, Zlín stieß an Wachstumsgrenzen. So wurden nach dem Muster dieser tschechischen Stadt in den Niederlanden (Batadorp), in England (East Tilbury, Essex), der Schweiz (Bata Park Möhlin), in Frankreich (Bataville) in Kanada (Batawa), in Indien (Batanagar) und in Brasilien weiter Firmenstädte gebaut. Ein globaler Konzern war in nur wenigen Jahrzenten entstanden. Zum Transport der Waren wurden Schiffe gekauft, Flugzeuge stellte man sogar selbst her (Flugzeugbau Zlín). Die beiden Weltkriege waren dem Konzern sogar durchaus wirtschaftlich zuträglich, die Truppen aller Kriegsparteien wurden mit Stiefeln made by Bata ausgestattet. Der Firmengründer Tomáš Baťa war 1932 bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen, sein Bruder Jan Antonín Baťa und später sein Sohn führten die Expansion weiter. Gegen Gewerkschaften wehrte sich die Firmenleitung, ob es sich aber um puren unternehmerischen Kaptialismus handelte, oder die allumfassende, auch mit strengen Regeln für die Beschäftigten einhergehende soziale Fürsorge des Unternehmens sogar vorbildlich war, darüber wird immer noch diskutiert.

Die Verstaatlichung unter der kommunistischen Periode hatten für Zlín große Auswirkungen. Die Stadt wurde nach dem Präsidenten Klement Gottwald in Gottwaldov umbenannt, erst 1990 folgte die Rückbenennung. Viele der erfolgreichen tschechoslowakischen Filmproduktionen entstanden in den Studios, die der Schuhkonzern für seine Werbefilme gegründet hatte. Die Schuhproduktion lief unter der Marke Svit weiter. Der weltweit operierende Bata-Konzern konnte auf seine tschechische Niederlassung inzwischen leicht verzichten, er steht bis heute in Familienbesitz und gehört zu den größten Schuhproduzenten weltweit, der allein in 26 Ländern produziert.

Hart getroffen wurde die Produktion in Zlín aber von der Wende, man war im Umfeld der Marktwirtschaft nicht konkurrenzfähig und musste die Werke schließen. Zlín stand vor einem Desaster, marode Fabrikshallen ohne Zukunft als Herz der Stadt. Das ist genau das triste Szenario, das ich irgendwie vor Augen hatte, als ich das erste Mal auf die Stadt Zlín stieß.


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Davon ist aber erfreulicherweise heute nur mehr wenig zu bemerken. Einige der Hallen wurden restauriert und eine hochkarätige Technische Universität angesiedelt (Tomáš-Baťa-Universität, wie sonst). Inzwischen gilt Zlín als eines der Zentren in der Tschechischen Republik, wo Zukunftstechnologien hergestellt werden, angesiedelt ebenfalls in den ehemaligen Schuhproduktionsstätten. Andere Fabrikshallen wurden zu Museen umgestaltet, mit viel Aufwand wurde ein modernes Stadtbild geschaffen, das aber klar seine industriellen Ursprünge hoch hält und nicht von ungefähr etwas amerikanisch wirkt. Abends locken viele Kaffees und Lokale die jungen Studierenden, ich habe die Stadt als recht bunt und lebhaft erlebt. Mir hat es gut gefallen, eine spannende Stadt, die einen neuen Aufbruch geschafft hat.


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Ein besonderer Besuchermagnet ist das 1938 eröffnete 16-stöckige Hochhaus 21 (nach amerikanischem Straßenraster benannt), einst die Firmenzentrale des Weltkonzerns, das zweithöchste gebaute Hochhaus Europas vor dem 2. Weltkrieg. Es wurde in den letzten Jahren sorgfältig saniert und dient der lokalen Kreisverwaltung. Im Erdgeschoss ist das originale Chefbüro zu besichtigen, untergebracht in einem klimatisierten Aufzug, der Boss konnte damit die Abteilungen seines Unternehmens anfahren. Von der Dachterrasse hat man einen großartigen Ausblick auf die Stadt und die umliegenden Wohnviertel mit der bewegten Geschichte. Bei einigen Gläsern Wein ließ sich über die Revolution sinnieren, die es von hier ausgehend ermöglichte, dass wir alle mehr als ein Paar Schuhe im Schrank haben und das nicht einmal als Luxus empfinden. Als kleinen Luxus sehe ich aber meine Möglichkeit, hier oben bei Sonnenschein und angenehmen Wind den Blick über die Stadt schweifen lassen zu können, während anderswo mühsam meine Schuhe gefertigt werden.


Die nächsten drei Bilder zeigen die dürftigen Reste, die von der Ortschaft vor der Industrialisierung übrig sind, das Schloss und zwei Gebäude am alten Hauptplatz.

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Übrigens, auch das Hotel Moskva am Hang über der Firmenzentrale stammt aus der Zeit der Hochblüte des Baťa-Firmenimperiums. Es wurde als Gästehaus für die zu Besuch nach Zlín gereisten Geschäftspartner errichtet. Auch diese Haus wurde nach der Wende modernisiert und bietet einen modernen gehobenen Standard, der jenem westlicher Metropolen um nichts nachsteht. Ich entschuldige mich also für die aufgekommenen Vorurteile, Zlín ist zwar anders, aber jedenfalls einen Besuch wert.


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Weiterführende Links mit Filmen zur Stadtgeschichte:



Schloss Lešná


Schloss LešnáSchloss LešnáSchloss Lešná
Schloss LešnáSchloss LešnáSchloss Lešná


Am nächsten Tag hatte ich als Ziel Schloss Lešná (deutsch Leschna) ausgewählt (nicht zu verwechseln mit einem zweiten Schloss gleichen Namens). Die Anfahrt ist praktisch, liegt es nur 7 km nordöstlich von Zlín in der Freistadtler Senke (Fryštácká brázda). Die Grafschaft Fryšták (Freistadt), zu der es gehört, wurde 1724 von den Grafen von Seilern erworben. Das Schloss mit seinen vielen Türmchen wurde erst um 1890 erbaut. Das merkt man an der Innenausstattung, die sich mit seinen reichen Schnitzereien zwar an klassischen Vorbildern orientiert, zugleich aber auch den Stand der damaligen Technik integrierte, so gehörten Zentralheizung und Badezimmer mit Fließwasser zur Ausstattung.


Schloss LešnáSchloss LešnáSchloss Lešná
Schloss LešnáSchloss LešnáSchloss Lešná
Schloss LešnáSchloss LešnáSchloss Lešná


Schloss LešnáSchloss LešnáSchloss Lešná
Schloss LešnáSchloss LešnáZoo Zlín


Der Auftraggeber des Schlossbaus, Josef von Seilern und Aspang gehörte zu den anerkanntesten Vogelkundlern seiner Zeit, seine Sammlung an Vogeleiern erreichte fast 50 000 Exemplare. Im Gelände um das Schloss legte er einen Tierpark an, der bereits damals im frühen 20. Jhdt. zeitweise öffentlich zugänglich war. Die Grafen von Seilern wurden zwar 1945 enteignet und vertrieben, der Zoo (http://www.zoozlin.eu/) blieb aber bestehen und wurde auf eine sehr modernes Niveau gebracht. Nach der Besucherzahl ist es der zweitgrößte Zoo Tschechiens. In einem Rundweg durch das Gelände wandert man durch die Kontinente, die mit umfassenden Erklärungen und typischem Tierbestand repräsentiert werden. Ein Nachteil an den modernen großzügigen Gehegen ist, dass sich die Tiere wunderbar verstecken können, auch vor den Besuchern, so sind viele der Freiflächen scheinbar leer, nur zur Fütterungszeit kommen die Bewohner aus ihren Unterschlüpfen. Welche Unmenge an Tafeln, viele davon mit Ver- und Geboten, es in dem Zoo gibt wurde mir deshalb bewusst, weil sie nicht mehrsprachig sind und sich kaum eine davon mir erschloss. Übertretung habe ich offensichtlich keine begangen, denn nach einer Runde durch den Tierpark verließ ich ihn freiwillig, nach zwei schönen Tagen im östlichen Mähren blieb noch die Heimreise.


Zoo ZlínZoo ZlínZoo Zlín
Zoo ZlínZoo ZlínZoo Zlín
Zoo ZlínZoo ZlínZoo Zlín






2017/06/14 19:39 · hfrank


Altstadt von Dubrovnik



Einige der bedeutenden italienischen Seehandelsstädte der frühen Neuzeit konnte ich in den letzten Jahren besuchen. Da passte das auf der dalmatinischen Seite der Adria gelegene Dubrovnik ganz hervorragend dazu, das es als Ragusa mit seiner Flotte und geschicktem paktieren im Mittelmeerhandel zu großem Reichtum brachte. Ein paar gelungene Tage durfte ich jetzt dort verbringen und die Schönheit der Altstadt erkunden.

:!: Eine ausführlicherer Bericht findet sich im » Reisebericht Dubrovnik.


DubrovnikDubrovnik
DubrovnikDubrovnik





2017/05/19 20:33 · hfrank



Lucca - Toskana im Frühling


Im Süden ist es schon frühlingshaft warm. Das konnte ich bei einer schönen kurzen Reise nach Lucca und Pisa genießen.

:!: Eine ausführlichere Schilderung der schönen Tage findet sich im » Reisebericht Lucca.


Die Piazza dell'anfiteatro entwickelte sich aus dem römischen TheaterViele romanische Kirchen mit typischen vorgestellten Gallerien aus Carrara-Marmor
Piazza dei Miracolie mit Dom und Scheifem TurmBlick auf Pisa beim Heimflug





2017/04/15 13:22 · hfrank


Brünn - Kathedrale und Madonna von Veveří


Nicht als zwanghaftes Pflichtprogramm, sondern als wertvolle Liste für Anregungen ist mir die Auflistung der Nationalen Kulturdenkmäler Tschechiens untergekommen. Eine ganze Reihe davon habe ich ja schon besucht, einige der kulturellen Highlights möchte ich gerne noch bewundern. Als ich die Liste nun mit Augenmerk danach durchsah, was sich in meiner Nähe (von Wien aus rasch erreichbar) noch anbieten würde, kam ich auf ein spannendes Gemälde, das seit einem Jahr in Brünn zu sehen ist.

In Brünn war ich schon viele Male, in der St. Peter und Paul Kathedrale jedoch noch nie. Also bin ich unmittelbar nach Ankunft gleich auf den an der südlichen Ecke der Altstadt aufragenden Petrov-Hügel hinauf. Dort finden sich noch Reste der Befestigungsanlagen, die einst die Stadt schützend umgaben und an der Wende zum 20. Jhdt. geschleift wurden.


Kathedrale

Bereits im 12. Jhdt. wurde eine romanische Kirche am Hügel über der Stadt errichtet (die Krypta stammt noch von dieser Kirche), die im 14. Jhdt. zu einem gotischen Dom erweitert wurde. Im Dreißigjährigen Krieges konnte sich Brünn bis 1645 zwar erfolgreich gegen die belagernden Schweden verteidigen, allerdings nahm der Dom durch den Kanonbeschuss schweren Schaden, die Türme stürzten ein. Erst im 18. Jhdt. erfolgte eine grundlegende Erneuerung, erst bis 1909 wurden wieder neugotische Türme erbaut, die heute zu den charakteristischen Silouetten der Stadt gehören.


Brünn, Blick zur Festung SpielbergBrünn, Blick zur Festung SpielbergBrünn, Husova-Straße
Brünn, Aufgang zum Petrov-HügelKathedrale St. Peter und Paul in BrünnKathedrale St. Peter und Paul in Brünn
Kathedrale St. Peter und Paul in BrünnKathedrale St. Peter und Paul in BrünnKathedrale St. Peter und Paul in Brünn
Kathedrale St. Peter und Paul in BrünnKathedrale St. Peter und Paul in BrünnModell der romanischen Vorgängerkirche aus dem 12. Jhdt.


Wenn ich schon da war, so ließ ich mir den Ausblick von den Türmen nicht entgehen. Die Aussenbezirke ziehen den Blick nicht unbedingt auf sich, sie sind dominiert von eher trostlosen Wohnblocks. Der Stadtkern mit seinen Türmen und der Hügel Spielberg mit seiner Festung zeigen jedoch die lange Geschcihte der Hauptstadt Mährens.


Blick von der Kathedrale über BrünnBlick von der Kathedrale über BrünnBlick von der Kathedrale über Brünn
Blick von der Kathedrale über BrünnBlick von der Kathedrale über BrünnBlick von der Kathedrale über Brünn
Blick von der Kathedrale über Brünn
Blick von der Kathedrale über BrünnBlick von der Kathedrale über BrünnBlick von der Kathedrale über Brünn
Blick von der Kathedrale über BrünnBlick von der Kathedrale über BrünnBlick von der Kathedrale über Brünn
Kathedrale in BrünnKathedrale in BrünnKathedrale in Brünn
Kathedrale in BrünnKathedrale in BrünnKathedrale in Brünn


Diözesanmuseum Brünn

Direkt neben der Kathedrale, in einem kleinen hübschen, aber eher unscheinbaren Haus findet sich das Museum, das den unmittelbaren Anlass für meinen Ausflug lieferte. In dem Gebäude aus dem frühen 17. Jhdt. hat das Diözesanmuseum Brünn seinen Platz gefunden. Die kleine, aber modern und stimmungsvoll präsentierte Sammlung in den schönen alten Gewölben lädt zur intensiven Betrachtung der sakralen Kunstwerken aus Gotik bis Barock ein. Fotografieren im Inneren ist verboten.

Seit exakt einem Jahr plus zwei Tagen kann das Museum nun auch sein wertvollstes Kunstwerk zeigen, die Madonna von Veveří (dt. Madonna aus Eichhorn). Das vom mährische Markgrafen Johann Heinrich von Luxemburg, einem Bruder von Kaiser Karl IV. einer Kirche nahe der Burg Veveří gestiftete Bild wurde vor den Wirren des 2. Weltkriegs nach Prag verbracht und danach dort im Nationalmuseum ausgestellt. In einer Reihe von Gerichtsverfahren klagte die katholische Pfarre Eichhorn Bittischka (Veverská Bítýška) auf Eigentumsfeststellung, was schließlich auch vom Obersten Gerichtshof bestätigt wurde. Doch selbst danach weigerte sich die Nationalgalerie, das Bild herauszugeben, mit dem Hinweis, die kleine Pfarre könne die Sicherheit und konservatorischen Anforderungen an so eine hochwertiges Kunstwerk nicht gewährleisten. Das mag mit ein Grund dafür gewesen sein, dass das Diözesanmuseum so toll ausgebaut wurde, als Medienspektakel inszeniert wurde das Bild schließlich dorthin umgesiedelt, nachdem die Pfarre das Bild als Leihgabe dem Museum überlässt.


Diözesanmuseum Brünn neben der KathedraleDiözesanmuseum BrünnDiözesanmuseum Brünn


Madonna von Veveří


Die Madonna von Veveří wurde um 1350 von einem Künstler mit Nähe zum Prager Hof gemalt. Das Bild nimmt deutliche Anleihe an der strengen traditionellen byzantinischen Ikonenmalerei und ihrer Farbsymbolik, setzt sich jedoch darüber hinweg und verleiht so der Maria mehr an königlicher Würde, Lebendigkeit und intimer Nähe zu ihrem Kind. Aus der italienischen Malerei wurde die Symbolik des Distelfinks hinzugefügt.

Die hohe Kunstfertigkeit der Böhmischen Malerschule hatte Einfluss auf die Entwicklung der gotischen Malerei Zentraleuropas.


Madonna von Veveří - Quelle: Wikipedia, Public Domain, Photo von Wikipedia-User Ondraness
Madonna von Veveří
Quelle: Wikipedia, Public Domain,
Photo von Wikipedia-User Ondraness


Krautmarkt

Länger als eigentlich beabsichtigt hatte ich mich mit dem lohnenden Museumsbesuch aufgehalten, deshalb unterließ ich den Spaziergang durch die Stadt. Der Platz unterhalb des Petrov-Hügels präsentiert sich nach jahrelangen Bauarbeiten nun frisch gepflastert. Es ist auch wieder erkennbar, wieso er Krautmarkt benannt ist.


Durchblick zum KrautmarktKrautmarkt und RathausturmKrautmarkt und Rathausturm
KrautmarktKrautmarktKrautmarkt


Das Häuschen des Diözesanmuseums bewohnte im 17. Jhdt. der Olmützer Kardinal und mährische Reichsfürst Franz Seraph von Dietrichstein, während sein repräsentatives Palais erbaut wurde. Das Palais am Krautmarkt ist heute Hauptsitz des mährischen Landesmuseums.


Bei der KathedralePalais Dietrichstein, heute Mährisches Landesmuseum






2017/03/10 00:44 · hfrank

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