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Frühling in Brünn


Einleitung

Der Winter ist überstanden, das anhaltend milde Wetter zeugt vom Frühling. Das tut gut, und will genützt werden. Die meisten Sehenswürdigkeiten öffnen erst im April (zumindest in Tschechien ist das so), eine kleine Stadtbesichtigung passt also gut.

In nur 1½ Stunden erreicht man von Wien die zweitgrößte Stadt der Tschechischen Republik und das Zentrum Mährens, Brünn (tschechisch Brno). Mit ca. 400 000 Einwohnern handelt es sich um eine größere Stadt, als Tourist konzentriere ich mich aber auf das übersichtlich Stadtzentrum und den Festungshügel und überlasse die sich darum ausbreitenden Wohn- und Geschäftsviertel den Einheimischen.



Krautmarkt

Geht man vom Bahnhof gerade in die Altstadt, so hat man diese in 15 Minuten durchquert. Wenn man sich aber nicht gerade die Auslagen der zahlreichen Geschäfte als Hauptattraktion auserkoren hat, sollte man in eine der ersten Gassen links abbiegen, um zum Krautmarkt (tsch. Zelný trh) zu gelangen. Dies ist der größte Platz der Stadt mit einigen schönen historischen Gebäuden, darunter dem mächtigen Palais Dietrichstein, das heute das Mährische Landesmuseum beherbergt. Der barocke Brunnen stammt von Fischer von Erlach (auch Architekt des Schlosses Schönbrunn in Wien). Leider ist der Platz gerade eine Baustelle, er wird neu gepflastert und ist nur auf Pfaden hinter vergitterten Absperrungen zu queren.


Gasse zum KrautmarktKrautmarkt mit Barockbrunnen, dahinter der Turm des Alten RathausesHäuser am Krautmarkt
Gasse zum Krautmarkt Krautmarkt mit Brunnen, Rathausturm Häuser am Krautmarkt



Dom

Vom Krautmarkt führen die Gassen in die Südwestecke der Altstadt noch etwas bergan, auf dem Hügel (“Petersberg” / Petrov) thront die den Hl. Peter und Paul geweihte Domkirche. Im Kern stammt das gotisch Bauwerk aus dem 15. Jhdt., nach einer zwischenzeitlichen Barockisierung wurde sie im frühen 20. Jhdt. wieder auf gotisch getrimmt und erst dann mit den Türmen versehen.


Vom Krautmarkt mit den Figuren des Kapuzinerklosters zum Petersberg mit dem DomVom Krautmarkt mit den Figuren des Kapuzinerklosters zum Petersberg mit dem DomDomkirche  Peter und PaulGotisches Erscheinungsbild des Brünner Doms
Gotisches Erscheinungsbild des Brünner DomsDer Peter und Paul geweihte Brünner DomDer Peter und Paul geweihte Brünner DomEnge Gassen um den Dom
Gotische Details des Brünner DomsGotische Details des Brünner DomsDekorativer Schlussstein des Gewölbes der Vorhalle


Der Dom ist umgeben von engen Gassen, Security hindert am Betreten wegen einer gerade statt findenden Hochzeitsmesse, keine guten Bedingungen um den Dom auch in Fotos gelungen abzubilden. Über das störende Gegenlicht beschwere ich mich nicht, ich genieße die wärmenden Sonnenstrahlen.


Wegen Hochzeitszeremonie nur ein Blick von draussen in den gotischen Brünner DomWegen Hochzeitszeremonie nur ein Blick von draussen in den gotischen Brünner Dom Wegen Hochzeitszeremonie nur ein Blick von draussen in den gotischen Brünner Dom
Im Dom findet eine Hochzeit statt, die natürlich nicht gestört werden darf


Beim Umrunden des Doms finde ich den Zugang an der Südseite, wo man in engen Treppen bis unter die Glocken auf den Turm steigen kann, ein Gang über den Dachboden ermöglicht auch Ausblicke auf die dem Stadtzentrum zugewandte Seite. Möglichkeiten, sich einen Überblick zu verschaffen, finde ich immer verlockend, also nichts wie hinauf und den Blick schweifen lassen. Bloß, wieso werde ich immer ängstlicher, wenn unter mir ein Abgrund ist?

In Räumen über einem Seitenschiff ist eine kleine Ausstellung mit dem Domschatz eingerichtet. Der wurde allerdings mehrfach geplündert, so dass Stücke aus der Errichtungszeit nicht zu finden sind.


Ausblick vom Dom über das Zentrum der Brünner AltstadtAusblick vom Dom über das Zentrum der Brünner AltstadtAusblick vom Dom über das Zentrum der Brünner AltstadtAusblick vom Dom über das Zentrum der Brünner Altstadt
Festung am Spielberg westlich der AltstadtFestung am Spielberg westlich der AltstadtFestung am Spielberg westlich der Altstadt
Ausblick vom Dom über das Zentrum der Brünner Altstadt und der Festung Spielberg


Exposition des Brünner Domschatzes im DachgeschossExposition des Brünner Domschatzes im DachgeschossExposition des Brünner Domschatzes im Dachgeschoss
Ausgestellte Stücke des Brünner Domschatzes


Gotische Fassade des Brünner DomsDa winkt jemand herabWinkt noch immer in der Höhe?Gotische Fassade des Brünner Doms
Gotische Fassade des Brünner Doms



Altes Rathaus

Über schöne Altstadtgassen geht der Weg weiter, bis ein interessantes altes Bauwerk zur näheren Betrachtung einlädt. Es ist das Alte Rathaus (Stará radnice). Im 14. Jhdt. errichtet wurde es im 15. Jhdt. um den weithin sichtbaren Turm ergänzt, der in der Sommersaison bestiegen werden kann. Die der Straßen zugewandte Fassade mit den gotischen Details (frühes 16. Jhdt.) ist schön und interessant. Sie wurde vom Steinmetzmeister Anton Pilgram ausgeführt, der aus Brünn stammt und dort tätig war, bevor er in Wien die Leitung der Dombauhütte zu St. Stephan übernahm. Das krumme Türmchen ist der Legende nach die Rache des Steinmetzes für geringen Lohn.


Gotischer Schmuck von Meister Pilgram am Alten Rathaus (1512)Gotischer Schmuck von Meister Pilgram am Alten Rathaus (1512)Gotischer Schmuck von Meister Pilgram am Alten Rathaus (1512)Gotischer Schmuck von Meister Pilgram am Alten Rathaus (1512)
Straßenseitige Fassade des Alten Rathauses


Gotischer Schmuck von Meister Pilgram am Alten Rathaus (1512)Gotischer Schmuck von Meister Pilgram am Alten Rathaus (1512)
Gotischer Schmuck von Meister Pilgram am Alten Rathaus (1512)


Schön anzusehen ist auch der Innenhof mit der Rennaisanceloggia aus dem 16. Jhdt. Im Durchgang wird man an eine weitere Sage erinnert. Der “Drache”, der von der Decke hängt, wurde angeblich heldenhaft besiegt. Krokodile in Brünn?


Durchgang zum Hof des Alten RathausesDer sagenumwobene "Drache von Brünn"Durchgang zum Hof des Alten RathausesInnenhof des Alten Rathauses
Innenhof des Alten RathausesInnenhof des Alten Rathauses mit Rennaisanceloggia aus dem 16. JhdtInnenhof des Alten Rathauses mit Rennaisanceloggia aus dem 16. JhdtInnenhof des Alten Rathauses



Freiheitsplatz

Wie schon erwähnt führt eine Hauptstraße durch die Altstadt, die gelungen als Fußgängerzone zum Flanieren einlädt und auch von der Straßenbahn befahren wird. Im Zentrum erweitert sie sich zu einem dreieckigen Platz, früher Unterer Markt genannt, heute heißt er Freiheitsplatz (Náměstí Svobody). In Olmütz hat mir das einheitliche Altstadtflair mit kaum aufdringlicher Reklame an den Fassaden besonders gefallen. Brünn ist da anders. Hier findet man auch die bei uns bekannten Mode- und Fastfoodketten, nicht nur diese “zieren” mit ihren Werbeschildern das Straßenbild. Auch werden die alten Straßenzüge und Plätze sehr oft mit Bauten aus der Nachkriegszeit ihrer Einheitlichkeit beraubt (Folge von Bombenschäden?). So ist es auch am Freiheitsplatz. Schöne Bauten aus Rennaisance und späterem Historismus stehen in Kontrast zu Glasfassaden, im Gegensatz zum Olmützer Kopfsteinpflaster wurde in Brünn viel an fußgeherfreundlicherem Pflaster verlegt. Dafür begegnet man in Brünn einer regionalen Metropole entsprechend einer sehr lebendigen Innenstadt. Nur die im Sommer zahlreichen Straßencafes sind noch nicht aufgebaut, so dass ich von einer Sitzbank aus das geschäftig Treiben und die Pestsäule (1680) betrachten muss.


Der Freiheitsplatz (Náměstí Svobody) im Zentrum von BrünnDer Freiheitsplatz (Náměstí Svobody) im Zentrum von BrünnDas Haus mit den vier Schlingeln (20. Jhdt.) am Freiheitsplatz
Einkaufsstraße bei der Mündung in den Freiheitsplatz (Náměstí Svobody)Der Freiheitsplatz (Náměstí Svobody) im Zentrum von BrünnDer Freiheitsplatz (Náměstí Svobody) mit barocker Pestsäule
Der Freiheitsplatz (Náměstí Svobody) im Zentrum von Brünn



Dominikanerkloster / Neues Rathaus

Nur durch eine Gasse getrennt liegt westlich vom Freiheitsplatz der Dominikanerplatz. Die Kirche (17. Jhdt.) des namensgebenden Ordens besteht noch, das im 19. Jhdt. barockisierte Kloster mit seinem schönen Innenhof dient heute als Rathaus (Neues Rathaus).


Ehemaliges Dominkanerkloster, heute Neues RathausHausfassade am DominkanerplatzHausfassade am Dominkanerplatz
Ehemaliges Dominkanerkloster, heute Neues RathausDominikanerkirche (17. Jhdt.)Hof des ehemaliges Dominkanerkloster, heute Neues Rathaus
Hof des ehemaliges Dominkanerkloster, heute Neues RathausHof des ehemaliges Dominkanerkloster, heute Neues RathausHof des ehemaliges Dominkanerkloster, heute Neues Rathaus
Das ehemalige Dominikanerkloster am gleichnamigen Platz dient heute als Neues Rathaus


Gasse entlang des Dominkanerklosters bzw. Neuen RathausesAltes Haus nahe dem DominikanerplatzGasse entlang des Dominkanerklosters bzw. Neuen Rathauses



Festung Spielberg (Špilberk)

Brünn ist zwar ab 1349 Sitz der Markgrafen von Mähren, seit 1641 auch Hauptstadt von Mähren (davor war das Olmütz). Trotzdem residierte hier kein Herrscher, der eine prunkvolle Residenz errichtet hätte. Der Adel baute in der Stadt seine Palais, die Fürsten aber saßen in Wien und Prag. So kammt es auch, dass die Festung der Stadt eine wichtige militärische Rolle im Reich der Habsburger spielte, man den Glanz fürstlicher Repästentationssucht aber vergeblich sucht. die Stadt Brünn war wehrhaft von einer zweifachen Mauer umgeben, das Herz der Verteidungsbauten aber war die Festung am sich westlich der Altstadt erhebenden Spielberg (tsch. Špilberk). Die mittelalterliche Burg wurde im 17. und 18. Jhdt. zu einer massiv befestigten Festungsanlage ausgebaut. Zwei Mal konnte im Dreißigjährigen Krieg der Belagerung durch die Schweden stand gehalten werden, erst unter Napoleon (→ Schlacht beim nahen Austerlitz) wurden viele der Bastionen und Schanzen geschleift.

Im Habsburgerreich war die Festung Spielberg bekannt und gefürchtet, von 1621 bis 1858 befand sich hier neben der militärischen Garnision das Österreichische Staatsgefängnis, in den finsteren Zellen in den Kasematten wurden Schwerverbrecher und Staatsfeinde in Ketten angeschmiedet und fristeten ein düsters Dasein. Unter der nationalsozialistischen Diktatur erwachten die Zellen zu neuem traurigen Leben, das mit dem ebenso unrühmlichen Brünner Todesmarsch ein Ende fand. Diese fast lückenlose Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung ist auch der Grund, warum die eigentlich gemeinsame Geschichte heute so getrennt betrachtet wird und wieso ich mit Englisch weiter komme als mit Deutsch. Trotzdem ist wenigstens genug Zeit vergangen, dass nach Generationen ein freundschaftliches Verhältnis möglich ist, und ich es bisher auch immer so erlebt habe.

Bei strahlender Frühlingssonne (ich weiß, ich wiederhole mich, aber es tut nun Mal so gut :-D) mache ich mich also auf den Weg, die Spazierwege auf den Hügel hinauf zu spazieren.


Der Hügel Špilberk war schwer befestigtBlick über den Südwesten Brünns mit dem DomDer Dom St. Peter und Paul herangezoomt
Befestigter Hügel Spielberg mit Ausblick über Brünn und Brünner Dom


Ziel des Festungsbaus war es, der jeweils aktuellen Waffentechnik Stand halten zu können. So erinnert nur wenig an die mittelalterliche Burg, zu sehr wurde der Bau seinem Zweck als starke Festungsanlage angepasst.


Mauern, Tore und Gräben der Festung ŠpilberkMauern, Tore und Gräben der Festung ŠpilberkMauern, Tore und Gräben der Festung Špilberk
Festung Špilberk, die ehemalige Burgkapelle ist noch in seiner Form zu erkennenOftmals wurden die Kasematten umgebaut, als Kaserne und finsterer KerkerFestung Špilberk
Keine prächtige Residenz, dafür standhafter Festungsbau - Festung Spielberg /Špilberk


Erster Hof der Festung SpielbergErster Hof der Festung Spielberg mit Stiege zum (Aussichts-) TurmTor im zweiten Hof der Festung Spielberg
Höfe der Burg Spielberg


Was man nicht verpassen sollte, ist den Turm der Festung zu besteigen. Der Hügel ist ja mit (jetzt zwar laublosen) Bäumen bewachsen, die keinen ungehinderte Sicht zulassen. Erst vom Turm aus genießt man einen Rundblick über die Altstadt.


Hoch über BrünnDer Nordosten Brünns, hier beginnen die Erhebungen des Mährischen KarstsWie oft wurde nach dem Schleifen der Stadtmauern eine Ringstraße mit Bauten des Historismus errichtet
Burgvorplatz, hinten der DomUNESCO-gewürdigte Villa Tugendhat in der Brünner Vorstadt
Ausblick von der Burg Spielberg


Villa Tugendhat

Am vorigen Bild ist die Villa Tugendhat zu sehen. Von der UNESCO wurde das Wohnhaus der reichen Textilindustriellenfamilie zum Welkulturerbe erklärt. Als die am Hang gelegene Villa 1930 vom Architekten Mies van der Rohe geplant wurde, war sie wegbereitend für eine neue Richtung der Architektur. Die jüdische Familie musst ihr Haus bald verlassen, heute ist es für Besichtigungen zugänglich. So fortschrittlich der Stil zu seiner Zeit auch gewesen ist, so wenig aufregend stelle ich mir eine Besichtigung vor, und habe daher auf einen Besuch verzichtet.

Statt dessen sehe ich mir die in der Festung untergebrachten Ausstellungen zur Geschichte der Burg und zur mährischen Kunst der Moderne an (u.a. Antonín Procházka).


Letzter Blick vom BurgturmSchild zeigt die FestungsanlageGrabungen zu den Ursprungsbauten am Hügel aus dem 11. Jhdt.Zellen der höhergestellten Häftlinge, die nicht im dunklen Keller dahinfaulten


Zentrale Bauten der Festung Špilberk im abendlichen LichtBrünner Dom im AbendlichtDom Peter und Paul im Abendlicht



Nacht

Das angenehme daran, dass ich mich entschlossen hatte, die Nacht in Brünn zu verbringen war, dass ich ohne Zeitdruck am Spielberg weilen konnte, bis sich die Sonne tief senkte, dass ich wieder die Köstlichkeit der Mährischen Küche genießen konnte, und ein Abend ohne heimische Arbeit und Krempel ist ja auch eine angenehme Abwechslung, ein entspannender Kurzurlaub. Und Frühstücksbuffet gibt's daheim ja auch nicht in diesem Umfang :-o.


Nächtliches Brünn vom Hotelbalkon aus
Nacht über Brünn



Mährische Galerie

Frisch ausgeruht, noch bevor die Sonne den Dunst auftrocknet, wandere ich wieder durch die Straßen Brünns.

Die spätgotische Kirche St. Jakob hatte ich noch nicht berücksichtigt. In ihr ruht der Feldmarschall De Souches (gest. 1683), der für die erfolgreiche Verteidigung gegen die schwedischen Belagerer 1645 verantworlich zeichnete. Im Gewölbe des Beinhaus lagern die Knochen zahlreicher Menschen, die vor uns die Erde verlassen haben. Wem das nicht makaber genug ist, unter dem Kapuzinerkloster am Krautmarkt könnte man auch die Mönche besichtigen, die in der Gruft wegen der trockenen Luft zu Mumien trockneten.

Mich interessiert mehr das Augustinerkloster am nördlichen Ende der Altstadt. Die Kirche St. Thomas stammt aus dem 17. Jhdt., im ebenfalls barocken Kloster nebenan findet sich die Mährische Galerie mit einer schönen Sammlung vom Mittelalter bis zum 19. Jhdt., die mit Schenkungen des Hauses Liechtenstein begründet wurde. Wunderschöne geschnitzte Heiligenfiguren und Flügelaltäre finden sich neben Werken der holländischen Malerei, darunter auch einige Gemälde von Rubens.


Spätgotische Kirche St. JakobModell der befestigten Stadt Brünn und Burg Spielberg im 17. Jhdt.Barockes Augustinerkloster mit klosterkirche St. Thomas (17. Jhdt.)
St. Jakob Befestigtes Brünn im 17. Jhdt. Augustinerkirche St. Thomas (17. Jhdt.)
Mährische Galerie im AugustinerklosterGotische Heiligenfiguren (rechts Hl. Dorothee)Saal mit Gemälden italienischer Meister
Mährische Galerie im Augustinerkloster



Heimwärts

Brünn versprüht weder den Charme des Alten wie Olmütz, noch ist es eine hochrangige Metropole und damit kein Must der Tourismusziele. Aber auch in Brünn hat die Geschichte ihre spannenden Spuren hinterlassen, auf die einzulassen es sich lohnt. Und gut gehen lassen, besonders wenn der Frühling erwacht, kann man es sich auch. Es waren schöne Tage.

Und seit die Bahn mit Railjets (Strecke Wien-Breclav-Prag) ein attraktives Angebot bietet, gibt es ja eigentlich keine Ausrede, die Hauptstadt unserer mährischen Nachbarn nicht auch mal zu besuchen.


Bahnhof Brno hl.n.Solchen Service gibt's bei Autofahrten nicht, ich mag Bahnreisen
Bahnhof Brno hl.n. Solchen Service gibt's im Auto nicht