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Stadtgeschichte am Nationalfeiertag

Weniger der heutige Nationalfeiertag als das traumhafte Herbstwetter locken, die wohlige Stube zu verlassen und die Füße in Bewegung zu setzen. Ich will wieder einen Teil der Stadt entdecken, die im Alltag meist flott durcheilt wird, ohne einen Blick für die Schönheiten und interessanten Details übrig zu haben. Die Kamera ist ein guter Begleiter, denn ohne genaues Hinsehen gibt's auch keine brauchbaren Bilder. Ziele des Tages sind zwei der ältesten Kirchen Wiens und wieder einmal ein Friedhof.


Um zur Innenstadt zu gelangen, muss ich zuerst zum Donaukanal. Von der historischen Bausubstanz ist dort relativ wenig übrig, in den letzten Kriegstagen 1945 zogen sich die nationalsozialistischen Truppen in den zweiten Bezirk Richtung Donau zurück, während die sowjetischen Verbände bereits den 1. Bezirk (Innere Stadt) eingenommen hatten. Über den Donaukanal wurde beiderseits mit schwerer Artillerie geschossen, kaum ein Gebäude überstand diesen schweren Beschuss.


Deshalb steht am Morzinplatz heute auch ein Betonbau (dunkeloranger Bau im Bild) anstelle des Hotel Metropol. Dieses Luxushotel, noch in den 1930er Jahren bekannt für rauschende Feste und Bälle, wurde zum Hauptsitz der Gestapo und zum Sinnbild des Schreckens. Ein nüchternes Betondenkmal erinnert an die Opfer, die von den Verhören oft nicht wiederkehrten.

Moderne Bauten am DonaukanalMorzinplatz mit RuprechtskircheGedenken an die Opfer des Nationalsozialismus
Moderne Bauten am Donaukanal Morzinplatz mit Ruprechtskirche Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus



Ruprechtskirche (11. Jhdt.)

Die Ruprechtskirche ist die älteste der erhaltenen Kirchen Wiens. Sie wurde über den Resten des römischen Militärlagers Vindobonna errichtet, das sich im nordöstlichen Viertel des heutigen 1. Bezirkes befand. Bis zur Fertigstellung des Stephansdoms im 12. Jhdt. war sie die Pfarrkirche von Wien.

Zu ihren Namensgeber, dem Hl. Rupert kam sie in Zeiten des Salzmonopols, als die Salzschiffer am nahen Donaukanal, der damals noch ein Arm der unregulierten Donau war, ihre Fracht nach dem Entladen beim an die Kirche angebauten Salzamt anzeigen mussten. Rupert ist der Patron des Salzbergbaus und des Salzhandels. Das Salzmonopol wurde 1824 abgeschafft und das Amtsgebäude aberissen, Beschwerden werden dort aber noch immer zahlreich eingebracht (Sprichwort: “beschwer' dich beim Salzamt”).

Ruprechtskirche (11. Jhdt.)Ruprechtskirche (11. Jhdt.)Ruprechtskirche (11. Jhdt.)
Ruprechtskirche (11. Jhdt.)

Das genaue Jahr der Errichtung ist nicht bekannt, die ungleichmäßig angebrachten Fenster zeugen von Umbauten. Eine angefügte gotische Fassadengestaltung wurde wieder entfernt, so ist jetzt wieder der Bau purer Romanik zu sehen.

Ruprechtskirche (11. Jhdt.)Ruprechtskirche (11. Jhdt.)Ruprechtskirche (11. Jhdt.)
Statue des Hl. Rupert von Salzburg Ruprechtskirche (11. Jhdt.)

Einige weitere interessante Gebäude liegen nahe. Der Jüdische Stadttempel überstand als einziege Synagoge (von zuvor ca. 130!) die Zerstörungen 1938, es erschien als zu gefährlich ihn im dicht verbauten Gebiet in Brand zu setzen.

Als 1827 der nach dem Architekten benannte Kornhäuselturm mit seinen neun Wohngeschossen errichte wurde, galt er als Hochhaus. Der Schriftsteller Adalbert Stifter wohnte einige Zeit darin.

Jüdischer StadttempelKornhäuselturm (1827)Sterngasse, Blick zu Maria am Gestade
Jüdischer Stadttempel Kornhäuselturm (1827) Sterngasse, Blick zu Maria am Gestade



Hoher Markt

Weiter führt der Weg zum Hohen Markt. Sein Name als wichtiger Marktplatz grenzt ihn von den anderen Marktplätzen ab (Fleischmarkt, Fischmarkt, Tuchlauben, Wollzeile usw.).

Die Ankeruhr findet man dort, wo sich die asiatischen Touristen drängen. Die Spieluhr im Jugendstil wurde 1914 von der namensgebenden Versicherungsgesellschaft, die im Nebengebäude ihren Sitz hat, errichtet. Um 10:30 (am letzten Tag der Sommerzeit) tritt gerade Prinz Eugen ab und Kaiserin Maria Theresia und Franz Stephan von Lothrigen erscheinen. die Musik zur vollen Stunde habe ich nicht abgewartet.

AnkeruhrAnkeruhrFirmenzeichen
Ankeruhr Ankeruhr Firmenzeichen

Zentral steht der Vermählungsbrunnen mit der Josephsäule. Aus der Sorge von Kaiser Leopold I., sein Sohn Joseph (später Joseph I.) könnte vom pfälzischen Landau, das im Zuge des Spanischen Erbfolgekrieges 1702 belagert wurde, nicht mehr zurückkehren, stifte er die Säule, die später um die Brunnenanlage (Brunnen benötigen auch Wasserleitungen mit auseichend Wasser, und die gab's zur Errichtungszeit noch nicht) erweitert wurde. Die mittige Figurengruppe stellt die Vermählung von Joseph und Maria dar.

Der an einer Hausfassade aufgehängte Stein ist eines jener Geschosse, die 1683 von den türkischen Belagerern mit einem Mörser auf die Stadt geschossen wurde.

Vermählungsbrunnen (Josephsäule) am Hohen Markt)Vermählungsbrunnen (Josephsäule) am Hohen Markt)Türkisches Geschoß
Vermählungsbrunnen (Josephsäule) am Hohen Markt) Türkisches Geschoß

In der Wipplinger Straße befindet sich das Alte Rathaus, von 1316 bis 1885 Sitz der Stadtverwaltung. Die pompöse barocke Fassade stammt aus dem 18. Jhdt.

Altes Rathaus (1316) in der Wipplingerstraße)Altes Rathaus (1316) in der Wipplingerstraße)Altes Rathaus (1316) in der Wipplingerstraße
Altes Rathaus (1316) in der Wipplingerstraße



Judenplatz

Zu den schönsten geschlossene Plätzen der Stadt gehört sicherlich der Judenplatz. Vom 12. Jhdt. bis zu den Progromen und Vertreibung der Jahre 1420/21 befand sich hier das jüdische Ghetto mit einer Synagoge. Das gotische Jordan-Haus erinnert mit seiner Schmähschrift an diese grausamen Ereignisse.

Wohnhaus des Barockbaumeisters Fischer von ErlachJordan-Haus (14. Jhdt.) am JudenplatzJordan-Haus (14. Jhdt.) am Judenplatz
Wohnhaus des Barockbaumeisters Fischer von Erlach Jordan-Haus (14. Jhdt.) am Judenplatz

Im Jahr 2000 wurde nach langer Diskussion das Mahnmal und die Gedenktstätte an die jüdischen Opfer der Verfolgung errichtet. Wenn vielleicht auch kein Schmuckstück, so weist die nach aussen gewandte Bibliothek recht eindrucksvoll darauf hin, dass sich die Geschichte nicht noch einmal wiederholen möge.

JudenplatzMahnmahl fuer die juedischen Opfer der Shoa (2000) am JudenplatzMahnmahl fuer die juedischen Opfer der Shoa (2000) am Judenplatz
Judenplatz Mahnmahl fuer die juedischen Opfer der Shoa (2000) am Judenplatz

Eine Platzseite wird großteils vom mächtigen, mit seiner barocken Fassade aber nicht klotzig wirkenden Gebäude der ehemaligen Böhmischen Hofkanzlei aus dem 18. Jhdt. eingenommen. Heute befindet sich anstelle des “Innenministeriums für Böhmen” der Verwaltungsgerichtshof darin.

Böhmische Hofkanzlei (1714) am JudenplatzBöhmische Hofkanzlei (1714) am JudenplatzBöhmische Hofkanzlei (1714) am Judenplatz
Böhmische Hofkanzlei (1714) am Judenplatz
FassadendetailFassadendetail (Jugendstil)Hoflieferant
Fassadendetail Fassadendetail (Jugendstil) Hoflieferant



Maria am Gestade (14. Jhdt.)

Innenhof mit PawlatschengängenHäuser neben Maria am Gestade)Erinnerung an die Donauschiffer
Innenhof mit Pawlatschengängen Häuser neben Maria am Gestade Erinnerung an die Donauschiffer

Neben der Ruprechtskirche zählt Maria am Gestade zu den ältesten Wiener Kirchen. Auch sie erhebt sich über römischen Resten, lag, wie der Name verrät, an einem Donauarm und das exakte Jahr ihrer Gründung ist ebenso unbekannt. Um 1350 wurden Turm und Chor im Stil der Gotik umgebaut, 50 Jahre später folgte eine Erneuerung des Langhauses.

Maria am Gestade (14. Jhdt.)Maria am Gestade (14. Jhdt.)Maria am Gestade (14. Jhdt.)
Maria am Gestade (14. Jhdt.)
Maria am Gestade, Dekoration über dem HauptportalMaria am Gestade, Figurengruppe beim Hauptportal
Maria am Gestade, Dekoration über dem Hauptportal Maria am Gestade, Figurengruppe beim Hauptportal

Zumindest teilweise waren auch jene Baumeister und Steinmetze am Werk, die auch am Neubau des ungleich größeren Stephandoms beschäftigt waren.

Die Säulenfiguren im Inneren stammen aus der Werkstätte der Minoritenkirche, und der Baldachin über dem Hauptportal wird den Künstlern des Prager Veitsdoms zugeschrieben.

Heute stellt die Marienkirche ein stimmiges und wunderschönes Gesamtwerk der Gotik mit reichem Schmuck dar.

Maria am Gestade, Dekoration über dem HauptportalMaria am Gestade, Figurengruppe beim SeitenportalWasserspeier
Maria am Gestade, Dekoration über dem Hauptportal Maria am Gestade, Figurengruppe beim Seitenportal Wasserspeier

Es ist keine optische Täuschung, Chor und Haupthaus sind tatsächlich unterschiedlicher Breite und zueinander leicht abgeknickt. Gelände und Bausituation des 14. Jhdts. erzwangen diese Ausführungsform.

Gotischer Innenraum von Maria am Gestade (14. Jhdt.)Gotischer Innenraum von Maria am Gestade (14. Jhdt.)Gotischer Innenraum von Maria am Gestade (14. Jhdt.)
Gotischer Innenraum von Maria am Gestade (14. Jhdt.)

Seit dem Jahr 1862 befinden sich in der Kirche auch die Gebeine von Klemens Maria Hofbauer, einem der Wiener Stadtpatrone.

Vor der Kirche fällt das Gelände von der Stadtterasse zur von Donau und Zuflüssen (Ottakringer Bach, Alserbach) abgegrabenen tieferen Umgebung ab, eine Treppenanlage überwindet dieses Gefälle. Daher auch der Beiname der Kirche Maria Stiegen.

An der Stelle, an der bereits eine Brücke der römischen Limesstraße die Bäche überquerte befindet sich die Hohe Brücke mit der Wipplinger Straße.

Reliquie des Clemens Maria HofbauerMaria am Gestade (14. Jhdt.) wird auch Maria Stiegen genanntTiefer Graben und Hohe Bruecke
Reliquien des Clemens Maria Hofbauer Maria am Gestade (14. Jhdt.) wird auch als Maria Stiegen genannt Tiefer Graben und Hohe Bruecke



Altes Börsengebäude (1877)

Der Architekt Theophil Hansen fand bereits an anderer Stelle Erwähnung. An einem seiner Ringstraßenbauten komme ich vorbei. Das im Neorenaissance-Stil ausgeführte Gebäude der Wiener Börse wurde 1877 eröffnet. Die mit Schmuckziegeln gestaltete Fassade stellt einen der Höhepunkte der gründerzeitlichen Ziegelproduktion dar. Seit 2000 erfolgt der Börsenhandel nur mehr elektronisch, das Gebäude verlor seinen Zweck und wurde verkauft.

GründerzeitfassadenAltes Börsengebäude (1877)Altes Börsengebäude (1877)
Gründerzeitfassaden Altes Börsengebäude (1877)
Altes Börsengebäude (1877))Altes Börsengebäude (1877)Schottenring
Altes Börsengebäude (1877) Schottenring

Mit der Überquerung des Schottenrings verlasse ich den 1. Bezirk und gelange in den 9. Bezirk, auf den Alsergrund.



Rossauer Kaserne (1869)

Vorbei geht's an der Rossauer Kaserne. Sie ist eine der drei als Folge der (gescheiterten) Revolution von 1848 errichteten Kasernen, die weniger der Abwehr eines äußeren Feindes als zur vorsorglichen Verfügbarkeit ausreichender Truppen im Falle von Aufständen und Unruhen in der Stadtbevölkerung dienen sollten. (Die größte dieser Kasernenbauten, das Arsenal mit dem Heeresgeschichtlichen Museum habe ich erst kürzlich besucht.) Die Rossauer Kaserne dient auch heute noch Polizei und Bundesheer als Standort.

Rossauer Kaserne (1869)Rossauer Kaserne (1869)Rossauer Kaserne (1869)
Rossauer Kaserne (1869)
Alte Straßenschilder)Blümchen im ParkBlümchen im Park
Alte Straßenschilder Blümchen im Park



Strudelhofstiege (1910)

Am Weg kreuze ich die Berggasse, die daher bekannt ist, weil der Psychoanalytiker Sigmund Freud hier seinen letzten Wohnsitz (heute Freud-Museum) hatte, bevor er 1938 nach London emmigrieren musste.

Siegmund Freud Wohnhaus in der BerggasseFassadenStrudelhofstiege (1910)
Siegmund Freud Wohnhaus in der Berggasse Fassaden Strudelhofstiege (1910)

Nur ein kleiner Abstecher bringt mich zur Strudlhofstiege. Wie vor der Kirche Maria am Gestade ist es auch hier eine von einem früheren Donauarm erzeugte Geländestufe, die überwunden werden muß. 1897 wurde die Treppenanlage im damals modernen Jugendstil errichtet.

Bekanntheit erlangte die Stiege mit dem 1951 erschienen Roman Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre des Schriftstellers Heimito von Doder, den ich allerdings noch nie gelesen habe.

Strudelhofstiege (1910)Strudelhofstiege (1910)Strudelhofstiege (1910)
Strudelhofstiege (1910)



Gartenpalais Liechtenstein (1711)

Hier in der “Vorstadt” ließen die Fürsten von Liechtenstein im 18. Jhdt das barocke Gartenpalais Liechtenstein errichten, es befindet sich bis heute in ihrem Besitz. Das Palais war von Anfang an nicht als Wohnsitz konzipiert (der befand sich im Stadtpalais), sondern als Ort der Präsentation und für Festlichkeiten. Schade, dass 2010 das Musem geschlossen wurde und es seither nur gelegentlich öffentlich zugänglich ist, die Räumlichkeiten und die Gemäldegallerie sind wirklich äußerst beeindruckend.

Palais Liechtenstein (1711)Palais Liechtenstein (1711)Palais Liechtenstein (1711)
Palais Liechtenstein (1711)



Jüdischer Friedhof Rossau (1540-1783)

Endpunkt des Spaziergangs ist wieder einmal ein Friedhof, diesmal der Jüdische Friedhof Rossau, bekannt auch als Friedhof Seegasse. Im Grunde handelt es sich um einen sehr alten Friedhof, der aber durch seine wechselvolle Geschichte sehr gelitten hat. Bestattungen fanden hier von 1540 bis 1783 statt, aus dieser Zeit stammen auch die Grabsteine mit ausschließlich hebräischen Inschriften. Aus Sorge, die Ruhestätte könnte durch judenfeindlichen Aktionen in seinem Bestand gefährdet sein, wurde 1670 gegen eine hohe Geldzahlung die Erhaltung an die Gemeinde Wien übertragen. Kaiser Joseph II. ließ 1783 alle innerhalb des Linienwalls gelegenen Friedhöfe schließen und außerhalb neue anlegen. Alle christlichen Friedhöfe verschwanden (eine Ausnahme ist der St. Marxer Friedhof), der Rossauer Friedhof blieb wegen der jüdischen Bestattungsvorschriften erhalten, Beerdigungen fanden aber nur mehr am damals neuen (heute verwilderten und abgeschlossenen) Jüdischen Friedhof Währing statt. Erst während der nationalsozialistischen Diktatur wurde die Zerstörung des Friedhofs beschlossen. Ein Teil der (einst ca. 900) Grabsteine ging verloren, andere wurden zum Teil hier am Friedhof und teilweise auch am Zentralfriedhof vergraben (als Rettungsaktion der jüdischen Verwaltung oder als NS-Zwangsarbeit, beide Varianten sind nachzulesen).

Jüdischer Friedhof Rossau (1540-1783)Jüdischer Friedhof Rossau (1540-1783)Jüdischer Friedhof Rossau (1540-1783)
Jüdischer Friedhof Rossau (1540-1783)Jüdischer Friedhof Rossau (1540-1783)Jüdischer Friedhof Rossau (1540-1783)
Jüdischer Friedhof Rossau (1540-1783)

Erst spät nach dem Krieg hat die Gemeinde Wien ihre 1670 übernommene Pflicht wieder anerkannt und begonnen, den Friedhof zu sanieren. Wesentlich für die Arbeit der Archäologen ist ein 1917 angefertigter Plan der Grabstätten. Die Grabungen nach im Erdreich verborgenen Grabsteinen und die Instandsetzung sind noch nicht abgeschlossen und dauern an.

Eine meinem Empfinden nach bizarre Symbolik stellt der Umstand dar, dass sich der Friedhof heute im Hof eines Pensionistenheims befindet, durch das auch der Zugang erfolgt. Auf der Rasenfläche dicht aufgestellte Grabsteine wirken eigenartig unpassend, nur im hinteren Teil mit einigen Bäumen stimmt die Atmosphäre eines Friedhofs annähernd.

Nachdem ich übrigens gelesen habe, dass jüdische Friedhöfe nur mit Kopfbedeckung betreten werden dürfen, habe ich eine Kappe mitgebracht.

Jüdischer Friedhof Rossau (1540-1783)Jüdischer Friedhof Rossau (1540-1783)Jüdischer Friedhof Rossau (1540-1783)
Jüdischer Friedhof Rossau (1540-1783)Jüdischer Friedhof Rossau (1540-1783)Jüdischer Friedhof Rossau (1540-1783)
Jüdischer Friedhof Rossau (1540-1783)



Ein Nationalfeiertag mit etwas Heimatkunde abseits der bekannten Attraktionen, dort tummeln sich an einem solchen Tag eh die Massen. Und hätte ich weniger Fotos geschossen, gäbe es weniger Nacharbeit.