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In und um Königgrätz



Schloss Ratibořice


Welch ein feines Schlösschen habe ich mir da erwandert. Nach der relativ langen Anreise in die Königgrätzer Region nördlich von Pardubice marschierte ich die letzten schwach 5 km von der Kleinstadt Česká Skalice (deutsch Böhmisch Skalitz) durchs Tal des Baches Úpa (deutsch Aupa) hinein. Auf einem vorspringenden Hügel steht man dann vor dem bezaubernden Schloss Ratibořice (deutsch Ratiborschitz). Es ist keine prunkvolle riesige Schlossanlage, sondern eher eine stilvolle Landvilla. Während die Verwaltung der Herrschaft Nachod, zu der Ratibořice gehört, dort im aus einer Burg hervorgegangenen Schloss angesiedelt war, bevorzugten viele der Landesherren dieses luftigere Haus als ihren Hauptwohnsitz.

Auch hier befand sich eine Burg, die allerdings verfallend abgetragen wurde und 1708 das Schloss im Stil einer barocken Landvilla errichtet wurde. 1798 wurde die Grafschaft Nachod vom Adelsgeschlecht der Biron von Curland erworben, besonders die lebenslustigen Damen dieser Familie prägten für die nächsten Jahrzehnte das gesellschaftliche Leben im Schloss. Besonders Wilhelmine von Sagan wird erwähnt, die oft mit ihrem Liebhaber, dem österreichischen Staatskanzler Fürst Metternich hier weilte. Dieser nutze das Schloss aber auch für diskrete politische Treffen, beispielsweise wurde in einem Treffen mit Zar Alexander I. das gemeinsame Vorgehen gegen Napoleon I. vorabgesprochen.


Schloss RatibořiceSchloss RatibořiceSchloss Ratibořice
Schloss RatibořiceSchloss RatibořiceSchloss Ratibořice
Schloss RatibořiceSchloss RatibořiceSchloss Ratibořice
Schloss RatibořiceSchloss RatibořiceSchloss Ratibořice
Schloss RatibořiceSchloss RatibořiceSchloss Ratibořice


Im Jahr 1842 wurde das Schloss samt fürstlicher Herrschaft Nachod an die Familie Schaumburg-Lippe verkauft, die Ratibořice gerne bis zur Enteigunung 1945 bewohnte, beispielsweise wuchs die letzte Königin von Württemberg, Charlotte zu Schaumburg-Lippe hier auf. Aus dem 19. Jhdt. stammt auch die sehr schöne Innenausstattung, die nicht überladen geschmackvolle Eleganz vermittelt.


Schloss RatibořiceSchloss RatibořiceSchloss Ratibořice
Schloss RatibořiceSchloss RatibořiceSchloss Ratibořice


Schloss RatibořiceSchloss RatibořiceSchloss Ratibořice
Schloss RatibořiceSchloss RatibořiceSchloss Ratibořice


Babiččino údolí (Großmuttertal)


Babička-Denkmal in RatibořiceBabička-Denkmal in RatibořiceBabička-Denkmal in Ratibořice
Babička-Denkmal in RatibořiceBabička-Denkmal in RatibořiceBabička-Denkmal in Ratibořice


Viele Besucher kommen aber nicht wegen der adeligen Bewohner ins Tal, sondern wegen der Tochter des im Schloss Ratibořice angestellten Kutschers, die in Česká Skalice auch die Schule besuchte. In Wien als Barbara Betty Novotná geboren, erlangte sie als Schriftstellerin der tschechischen Nationalbewegung große Bekanntheit, jedes tschechische Schulkind kennt die Autorin Božena Němcová.

In ihrem bekanntesten Werk Babička (deutsch Die Großmutter) schildert die in ihrem privaten Leben nicht sehr glückliche Schriftstellerin idealisiert ihre Kindheit in diesem Tal. Der Roman diente auch mehrfach als Filmvorlage, ist im deutschen Sprachraum aber wenig bekannt, wurde zuletzt 2008 verlegt und ist nur mehr antiquarisch erhältlich. Ich warte noch auf die Lieferung des Buches, um die Geschichte der gütigen Großmutter und fürsorglichen Fürstin Wilhelmine von Sagan auch lesen zu können.

Das landschaftlich schöne Tal der Aupa wurde deshalb nicht nur zum nationalen tschechischen Naturdenkmal erklärt, sondern auch amtlich als Großmuttertal (Babiččino údolí) bezeichnet. In Česká Skalice kann die Schule besichtigt werden und befindet sich ein Božena Němcová-Museum, im Tal finden sich einige Schauplätze des Romans, zum Beispiel die gerade restaurierte Mühle Ludrův mlýn. Würde man das Tal einige Kilometer flußaufwärts weiter wandern, so käme man an weiteren Schauplätzen und und zwei Burgruinen vorbei. Doch dazu war es mir an diesem Tag eindeutig viel zu heiß.


Schule von Česká SkaliceMühle in RatibořiceNationales tschechisches Naturdenkmal "Großmuttertal"
Wanderweg durchs Babiččino údolíWanderweg durchs Babiččino údolíDie Aupa im Großmuttertal



Hradec Králové (Königgrätz)



Für zwei Nächte hatte ich mich in Hradec Králové einquartiert, bei uns besser bekannt als Königgrätz. Nach dem heißen Tag hat mich eine Besichtigungstour einfach nicht mehr gelockt, mit einer Erfrischung am großen Hauptplatz der Altstadt zu sitzen und zu rasten hat gut getan. Die alten Gebäude um den Platz geben eine schöne Kulisse ab. Etwas schade ist, dass der Platz selbst (ausschließlich) als großer ungepflegter Parkplatz genutzt wird, sicher gilt es auch die Anrainerinteressen zu berücksichtigen, aber dieser riesige Platz ließe sich doch stimmungsvoller gestalten.



Nach dem überaus heißen Tag kam abends die Entladung. Es hat so richtig schön geschüttet und Blitze zuckten allerorts über den Nachthimmel. Das geschützt unter einem der vielen Arkadengänge zu beobachten, während im Lokal gegenüber Livemusik das Publikum (mich eingeschlossen) begeistert, war ein erfreulicher Tagesausklang. Die vielen Leute, die in der Stadt unterwegs waren, viele angereist wegen eines Musikfestivals, ließen sich ihre gute Laune nicht verderben und wateten barfuß durch die Straßen.



Am zweiten Abend präsentiert sich Hradec Kralove aber wieder in besserem Licht, wobei der Hauptlatz von Dom und dem aus der Renaissancezeit stammenden Weißem Turm dominiert wird.



Der Weiße Turm hat schon einiges gesehen. Errichtet wurde er 1580 als Beobachtungsturm, um Brände und gelegentlich auch feindliche Truppen ausspähen zu können. Nach dem Verlust Schlesiens (Siebenjähriger Krieg (1756 bis 1763)) lag Königgrätz nahe der Grenze der Habsburgermonarchie zu Preußen, woraufhin die Stadt zur Festung ausgebaut wurde, als Teil einer ganzen Kette von mit massiven Mauern umgebenen und mit dauerhaft stationierten Truppen gesicherter Städte.

Als die Deutsche Frage wieder eskalierte und 1866 die Antwort auf dem Schlachtfeld herbeigeführt wurde (Schlacht bei Königgrätz), waren die Stadtbefestigungen schon nicht mehr zeitgemäß. Die Gefechte fanden aber auch gut 10 km nordwestlich der Stadt statt. Von 400 000 beteiligten Soldaten kehrten 15 000 nicht mehr heim, nach der verheerenden Niederlage Österreichs und seiner Verbündeten war nun Preußen im Deutschen Bund tonangebend. Österreich musste sich fortan nach Osten orientieren, die Einigung der vielen kleinen deutschen Städte, Grafschaften, Herzogtümer usw. zu einem Deutschen Reich unter preussischer Führung war eingeleitet.



Heute hat man vom Weißen Turm die beste Aussicht über die Stadt.



Als dann im frühen 20 Jahrhundert die Festungsmauern endgültig abgerissen wurden, so wurde der freigewordene Streifen um die Alttstadt nicht wie meist im Stil des Klassizismus verbaut, sondern damals ganz modern der Jugendstil für die Architektur herangezogen. Es entstanden in diesem Baustil nicht nur das Ostböhmische Museum und ein Wasserkraftwerk, auch Kauf-, Wohnhäuser und Villen wurden in dieser Architekturrichtung erbaut. Von damals stammt die Bezeichung der Stadt als “Salon der Republik”.



Königgrätz liegt an der Einmündung der Adler in die Elbe. Am Elbkai lässt sich auch wunderbar entspannen, hier habe ich meinen Lieblingsplatz gefunden.




Schloss Opočno



Erst spät machte ich mich im Dunst der nächtlichen Gewitter auf zu einem Tagesausflug zum Schloss Opočno (deutsch Opotschno), in der gleichnamigen Gemeinde gelegen. Dieses Schloss wurde über die Jahrhunderte von Familien bewohnt, die großen Einfluss auf die Geschicke Böhmens hatten.

Schon aus 1068 wird eine Burg erwähnt, die sich im Besitz der Přemysliden befand.

1495 gelangte die Herrschaft ins Eigentum der Herren Trčka von Leipa, die die Burg Mitte des 16. Jahrhunderts im Stil der Renaissance zum bis heute bestehenden Schloss umbauten. Die dreiflügelige Anlage öffnet sich zu einem Abhang hin, von dem man einen schönen Blick in die Landschaft genießt. Ganz fantastisch sind die dreigeschoßigen Arkaden, die auf den drei Seiten den Hof einfassen. Die Herrschaft dieser Familie endetet mit Adam Erdmann Trčka von Lípa, der als treuer Vertrauter von Wallenstein zusammen mit diesem 1634 in Eger ermordet wurde.

Der Besitz wurde vom Kaiser beschlagnahmtund an die neuen Eigentümer, die Fürsten Colloredo übergeben (zuerst Colloredo-Wallsee, später Colloredo-Mansfeld). Auch dieses Schloss wurde wie viele 1945 mit den Beneš-Dekreten vom Staat konfisziert und die Besitzer vertrieben. Die Ländereien wurden nach der demokratischen Wende restituiert, das Schloss blieb nach langen Prozessen in Staatsbesitz, die Gerichtsverfahren um die Ausstattung des Schlosses sind noch immer gerichtsanhängig.



Ein Faden spannt sich vom Schloss Ratibořice nach Opočno. Im Juni 1813 wurden hier die begonnenen Gespräche fortgesetzt, in denen der österreichische Staatskanzler Metternich, der preußische Staatskanzler Hardenberg und König Friedrich Wilhelm III. sowie der russische Zar Alexander I. das Bündnis (Konvention von Reichenbach) aushandelten, das schließlich zur Verbannung Napoleons I. Bonaparte nach der Völkerschlacht bei Leipzig auf die Insel Elba führte.



Und dass es sich lohnt, um die wertvolle Ausstattung des Schlosses zu kämpfen, ist durchaus verständlich. Vielen der Räume merkt man die Abstammung von einer Burg noch an, durch die wenigen Fenster gelangt wenig Licht ins Innere und sie wirken oftmals düster. Die Colloredos richteten die Räume in vielfältigen Stilen ein. Ein Rundgang durch die Räumlichkeiten ersetzt ein Lehrbuch der verschiedenen Stilrichtungen. Von gotisch-mittelalterlich-ritterlichem Ambiente bis hin zu verspieltem Rokkoko reicht die Vielfalt der Stile. Wertvoll und hochrangig ist die Gemäldesammlung, die die Fürsten hier im Schloss zusammentrugen und mit der sie viele Räume dekorierten. Anders als am Vortag in Ratibořice fehlt oft die stilsichere Eleganz, dafür wurde in diesem Schloss der immense Reichtum von Fürsten in absolutistischer Zeit zur Schau gestellt. Nicht wohnlich, aber sehr imposant. Und allein schon wegen der Bilder sehenswert.






Schloss Rychnov nad Kněžnou



Am Tag 3 meiner Reise in die Königgrätzer Region stand ein weiteres Schloss am Programm. Dazu fuhr ich in die hügeligen Ausläufer des Adlergebirges in die Bezirkshauptstadt Rychnov nad Kněžnou (deutsch Reichenau an der Knieschna). In dieser etwas abgelegenen Kleinstadt befindet sich die barocke Schlossanlage Schloss Rychnov nad Kněžnou. Nach wechselnden Vorbesitzern gelangte die Herrschaft 1640 in den Besitz der Grafen Kolowrat, die nach der Rückgabe des Schlosses 1992 bis heute dort wohnen, es für Führungen aber den Besuchern zugänglich machen.

Webseite: http://www.zamekrychnov.cz/de/




Auch die Kolowrats gehörten zu den Sammlern von Malereien, ein Rundgang durch die Schlossräumlichkeiten gleicht einer Galleriebesichtigung in prächtig ausgestattetem Rahmen. Lag der Schwerpunkt der Gemäldesammlung im Schloss Opočno vorwiegend auf Werken der Barockzeit, so reicht der Sammlungsbestand in Rychnov teilweise noch weiter zurück. Es ist schwierig, beim Betrachten der fantastischen Gemälde die Raumwirkung der Schlossräumlichkeiten ebenso im Auge zu behalten.




Oberhalb des Schlosses findet sich die um 1600 errichtete spätgotische Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit. In der Barockzeit wurde die Fassade neu gestaltet. Erbaut wurde sie vom damaligen Schlossherren für die aus der Hussitenbewegung hervorgegangenen Böhmischen Brüder, diese religiöse Bruderschaft hatte aber nur kurzen Bestand. Seitlich der Eingangshalle besteht die Lorettokapelle, in der noch Reste der ursprünglichen Wandfresken erhalten sind.



Am Kirchengelände steht abseits der Glockenturm, ebenso um 1600 erbaut, allerdings im Renaissancestil. Er beherbergt die drittgrößte läutbare Glocke Tschechiens, in Königrätz im Weißen Turm hängt die zweitgrößte. Die größten Glocken Tschechiens sind

  1. Glocke Zikmund im Prager Veitsdom
  2. Glocke Augustin in Hradec Králové (Königgrätz)
  3. Glocke Kryštof hier in Rychnov nad Kněžnou



Gerne hätte ich nach den Besichtigungen noch länger im gepflegten Schlosscafe die schönen Eindrücke nachschwingen lassen, doch eine eher ungünstige Bahnverbindung zwingt mich zum zeitigen Aufbruch zurück nach Königgrätz. Dafür bleibt mir dort ausreichend Zeit, nochmals in die Stadt zu fahren und die Bilder vom Weißen Turm zu machen, den ich bisher noch nicht bestiegen hatte, bevor ich nach den schönen Tagen endgültig wieder heimwärts fahre.

Eine neue, für mich geografisch abgelegenere Gegend konnte ich besichtigen. Auch wenn ich neben der Regionshaupstadt, einem wieder sehr angenehmen Hotel und auch Zeit zum Entspannen drei Schlösser besichtigen durfte, so ist die Region Königgrätz damit keineswegs abgehakt. Im Gegenteil, es gibt dort noch einiges zu bestaunen, ich freue mich schon auf eine Wiederkehr.