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Brünn - Kathedrale und Madonna von Veveří


Nicht als zwanghaftes Pflichtprogramm, sondern als wertvolle Liste für Anregungen ist mir die Auflistung der Nationalen Kulturdenkmäler Tschechiens untergekommen. Eine ganze Reihe davon habe ich ja schon besucht, einige der kulturellen Highlights möchte ich gerne noch bewundern. Als ich die Liste nun mit Augenmerk danach durchsah, was sich in meiner Nähe (von Wien aus rasch erreichbar) noch anbieten würde, kam ich auf ein spannendes Gemälde, das seit einem Jahr in Brünn zu sehen ist.

In Brünn war ich schon viele Male, in der St. Peter und Paul Kathedrale jedoch noch nie. Also bin ich unmittelbar nach Ankunft gleich auf den an der südlichen Ecke der Altstadt aufragenden Petrov-Hügel hinauf. Dort finden sich noch Reste der Befestigungsanlagen, die einst die Stadt schützend umgaben und an der Wende zum 20. Jhdt. geschleift wurden.


Kathedrale

Bereits im 12. Jhdt. wurde eine romanische Kirche am Hügel über der Stadt errichtet (die Krypta stammt noch von dieser Kirche), die im 14. Jhdt. zu einem gotischen Dom erweitert wurde. Im Dreißigjährigen Krieges konnte sich Brünn bis 1645 zwar erfolgreich gegen die belagernden Schweden verteidigen, allerdings nahm der Dom durch den Kanonbeschuss schweren Schaden, die Türme stürzten ein. Erst im 18. Jhdt. erfolgte eine grundlegende Erneuerung, erst bis 1909 wurden wieder neugotische Türme erbaut, die heute zu den charakteristischen Silouetten der Stadt gehören.


Brünn, Blick zur Festung SpielbergBrünn, Blick zur Festung SpielbergBrünn, Husova-Straße
Brünn, Aufgang zum Petrov-HügelKathedrale St. Peter und Paul in BrünnKathedrale St. Peter und Paul in Brünn
Kathedrale St. Peter und Paul in BrünnKathedrale St. Peter und Paul in BrünnKathedrale St. Peter und Paul in Brünn
Kathedrale St. Peter und Paul in BrünnKathedrale St. Peter und Paul in BrünnModell der romanischen Vorgängerkirche aus dem 12. Jhdt.


Wenn ich schon da war, so ließ ich mir den Ausblick von den Türmen nicht entgehen. Die Aussenbezirke ziehen den Blick nicht unbedingt auf sich, sie sind dominiert von eher trostlosen Wohnblocks. Der Stadtkern mit seinen Türmen und der Hügel Spielberg mit seiner Festung zeigen jedoch die lange Geschcihte der Hauptstadt Mährens.


Blick von der Kathedrale über BrünnBlick von der Kathedrale über BrünnBlick von der Kathedrale über Brünn
Blick von der Kathedrale über BrünnBlick von der Kathedrale über BrünnBlick von der Kathedrale über Brünn
Blick von der Kathedrale über Brünn
Blick von der Kathedrale über BrünnBlick von der Kathedrale über BrünnBlick von der Kathedrale über Brünn
Blick von der Kathedrale über BrünnBlick von der Kathedrale über BrünnBlick von der Kathedrale über Brünn
Kathedrale in BrünnKathedrale in BrünnKathedrale in Brünn
Kathedrale in BrünnKathedrale in BrünnKathedrale in Brünn


Diözesanmuseum Brünn

Direkt neben der Kathedrale, in einem kleinen hübschen, aber eher unscheinbaren Haus findet sich das Museum, das den unmittelbaren Anlass für meinen Ausflug lieferte. In dem Gebäude aus dem frühen 17. Jhdt. hat das Diözesanmuseum Brünn seinen Platz gefunden. Die kleine, aber modern und stimmungsvoll präsentierte Sammlung in den schönen alten Gewölben lädt zur intensiven Betrachtung der sakralen Kunstwerken aus Gotik bis Barock ein. Fotografieren im Inneren ist verboten.

Seit exakt einem Jahr plus zwei Tagen kann das Museum nun auch sein wertvollstes Kunstwerk zeigen, die Madonna von Veveří (dt. Madonna aus Eichhorn). Das vom mährische Markgrafen Johann Heinrich von Luxemburg, einem Bruder von Kaiser Karl IV. einer Kirche nahe der Burg Veveří gestiftete Bild wurde vor den Wirren des 2. Weltkriegs nach Prag verbracht und danach dort im Nationalmuseum ausgestellt. In einer Reihe von Gerichtsverfahren klagte die katholische Pfarre Eichhorn Bittischka (Veverská Bítýška) auf Eigentumsfeststellung, was schließlich auch vom Obersten Gerichtshof bestätigt wurde. Doch selbst danach weigerte sich die Nationalgalerie, das Bild herauszugeben, mit dem Hinweis, die kleine Pfarre könne die Sicherheit und konservatorischen Anforderungen an so eine hochwertiges Kunstwerk nicht gewährleisten. Das mag mit ein Grund dafür gewesen sein, dass das Diözesanmuseum so toll ausgebaut wurde, als Medienspektakel inszeniert wurde das Bild schließlich dorthin umgesiedelt, nachdem die Pfarre das Bild als Leihgabe dem Museum überlässt.


Diözesanmuseum Brünn neben der KathedraleDiözesanmuseum BrünnDiözesanmuseum Brünn


Madonna von Veveří


Die Madonna von Veveří wurde um 1350 von einem Künstler mit Nähe zum Prager Hof gemalt. Das Bild nimmt deutliche Anleihe an der strengen traditionellen byzantinischen Ikonenmalerei und ihrer Farbsymbolik, setzt sich jedoch darüber hinweg und verleiht so der Maria mehr an königlicher Würde, Lebendigkeit und intimer Nähe zu ihrem Kind. Aus der italienischen Malerei wurde die Symbolik des Distelfinks hinzugefügt.

Die hohe Kunstfertigkeit der Böhmischen Malerschule hatte Einfluss auf die Entwicklung der gotischen Malerei Zentraleuropas.


Madonna von Veveří - Quelle: Wikipedia, Public Domain, Photo von Wikipedia-User Ondraness
Madonna von Veveří
Quelle: Wikipedia, Public Domain,
Photo von Wikipedia-User Ondraness


Krautmarkt

Länger als eigentlich beabsichtigt hatte ich mich mit dem lohnenden Museumsbesuch aufgehalten, deshalb unterließ ich den Spaziergang durch die Stadt. Der Platz unterhalb des Petrov-Hügels präsentiert sich nach jahrelangen Bauarbeiten nun frisch gepflastert. Es ist auch wieder erkennbar, wieso er Krautmarkt benannt ist.


Durchblick zum KrautmarktKrautmarkt und RathausturmKrautmarkt und Rathausturm
KrautmarktKrautmarktKrautmarkt


Das Häuschen des Diözesanmuseums bewohnte im 17. Jhdt. der Olmützer Kardinal und mährische Reichsfürst Franz Seraph von Dietrichstein, während sein repräsentatives Palais erbaut wurde. Das Palais am Krautmarkt ist heute Hauptsitz des mährischen Landesmuseums.


Bei der KathedralePalais Dietrichstein, heute Mährisches Landesmuseum